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Impuls zum 27. Sonntag im Jahreskreis

02. Oktober 2022 - Evangelium Lk 16,19-31

Gott im Dreck

Umsteigepause auf dem Kölner Hauptbahnhof. Ich hole zwei Frankfurter Würstchen. Eine ärmliche Frau verdirbt mir den Appetit. Sie sucht in einem Mülleimer nach halbgegessenen Brötchen und kratzt sich die Senfreste von den Wegwerftellern. Beschämt und betroffen reiche ich ihr meine Portion, sehe in verstörte Augen und gehe rasch weg. So hungrig wie diese Frau war ich noch nie. Und noch nie war ich genötigt, im Dreck nach Lebensmitteln zu suchen.

Gott sucht den Menschen im Dreck. Das ist die Geschichte Jesu im heutigen Evangelium. Die Geschichte eines Gottes, der heruntergekommen ist auf diese Erde. Heruntergekommen bis in den letzten Dreck.

„Liebe mich stark beschmutzt!“, sagt ein russisches Sprichwort. „Reingewaschen wird mich jeder lieben.“

Diese Liebe ist es, die mich an Jesus fasziniert, aber immer wieder auch befremdet. Gott im Dreck – aus Liebe.

Diese Liebe ist es auch, die mich lehrt, im eigenen Leben Dreck und Dreck zu unterscheiden. Vieles hat man mir als Sünde und Dreck verunglimpft, was Lebensmittel hätte sein können – ein betrübliches Kapitel der Moral- und Sexualerziehung zum Beispiel. Manche Verteidigungsbereitschaft gegen sogenannte Häresien hat man mir eingeimpft – was kein eigenständiges Denken zuließ. Den Glauben an einbetonierte Dogmen, die keine Weiterentwicklung ins jeweilige Heute möglich machen, Kniefälle vor allmächtigen Traditionen hat man vermittelt, Widerspruch verboten.

Gott geht ein in die Widersprüche der alten Frau auf dem Kölner Hauptbahnhof, die sich nicht scheut, im Dreck das Brot zu suchen. Gott im Dreck. Lazarus vor unserer Tür. Prasser und Lazarus, nicht nur vor unserer Tür, auch in uns selbst.

Vielleicht gerade in uns selbst.

Hans-Ulrich Willms sscc

Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis

Evangelium: Lk 16,19-31 - 25.09.2022

Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund.“

Diese Antwort gibt Abraham dem Reichen, während er den armen Lázarus in seinem Schoß tröstet. Da der Sinn des Lebens beim Reichen sein Reichtum war, blieb sein Herz für Gottes Anruf verschlossen. Lázarus bekam es zu spüren. Der Reiche hatte kein Mitleid mit ihm und hat ihn auch nicht als Mensch wahrgenommen. Lázarus hätte gerne seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen leckten die Hunde an seinen Geschwüren.

Im Jenseits hingegen geht es Lázarus gut. Der Reiche dagegen erleidet Qualen und möchte seine Brüder warnen. Abraham lehnt seine Argumente ab und argumentiert: sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. Wenn sie auf sie nicht hören, lassen sie sich auch nicht von jemanden überzeugen, der von den Toten auferstanden ist.

Mit diesem Gleichnis möchte Jesus uns sensibilisieren, dass wir uns nicht nur um unseren Besitz und unsere Habe kümmern, sondern immer auch für Gottes Anruf bereit sind. So kann kein unüberwindlicher Abgrund zum Nächsten entstehen und es gibt viele Brücken zu ihm. Die treibende Kraft dazu ist die Nächstenliebe, die Brücke unseres Herzens. Bei unseren Bemühungen können wir immer wieder neu mit dem Erbarmen und der Hilfe Gottes rechnen.

Einen gesegneten Sonntag wünscht

Elfriede Kuhmann

 

Impuls zum 25. Sonntag im Jahreskreis

Am 8, 4-7. - Lukas 16, 1-13

Liebe Brüder und Schwestern in Christus, heute feiern wir den fünfundzwanzigsten Sonntag im Jahreskreis, im liturgischen Jahr C. Das Evangelium davon lädt uns zur Treue zum Herrn ein. „Kein Diener kann zwei Herren dienen. Entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben; oder er wird dem einen anhangen und den anderen verachten.“ Sagte die Seignzur! Heute wendet sich Jesus an uns, die wir seine Jünger sind, indem er in Gleichnissen zu uns spricht. Ein reicher Mann wurde seinem Verwalter angezeigt, weil er sein Vermögen verschleuderte. Dieser hatte, nachdem er erfahren hatte, dass er sich bei seinem Herrn melden sollte, Angst und wollte deshalb seinen Job nicht verlieren. Er begann, über sich selbst nachzudenken. Schließlich sieht er nicht ein, wie er nach seiner Entlassung bei der Aufgabe, die er hatte, überleben soll. Aus diesem Grund trifft er die feste Entscheidung, alle zu korrumpieren, die Schulden bei seinem Chef zu zahlen hatten; und er tut dies mit dem Ziel, in ihrem Haus willkommen geheißen zu werden, wenn er keine Arbeit mehr hat, damit er etwas zu essen findet.

