Fest des Heiligsten Herzens Jesu und des Unbefleckten Herzens Mariä
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
vor ein paar Tagen hörte ich folgende Radioreklame. Es begann mit einer feierlichen
Stimme, die einen Text vortrug, denn wir alle kennen: „Wollt Ihr einander achten,
ehren und lieben und einander treu bleiben in guten und bösen Tagen bis der Tod
Euch scheidet?“ Die Antwort: „Ein verlegenes „Mmh“, ein Stottern und dann die
schüchterne Frage: „Muss es wirklich so lang sein?“ Frisch und fröhlich kam die
Antwort: „Natürlich nicht. Geworben wurde hier für die neue BahnCardFlex -
monatlich kündbar und nur 6,50 €“.
Die Unwilligkeit oder auch Unfähigkeit, eine verpflichtende Bindung einzugehen,
betrifft nicht nur die auf „immer“ ausgerichtete Institution Ehe. Sie hat alle
Lebensbereiche umfasst. Wie viele Menschen schlagen sich mit Zeitarbeitsverträgen
durchs Leben. Wie viele freiwillige Feuerwehren, Kirchenchöre oder Sportvereine
klagen darüber, dass ihnen die Mitglieder weg bleiben, weil sich keiner mehr
verbindlich für eine längere Zeit binden will.
Die Texte des Herz-Jesu-Festes nehmen das Thema der Unbeständigkeit und
Ziellosigkeit auf. Die Sprache des Alten Testamentes ist zunächst alles andere als
wohlgefällig. Es spricht vom Bund Gottes mit uns, aber auch von Rechtsvorschriften,
ja sogar von Strafe. Aber wir sollten den Text richtig lesen und vor allem Alles. Da
steht, dass der Herr uns auserwählt und in sein Herz geschlossen hat. „Jahwe, dein
Gott, ist der Gott; er ist der treue Gott; noch nach tausend Generationen achtet er
auf den Bund und erweist denen seine Huld, die ihn lieben und auf seine Gebote
achten.“ EWIG lautet das entscheidende Wort, es geht nicht um eine jederzeit
kündbare FlexiCard; nicht um Liebe auf Probe, Zeitverträge oder I-Phones, die man
nach zwei Jahren wegwirft, weil sie aus der Mode geraten sind.
Mit dem Wort „EWIG“ und der damit zusammenhängenden Dimension der Treue und
Liebe werden uns Dinge ins Bewusstsein gebracht, die heute nicht mehr viel zählen.
Das Herz Jesu Fest ist eine Einladung, die Treue und Liebe Gottes neu zu entdecken.
Das Symbol des Herzens hat beide Komponenten und ich denke, es ist eine Botschaft,
die in der allgemeinen Unverbindlichkeit unserer Zeit eine hohe Bedeutung besitzt.
Eine jederzeit kündbare FlexiCard mag im Bahnbetrieb angehen, aber auch hier
funktioniert das nicht immer. Mehrmals wollte ich nach Werne und kam nur bis
Lünen. Für das Leben geht so etwas überhaupt nicht. Hier geht es um Liebe und
Treue. Das heutige Fest erinnert uns daran, dass Gott der Garant für beides ist.
Pater Heinz Josef Catrein SSCC, Provinzial der Arnsteiner Patres