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Oktober 2015

Generaloberer der Arnsteiner Patres zur Bischofssynode

P. Javier Álvarez Ossorio mit Papst Franziskus

P. Javier Álvarez Ossorio mit Papst Franziskus (Radio Vatikan)

Synode: „Die Disziplin ändern, nicht die Lehre“ (Bericht von Radio Vatikan)

Endspurt der vatikanischen Bischofssynode: Nach drei Wochen der Beratungen dröhnen vielen Teilnehmern die Köpfe. „Das sind wirklich sehr arbeitsreiche Tage“, sagt der Generalobere der ‚Arnsteiner Patres’, Javier Álvarez Ossorio, im Gespräch mit Radio Vatikan. Aber er findet, dass sich die Mühe lohnt, „praktische Lösungen“ seien in Sichtweite.

„Ich hoffe, wir finden aus unserem üblichen, etwas klerikalen Sprechstil heraus, der weit weg ist von der Realität des Volkes Gottes! Hoffentlich können wir den Papst auf ein paar offene Türen hinweisen, damit er dann weitergehen kann auf dem Weg der Annäherung der Kirche an alle Teile der Welt. Ich hoffe sehr auf neue Dynamiken in verschiedenen Weltgegenden – Kontinenten, Bischofskonferenzen –, weil die Lösungen für konkrete Probleme oft nur auf lokaler Ebene gefunden werden können!“

Da sei doch sehr vieles möglich, glaubt Pater Álvarez Ossorio, und zwar ohne gleich an den Grundpfeilern der Kirche zu rütteln. „Ich sehe da kein Problem der Lehre, wenn wir zeigen wollen, dass die Kirche offen ist, um alle aufzunehmen – zum Beispiel wenn wir über den Sakramentenempfang reden. Denken wir doch an Jesus selbst, wie er das machte: wie er sich hingeben hat, damit alle das Heil erlangen! Ich bin überzeugt, dass wir die Freiheit haben, die Disziplin zu ändern, ohne auch nur im geringsten an die Lehre zu rühren.“

Der Ordensmann hat genau zugehört, als Papst Franziskus bei einem Festakt am letzten Samstag vom Dezentralisieren sprach. „Das ist doch ein Aspekt davon! Ja, ich finde, dass Dezentralisieren bedeutet: Die Bischöfe haben die Freiheit, für ihre Gläubigen praktische, konkrete Lösungen zu finden, um das Leben des Evangeliums da, wo sie sind, zu erleichtern. Für die Disziplin sollten wir nicht mehr nur universelle Lösungen ob vom Papst oder vom Heiligen Stuhl erwarten – auch die Bischöfe haben die pastorale Macht, wenn ich das mal so formulieren darf, spezielle regionale Lösungen zu suchen!“

Der Spanier denkt bei den Worten „regionale Lösungen“ ausdrücklich auch an eine mögliche Erlaubnis auf ortskirchlicher Ebene, wiederverheiratete Geschiedene – natürlich unter gewissen Bedingungen – zur Kommunion zuzulassen. Er kennt natürlich von der Synode her auch die Gegenargumente und Bedenken. Würde eine solche Erlaubnis nicht das Sakrament beschädigen? „Ich finde, nein! Alle Sakramente zielen, führen zu einer eschatologischen Erfüllung: die Liebe Gottes, die Erfüllung im Reich Gottes. Wir sind auf einem Weg. Eine Diversität von Praktiken zuzulassen, solange wir auf diesem Weg sind, heißt doch, dass die Kirche ein Volk Gottes auf dem Weg durch die Geschichte ist. Es wäre zuviel verlangt, vom Ehesakrament zu erwarten, dass es eine perfekte und historische Realisierung dieses eschatologischen Ideals der Liebe Christi zur Kirche sein muss. Wir gehen zur Eucharistie, wir sind getauft, ich habe die Priesterweihe empfangen, aber wer von uns lebt denn das alles wirklich in seiner Fülle? Keiner! Wir alle sind Sünder. Darum sehe ich kein Problem, wenn es verschiedene Praktiken in der Kirche gibt. Wir haben doch alle denselben Blick auf Jesus gerichtet und auf Gottes Liebe, die immer größer ist als wir und als unsere historischen Realisierungen.“

Ob in dieser komplizierten Frage wirklich eine absolute Mehrheit der Synodenväter den Argumenten von Padre Álvarez Ossorio folgen wird? Abgestimmt wird an diesem Samstag, hinter verschlossener Tür. Der Generalobere hat keine Angst, dass Spaltungen auftreten könnten. „Fakt ist doch, dass die Gemeinschaft da ist. Ich verstehe die pastoralen Sorgen von vielen, die etwas ändern wollen, und vielen anderen, die nichts ändern wollen. Aus meiner Sicht ist es vielleicht gar nicht nötig, hier zu einer Einigungsformel zu kommen. Gut wäre, wenn diese Synode dem Volk Gottes einen etwas besseren Weg freimachen würde. Und sie ist ja nicht der Ende des Prozesses, sondern kann die Etappe auf einem Weg sein, der immer weitergehen muss.“

Pater Álvarez Ossorio ist Generaloberer der Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und der ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes, abgekürzt SS.CC.

(rv 23.10.2015 sk)



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