Geliebte im Herrn, dieser Auszug aus dem Evangelium hilft uns, über unsere eigene Lebensweise nachzudenken, denn am Jüngsten Tag wird jeder dem Herrn, dem Herrn der Ernte, Rechenschaft ablegen. Wir besitzen nicht, was wir haben, und wir spielen nur die Rolle von Verwaltern. Gründe dafür, dass wir alle aufgefordert sind, in dem, was wir tun, treu und barmherzig zu sein. Bemühen wir uns vielmehr, fair zueinander zu sein, damit wir auch fair vor dem Herrn sind. „Wer im Kleinen treu ist, ist auch im Großen treu, und wer im Kleinen ungerecht ist, ist auch im Großen“. Respektieren wir, was anderen gehört, und bleiben wir treu, was uns gehört. Bitten wir den Herrn um Gnade, dass wir ihn als unseren einzigen Meister anerkennen, dem wir in Treue dienen müssen. Lasst uns endlich unsere Gebete, Flehen, Bitten, Danksagung zum Herrn erheben, nicht nur für uns selbst; sondern auch und vor allem für alle, damit wir ein friedliches und ruhiges Leben führen, in aller Frömmigkeit und Ehrlichkeit; für unser Heil und für die Erkenntnis der Wahrheit, die der Christus Jesus ist. Möge Maria, unsere Mutter, für uns eintreten, Amen!

P. Crispi BADINGA, SSCC

Impuls zum 24. Sonntag im Jahreskreis

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten:

Dieser nimmt Sünder auf und isst mit ihnen.

 

Dieser mein Sohn … dein Bruder

(Lukas 15, 1 – 32)

Es scheint, dass wir immer wieder neu lernen müssen, was der Vater im Gleichnis damit wirklich aussagt: mein Sohn – dein Bruder. Er sagt: diese Tatsache, die Wirklichkeit hinter diesen Worten wird von nichts in der Welt verändert. Nichts kann bewirken, dass ein Sohn / eine Tochter aufhört Sohn oder Tochter zu sein. Nichts kann erreichen, dass ein Bruder – eine Schwester die geschwisterlichen Bande beendet. Es kann ernsthafte und schwerwiegende Schwierigkeiten im Miteinander geben, aber die mütterliche – die väterliche – die geschwisterliche Liebe wird Wege finden das Gewebe wieder herzustellen und wieder tragfähig zu machen.

Die Liebe des Vaters, die Liebe Jesu im Geist ist bedingungslos. Einmal mehr lädt das Evangelium dieses Sonntags ein, das wirklich daran zu glauben und darauf zu hoffen. So wie ich bin und wie ich war liebt Gott mich bedingungslos, und wenn ich das glaube habe ich keinen Grund mehr Mitmenschen die Möglichkeit der göttlichen Zuwendung und Zuneigung abzusprechen. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten von damals und von heute sind von Jesus eingeladen herauszukommen ins Freie und Weite und sich einfach zu freuen, weil Gott groß und schön ist.

 

Martin Königstein sscc

Impuls zum 23. Sonntag im Jahreskreis

4. September 2022

Sich selbst und andere gering achten…

Gering achten sollen wir uns und unsere Schwestern und Brüder, unsere Mütter und Väter. Diese Aufforderung Jesu im Sonntagsevangelium erregt wohl in vielen Menschen Widerspruch.

Manchmal kann es helfen, nicht über das zu grübeln, was einem aufstößt oder anstößig zu sein scheint. Stattdessen hilft es, die Perspektive zu wechseln. So lenke ich angesichts der Texte des heutigen Sonntags den Blick auf die Stadt Brandenburg an der Havel. Hier ist auch der Geburtsort von Loriot (mit bürgerlichem Namen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow). Den Gedanken, dass ein Leben ohne Mops sinnlos ist, hat er auf vielfältige Weise in Bild und Wort entfaltet. Zahlreiche Möpse, gegossen in Bronze und über die Stadt Brandenburg verteilt, greifen Geschichten von Loriot über den Mops auf. In allen möglichen Haltungen zeigt sich der Mops. Stets erinnert er teils an einen Elch, teilweise an einen Riesensaurier, ohne wahrscheinlich je einer von beiden gewesen zu sein. Und obwohl er wohl entgegen der humorvoll gemeinten These von Loriot ursprünglich kein Riese war, stecken in der geistreichen Geschichte Loriots wertvolle Gedanken für denjenigen, die die Geschichten nicht wörtlich nimmt, sondern dem Geist in und hinter den Geschichten auf die Spur kommen will.

Ist es nicht ebenso mit dem heutigen Sonntagsevangelium und den Lesungen dieses Sonntags? In der alten Einheitsübersetzung hieß es sogar, wir sollten unser Leben „hassen“. Wie in der Geschichte Loriots über den Mops, müssen wir auf den Geist schauen, der in den Wörtern steckt. Paulus tauft im Gefängnis einen der Sklaven des Philemon. Durch die Taufe ist er, Onesimus, sein „geliebter Bruder“ geworden, jenseits der sozialen Ordnung, die ihn zum Sklaven gemacht hat. Er blieb wahrscheinlich in der sozialen Ordnung dieser Welt ein Sklave, wurde zugleich ein geliebter Bruder des Paulus, des Philemon und der ganzen christlichen Gemeinde. Die weltliche Ordnung, nach der ein Sklave ein minderwertiger Mensch ist im Vergleich zu den Einflussreichen, gering achten. So bekommt die Ordnung Jesu, die Menschen zu Kindern Gottes und damit in Brüder und Schwestern verwandelt, Macht. Sie kann durchaus viele Menschen zum Nachdenken über die Wirklichkeit anregen. Ideal wäre es, wenn diese Ordnung aus dem Geist Jesu auch unsere weltlichen Ordnungen prägen würde. Aber selbst wo dies nicht der Fall ist, besteht diese Ordnung Jesu und sollen wir sie höher achten als die weltlichen Ordnungen. Wie immer die weltlichen Ordnungen den Stellenwert menschlichen Lebens und der einzelnen Personen regelt; wie immer sie den Zeitpunkt für Leben und Tod festlegen; wie immer sie für Gerechtigkeit und Frieden sorgen: Die Ordnung Jesu ist höher zu achten und verbindlicher, selbst wenn wir sie nicht überall umsetzen können.

Ebenfalls ist die 1. Lesung aus dem Buch der Weisheit ein Schlüssel, das heutige Evangelium zu verstehen: Nichts sollen wir Gott vorziehen und niemanden über ihn stellen. Aus dieser Hochachtung für Gott ergibt sich, uns selbst, alle Menschen und alles andere gering zu achten. Gott war, ist und wird immer größer sein.

(Foto und Text: P. Manfred Kollig SSCC)

Impuls zum 22. Sonntag im Jahreskreis

28. August 2022 - Evangelium: Lukas 14,1.7-14

Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten;“

Beim Lesen dieses Textes musste ich sofort an das „Regenbogenhaus“ in meiner Gemeinde denken. Es ist seit 25 Jahren eine ökumenische Anlaufstelle für sozialschwache Menschen, unsere Gäste. Sie erhalten seit der Coronapandemie nur noch von montags bis freitags ein Frühstück, mittags eine warme Mahlzeit. Es gibt eine Kleiderkammer, die Möglichkeit zum Duschen sowie Wäsche zu waschen und zu trocknen. Auf Wunsch erhalten sie eine Beratung und auch eine ärztliche Versorgung. Wenn ich dort ehrenamtlich mit einem kleinen Team mittwochs helfe, dann erlebe ich in der Mehrzahl dankbare Gäste. Sie kommen gerne in unsere Einrichtung. Sie reden und spielen miteinander und pflegen soziale Kontakte. Da sie mit ihren finanziellen Zuwendungen nicht auskommen, sind sie dankbar für diese Anlaufstelle. Keiner wird hungrig weggeschickt. Rauchwaren werden selbstverständlich geteilt. Vor ein paar Woche ist die Wohnung eines Gastes ausgebrannt. Sofort war ein anderer Gast bereit, ihm in seiner kleinen Wohnung Unterschlupf zu gewähren. Hat einer einmal etwas Geld übrig, wird z.B. der Tischnachbar zum Geburtstag in die Eisdiele eingeladen. Ihr Sozialverhalten ist bewundernswert. Sie freuen sich mit dem Eingeladenen und erwarten keine Gegen-Einladung, wohl einen schönen gemeinsamen Nachmittag.

Einen gesegneten Sonntag wünscht
Elfriede Kuhmann

Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis

21. August 2022 – Evangelium: Lukas 13,22–30

Diätkur Gottes ist angesagt

 

„ … Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen ...   Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selber aber ausgeschlossen seid. Und sie werden von Osten und Westen und Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein.“  

 

Na, dann mal ran an die Diätkur Gottes in Jesus:

Hütet Euch vor Habgier: Immer mehr für mich! Der Dickmacher der Ersten dieser Welt und der geheime Dickmacher vieler, die gern Erste wären ... Und so werden die Reichen immer reicher und die Anzahl der Armen steigt. Der Armutsforscher Christoph Butterwegge sieht für die Reichen eher Besitzstandswahrung durch die FDP während bei den Armen einige auf das Anrecht auf Hilfe verzichten. »Viele Menschen, die eigentlich einen Antrag auf Transferleistungen stellen könnten, tun das nicht. Bei Hartz IV geht man davon aus, dass nur jeder zweite Antragsberechtigte einen Antrag stellt. Bei der Grundsicherung im Alter ist die Dunkelziffer sogar noch höher«, sagte der Politikwissenschaftler in einem Interview mit der Rhein-Post am 12. August 2022.

Hütet Euch vor allem, was zugrunde gehen lässt und damit echtes Leben in Fülle verhindert: 2022 steht für alle eine Magerkur an: kein Fleisch, wenigstens echt weniger, wenn uns die Erde als Wohnraum noch wichtig ist. Auch Energiesparen ist angesagt für alle: runter mit dem Wärmegrad beim Duschen usw.

Und liebe deinen Nächsten wie dich selbst: Wer will schon nicht gerettet werden auf der Flucht vor allem, was Leben gefährdet? Da gab es ein Treffen vieler junger Menschen in Frankreich, die alles dran setzen, dass keiner auf der Flucht verloren geht – eine ganz andere Haltung, als viele der verantwortlichen Politiker:innen sie an den Tag legen. (Informationen zum Transborder-Summercamp)

Impuls von Pater Wolfgang Jungheim SSCC

 

 

Impuls zum 20. Sonntag im Jahreskreis

14. August 2022 – Evangelium: Lukas 12,49–53

Einer hat uns angesteckt…

Dieses Evangelium hat es in sich. Seine Sätze enthalten Zündstoff. Jesus sagt sie nicht unbedarft daher. Er weiß genau, was er sagt und welche Wirkung diese Aussagen haben werden: Die einen sind Feuer und Flamme, die anderen kochen vor Wut und heben Steine auf.

Auch seine Familie nimmt kein Blatt vor den Mund: Was fällt dem denn ein? Der ist ja verrückt! Vieler seiner Freunde meinen: Das ist ja unerhört, unerträglich, was er von sich gibt, nicht zum Anhören! Und sie gehen. Andere aber fangen Feuer, lassen sich von ihm begeistern, bleiben und gehen mit ihm.

Wie geht es uns damit? Immer wieder feiern wir Gottesdienst und hören Jesu Worte an uns. Muten uns seine Worte zu, auch die, die so hart klingen wie die heutigen und wahrhaft kein Ohrenschmaus und keine Streicheleinheiten für geschundene Seelen sind.

Das heutige Evangelium stellt mir folgende Fragen:

  • Gibst du dich mit einem Christsein auf Sparflamme zufrieden oder brennt dein Herz für die Botschaft Jesu?
  • Siehst du dich in Konflikten zu oft als Feuerlöscher oder lässt es erst gar nicht zum Brand kommen?
  • Findest du dich zu schnell mit einem faulen Frieden ab? Sagst du zu oft Ja „um des lieben Friedens willen“, wo du Nein sagen müsstest?
  • ….

Der Glaube ist kein Kinderspiel. Es ist nicht einfach und es hat Konsequenzen, sich die Ideen und Anliegen des Brandstifters Jesus zu eigen zu machen, mit ihnen  durch das Leben zu gehen und es aus ihnen zu gestalten.

Ein großer Physiker hat gesagt: Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen …

 

Impuls von Hans-Ulrich Willms SSCC

 

 

Impuls zum 19. Sonntag im Jahreskreis

07. August 2022 – Evangelium: Lukas 12,32–48

Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten

„Vorfreude ist die schönste Freude“. Wenn wir als Kinder etwas nicht erwarten konnten – den Geburtstag, die Ferien oder das Weihnachtsfest herbeisehnten – dann bekamen wir von unseren Eltern oft dieses Sprichwort zu hören.

Damals klang das in meinen Ohren mehr wie eine schale Vertröstung und machte die Ungeduld nicht erträglicher. Heute weiß ich die Vorfreude besser zu schätzen.

Die Haltung, von der Jesus im Evangelium des heutigen Sonntags spricht, erinnert mich an die Vorfreude: „Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten“ (Lk 12, 35–40).

Die Aufforderung Jesu, darum wachsam zu sein und sich bereit zu halten, will uns aber nicht in eine Art Dauerstress versetzen. Denn dauernd im Stress zu sein, immer in voller Aufmerksamkeit zu leben, das wäre ja nicht gesund.

Deshalb das Bild der Vorfreude: sie setzt mich unter eine positive Spannung. Weil ich mich freue, weil ich etwas erwarte, bleibe ich wach und aufmerksam. Das gilt für meine aktuelle Vorfreude auf den bald beginnenden Urlaub; in ähnlicher Weise aber auch für die größere Dimension des Lebens.

Alles, was ich jetzt erlebe, was ich beginne, was gelingt und misslingt – all das soll in der Begegnung mit Jesus seine Vollendung finden.

Das Evangelium hält dafür ein schönes Bild bereit: Dienerin und Diener, die der Herr bei seiner Rückkehr aufmerksam und wach findet, werden selbst zu Bedienten am Tisch ihres Herrn.

Impuls von Peter Wegener

 

 

 

Impuls zum 18. Sonntag im Jahreskreis

31. Juli 2022

Aus dem Evangelium des 18. Sonntags im Jahreskreis:

„Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.“ (Lukas 12, 15)

Unsere Suche nach Sicherheit, Schutz, Geborgenheit ist nur natürlich. Seit unserer Kindheit machen wir zutiefst die Erfahrung, dass wir verwundbar sind, und dass unsere Existenz, unser Leben sich im ungeschützten, offenen Raum ereignet.

Eine ständige Versuchung ist es, Sicherheit zu suchen im Besitz und in der Macht, die der Besitz verleiht. „Wenn ich mehr habe, wenn ich dies und das auch noch habe, dann kann ich zufrieden sein.“ Aber wir wissen, was unsere Alten dazu gesagt haben: „Je mehr er hat, je mehr er will, nie schweigen seine Klagen still“!

Die Schrift weist uns immer wieder darauf hin, dass Sicherheit und Zufriedenheit nicht im selbstzentrierten Anhäufen von Besitz zu finden ist, sondern in der immer wieder einzuübenden Bereitschaft, innerlich frei zu werden gegenüber Reichtum und Besitz, so frei, dass ich das, was ich besitze, teilen kann mit anderen, die ihre Verwundbarkeit täglich neu erfahren im Hunger ihrer Kinder, in der Krankheit lieber Menschen, in der Bedrohung durch Gewalt, im Krieg …

Wenn wir frei und fähig werden zu wirklicher Solidarität, können wir in dieser gelebten, gegenseitigen Verwiesenheit die Grundlage finden, für eine Sicherheit und einen inneren Frieden, den Reichtum und Besitz nicht geben können.

Wenn dann Freude und Dankbarkeit in uns aufkommen, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Impuls von Martin Königstein SSCC

 

Impuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis

24. Juli 2022

Gott bitten und sich selbst anstrengen…

Mögen Menschen auch noch so spirituell und religiös sein: Die meisten kennen Zeiten, zu denen es schwer fällt zu beten. Enttäuschung und Missmut, Zweifel an Gott und den Menschen, innere Traurigkeit und Leere, Müdigkeit und Gleichgültigkeit machen auch geübte Beterinnen und Beter sprachlos. Selbst die Jünger Jesu brauchen zum Beten seine Hilfe.

Die Worte des Vaterunsers empfiehlt Jesus für das Gebet. Jesus belässt es aber nicht dabei, auf die Bitte der Jünger – „Herr, lehre uns beten“ – Worte zu vermitteln. Er lehrt sie, dass Worte nur dann sinnvoll sind, wenn die Sprecherinnen und Sprecher dieser Worte Gott vertrauen.

Wie so oft bedient sich Jesus einiger Beispiele aus dem Alltag. Kinder trauen ihren Eltern zu, dass sie ihnen helfen können, und bitten sie um einen Gefallen, Freunde vertrauen ihren Freunden und bitten um Unterstützung.

Menschen erfahren, dass andere ihre Sorgen teilen, ihre Bitten hören und dass ihre Wünsche erfüllt werden. Jesus lehrt und empfiehlt nicht nur das Vaterunser als Gebet. Er bittet, selbst hilfsbereit zu sein und sich an die Hilfsbereitschaft anderer Menschen zu erinnern. Und wenn wir Menschen schon auf die Bitten anderer eingehen und sie erfüllen, dürfen wir umso mehr darauf bauen: Gott gibt uns das Brot, das wir brauchen, und vergibt uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern deren Schuld erlassen.

Das ist eine stärkende und tröstende Zusage in Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen um ihr Leben und das Leben ihrer Mitmenschen sorgen; in denen auch Irrtümer zunehmen, weil die Themen wie Krieg und Frieden, Umwelt und Natur, Gesundheit und Gefährdung zu groß sind, um irrtumsfrei zu bleiben.

Gott zu vertrauen und sich selbst anzustrengen: Das haben Menschen uns immer wieder vorgelebt. Nicht zuletzt auch jene Menschen, die vor 78 Jahren, am 20. Juli 1944, die Diktatur Hitlers und seines Regimes beenden wollten. Christinnen und Christen des Kreisauer Kreises etwa, die überzeugt beteten: „Dein Reich komme“, nicht das sogenannte Dritte Reich, sondern das Reich des Gottes, dessen Name geheiligt werde. Dieser Glaube gab ihnen die Kraft, sich riskant einzusetzen, verantwortungsvoll und vertrauend. Amtlich anerkannt waren sie weder kirchlich noch staatlich. Erfolgreich waren sie auf den ersten Blick betrachtet auch nicht. Immerhin starben nach dem Attentat im letzten Jahr der Diktatur nochmal durch den Krieg und durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft so viele Menschen wie in den Jahren davor. Und doch haben sie aus dem Geist des Gebetes, das Jesus empfohlen hat, in schwieriger Zeit das Richtige getan.

 

Foto und Text: P. Manfred Kollig SSCC

 

Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis

17. Juli 2022 – Lukas 10,38–42

„Marta, Marta…! Maria hat den guten Teil gewählt, der wird ihr nicht genommen werden.“

Jesus wäscht Marta nicht den Kopf. Er sagt nur: Maria hat den guten Teil gewählt und drückt damit nicht aus, dass Marta den schlechten Teil gewählt hat. Er gibt ihr zu verstehen, dass er auch für sie weiterhin da ist. Als Gastgeberin fällt es ihr plötzlich schwer, alles alleine vorzubereiten und ihre Schwester hilft nicht mit, denn sie sitzt bei Jesus und hört ihm zu. So beschwert sie sich bei Jesus und erhält seine Antwort.

Jesus hat die Situation der beiden Schwestern erkannt: Maria hat ihre innere Ruhe gefunden. Marta dagegen ist sehr unruhig und noch bei vielen äußeren Dingen, die für sie wichtig erscheinen. „Marta, Marta! Vieles geht dir im Kopf herum und beunruhigt dich“, so lesen wir in der Übersetzung von Susanne Ruschmann.Sie hat noch nicht erkannt, dass sie auf sich selber schauen muss und sich fragen muss, was ist für mich wichtig. Dazu ermutigt sie und uns heute immer noch Jesus.

 

 

Meditation: „Warum bin ich neidisch gewesen?*

Oft habe ich neidisch auf Maria geschielt,

wie Marta.

Du schienst sie mehr zu schätzen –

ihre Passivität,

ihr Zuhören,

ihre Liebe.

Oft habe ich neidisch auf Maria geschielt,

wie Marta.

Ich glaubte, du achtest mich weniger –

meine Aktivität,

meine Arbeit,

meine Liebe.

Und dann war ich traurig!

Spät habe ich die andere Marta kennengelernt,

die Marta, die mit dir ringt und mit dir redet.

Ich habe die andere Marta kennengelernt,

die Marta, die dich erkennt und dich bekennt.

Und dann war ich froh!

Warum bin ich neidisch gewesen?“

*Aus: Frauen-ge-danken, Meditationen von Marie-Luise Langwald, Klens-Verlag 1990, S.50-51 Marta (Joh 11,1–44)

Gesegnete und besinnliche Sommertage

Elfriede Kuhmann

Impuls zum 15. Sonntag im Jahreskreis

10.7. 2022 – (Lk10,25–37) – Ein neuer Samariterbund ist NOTwendig, denn viele fallen unter die Räuber

Strukturen der Sünde, des Unrechts, der Ausbeutung ... sehen und verändern: „Mehr Gerechtigkeit schaffen! Die Corona-Pandemie hat uns erneut deutlich gemacht, wie ungleich Menschen durch globale Krisen getroffen werden: Während mehr als 160 Millionen Personen zusätzlich in Armut stürzten, verdoppelte sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre. Weltweit hungern mehr als 800 Millionen Menschen. Ebenso ungerecht verteilt ist der Zugang zu Impfungen und einer guten Gesundheitsversorgung. Am Meisten leiden diejenigen, die schon zuvor wenig besaßen. Mit dem Ukraine-Krieg steigen die Lebensmittelpreise massiv, was die Ärmsten am stärksten trifft und wodurch der Hunger in der Welt zunimmt. Gleichzeitig enden zu viele Nahrungsmittel im Tank und Futtertrog statt auf dem Teller. Armuts- und Hungerbekämpfung standen bei G7-Gipfeln häufig auf der Tagesordnung. Doch es blieb bei leeren Worten.“ (vgl. Aufruf „GerechtGehtAnders“ www.g7-demo.de)

„Die Beschlüsse des Gipfels von Elmau sind Blendwerk, das vom historischen Versagen der G7 ablenken soll. Die zugesagten 4,5 Milliarden US-Dollar sind viel zu wenig, um die globale Nahrungsmittelkrise zu beenden und zu verhindern, dass Menschen weiter hungern. Um den Hunger zu beenden und die Hilfsaufrufe der Vereinten Nationen zu finanzieren, sind mindestens 28 Milliarden US-Dollar zusätzlich erforderlich.“Charlotte Becker, Leiterin Politik und Kampagnen von Oxfam

„Während bis zu 250 Millionen Menschen in diesem Jahr in die Armut abzurutschen drohen, machen viele Konzerne, zum Beispiel im Energie- und Lebensmittelbereich, exorbitante Gewinne. Nötig ist deshalb eine Übergewinnsteuer auf Extraprofite während der Corona-Pandemie. Von den G7 hätte ein klares Signal ausgehen müssen, dass die großen Gewinner der Krise ihren fairen Beitrag zur Finanzierung der Krisenkosten beitragen.“Tobias Hauschild, Leiter Soziale Gerechtigkeit bei Oxfam

„Die G7 verteidigen weiterhin die Monopole und das geistige Eigentum ihrer Pharmakonzerne, statt wirtschaftlich benachteiligte Länder dabei zu unterstützen, ihre eigenen, generischen Impfstoffe herzustellen.“Max Lawson, Leiter Ungleichheit bei Oxfam International  (vgl auch monitor von 30.6. 22 erschreckende Erkenntnis zu Impfstoffgeschäfte)

Wir müssen vor Ort helfen und als Zivilgesellschaft einfordern, was einer Zeitenwende für Gerechtigkeit und einen echten Politikwechsel zum Allgemeinwohl dient.

Wir brauchen einen neuen Samariter-Bund!!!

Impuls von Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis

3. Juli 2022

Lukas 10,1 ff, Man muss ein Esel sein …

Man muss ein Esel sein, wenn man sich heute noch in der Kirche engagiert. „Stimmt!“, werden diejenigen denken, die sich aufgrund der Erfahrungen mit Kirche innerlich und äußerlich von ihr abgesetzt haben.

„Stimmt!“, sage auch ich, wenn ich mir das heutige Evangelium vor Augen führe. Die Jünger Jesu sind mit buchstäblich nichts auf Mission geschickt worden. Beim Lesen kam mir die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem in den Sinn. Ein Esel hat ihn zu den Menschen dieser Großstadtmetropole getragen. Und so lässt sich doch beschreiben, was zu allen Zeiten die Aufgabe der Christen und der Kirche sein wird: Jesus zu den Menschen tragen, sein Evangelium unter die Leute bringen.

Ein Esel als Vorbild für die Kirche und die Gläubigen? Der Gedanke gefällt mir, weil der Esel zwei charakteristische Eigenschaften besitzt, die wir nur schwer zusammenbringen: zum einen seine sprichwörtliche Geduld und zum anderen sein störrisches, eigenwilliges Verhalten.

Gerade diese Mischung aber bringt die Herausforderung eines christlichen Lebens auf den Punkt. Leben in den Spuren Jesu verlangt auf der einen Seite die Geduld, Lasten und Belastungen in der Familie oder im Beruf täglich auf sich zu nehmen und durchzutragen, die eigenen Grenzen und Schwächen zu akzeptieren und dennoch lebenslang an sich zu arbeiten. Auf der anderen Seite ist die Mission Jesu angewiesen auf Wider-Ständigkeit, den hartnäckigen Eigen-Sinn, störrisch zu protestieren, wenn innerhalb und außerhalb der Kirche Leben nicht zur Entfaltung kommen kann, weil unverdünnte Angst injiziert wird, Gott und der Mensch missbraucht werden; kritisch und unbequem aufzuschreien, wenn Ungerechtigkeiten stillschweigend übergangen oder vertuscht werden und die Hoffnung im Halse steckenbleibt. Oft sind es ja gerade die Störrischen, die durch ihren Widerstand dazu zwingen, innezuhalten, die Dinge genauer und differenzierter zu betrachten, und die dadurch eher vorwärts bringen als diejenigen, die nur „I-A“ schreien und gedankenlos mitlaufen.

Da bei uns Menschen diese beiden Eigenschaften leider meist nicht zusammen auftreten, wünsche ich mir eine Kirche, in der solche Esel einen Platz haben. Und wenn dann einer zu mir sagen würde: „Man muss ein Esel sein, wenn man sich heutzutage in der Kirche engagiert!“, dann könnte ich schmunzeln und sagen: „Stimmt!“

Impuls von Hans-Ulrich Willms SSCC 

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis

24.6.2022

Freiheit

Unsere Epoche, die Moderne, sei die erste Epoche, in der wir wirklich Gottes Sehnsucht nach uns Menschen entsprechen könnten, betonte der Freiburger Theologe Magnus Striet schon vor einigen Jahren in einem Vortrag. Wir können Gottes Sehnsucht nach uns entsprechen, weil wir frei sind.

Striets Gedanken kamen mir in den Sinn, als ich diesen starken Satz am Anfang der zweiten Lesung dieses Sonntags aus dem Galaterbrief las: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“.

Nie wieder, so schreibt Paulus an die Gemeinde in Galatien, sollen sie sich ein „Joch der Knechtschaft“ auferlegen lassen, von anderen unterdrücken lassen.

Ganz anders erleben wir es gerade: Unter dem Deckmantel, die Menschen in der Ukraine befreien zu müssen, führt der russische Machthaber Putin seit Monaten einen brutalen Krieg gegen die Ukrainerinnen und Ukrainer. Seine „Befreiung“ dient aber offensichtlich nur dem einen Zweck, sie in Unfreiheit zu halten.

Frei zu sein, befreit zu sein, ist die Voraussetzung für ein Leben in Freiheit. Diese Freiheit ist kein Freibrief, in großer Beliebigkeit alles tun und lassen zu können. Christus lädt zur Nachfolge ein. Die Entscheidung, ihm nachzufolgen, bedeutet zwar auch sich einzuschränken. Sie führt aber auch auf den Weg, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Nächstenliebe zu leben; den Weg, den Jesus selbst gegangen ist. Und auf dem er uns zur Freiheit befreit.

 

Impuls von Peter Wegener

Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

19.6.2022

Aus dem Antwortpsalm der heutigen Sonntagsliturgie:

Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele. Psalm 63 (62)

Das ist die Lebensüberzeugung und die Wegrichtung des Psalmensängers. Der Durst zeigt den Weg zur Quelle, die Sehnsucht gibt die Richtung unserer Suche an.

Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder zu vergewissern, wonach sehne ich mich wirklich? Wonach habe ich Hunger? Hunger, aus dem die Sehnsucht erwächst, die mir den Weg zeigen soll? Führen meine Schritte wirklich dahin, wo meinen Hunger und mein Durst gestillt werden kann?

„Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Matthäus 6, 21)

 

Impuls von Pater Martin Königstein SSCC

Impuls zum 6. Sonntag der Osterzeit

22. Mai 2022 – Offenbarung 21,10ff

Am Ende nicht am Ende oder Ende gut alles gut

Himmlisches Jerusalem! Heilige Stadt! Wer in ihr Platz hat, dem kann niemand mehr etwas anhaben.

Dass diese Stadt eine Mauer und wohlbewachte Tore hat, ist selbstverständlich. Wichtiger ist – und gleichzeitig Überraschung pur–, dass es in dieser Stadt keinen Tempel gibt, kein gemauertes Gotteshaus. Gott selbst ist der Tempel. Gott ist alles in allem für alle. Das Leben mit ihm und durch ihn und aus ihm ist so selbstverständlich all-gegenwärtig, dass es keinen Ort, kein Haus der Verehrung, der Anbetung, des Kultes braucht. Es gibt keine Trennung mehr zwischen Himmlischem und Irdischem, Profanem und Heiligem, Völkern und Rassen, Gläubigen und Ungläubigen. Kein Oben und Unten. Alle sind eins. Alle leben in Frieden.

Welch großartig tröstliches Gegen-Bild gegen die Bilder, die gerade unausweichlich auf uns einstürmen! Welch eine Verheißung für unsere aus den Fugen geratene Welt, in der so viel schrecklicher Tod herrscht. Pandemie, Hunger, Durst, Klimakatastrophe, Kriege, zerbombte Städte, zerstörte Heimaten und Lebensräume – sie behalten nicht das letzte Wort.

Menschen können in ihrem Größenwahn Zukunft zerstören – bis an die Grenzen dieser Welt. Aber es gibt eine andere Zukunft, die weiter reicht: Gottes Zukunft. Alle Tränen werden abgewischt. Am Ende nicht Tod ohne Ende. Am Ende: Leben ohne Ende.

Irdische Lebenszeit braucht geographische Lebensräume: Häuser, Wohnungen, Dörfer, Städte. Doch die sind nur auf Zeit. Unsere zeitlose Zukunft kommt auf uns zu, die kommt uns entgegen. Das himmlische Jerusalem, die heilige Stadt, die Heimat in Gott, aus der wir herkommen und zu der wir wieder zurückfinden, die haben wir von Geburt an immer schon – im Blick und im Arm. Niemand kann sie uns entreißen. Nichts kann sie uns streitig machen. Was auch immer ist und wie es ist, weiter glauben, weiter hoffen, weiter lieben in dieser Zeit – weiter: heim in Gottes Ewigkeit.

Gott rettet seine Schöpfung, rettet seine Menschen und bringt sie in Sicherheit. Tod und Hölle sind überwunden. Gott sei Dank!

Impuls von Pater Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum 5. Sonntag der Osterzeit

15. Mai 2022

Otto Pankok hat seinen berühmt gewordenen Holzschnitt „Christus zerbricht das Gewehr“ 1950 erschaffen. Er ist vielleicht ein Anti-Bild zum Evangelium des heutigen Sonntags.

Hier ist ein Christus, der mit starkem Arm das Gewehr zerbricht, der Krieg, Gewalt und das Böse mit einem Mal zerstört und aus der Welt schafft.

Da im Johannes-Evangelium hören von dem, der gerade von Judas verraten wurde und der sich in sein Schicksal fügt, verurteilt und getötet zu werden. Dessen Botschaft und neues Gebot lautet: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“

In der sonntäglichen Lesung aus der Offenbarung ist die Rede von einem neuen Himmel und einer neuen Erde, die Gott schaffen wird. Dort wird der Tod nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.

Jesu neues Gebot „Liebt einander!“ ist unser Auftrag, schon hier und heute etwas von dieser verheißenen neuen Erde sichtbar zu machen. Eine Erde, auf der nicht die Logik der Gewalt und das Recht des Stärkeren herrschen, sondern die Liebe die Waffen zerbricht.

Weit sind wir davon entfernt, so scheint es gerade jetzt. Und doch hoffe ich, dass wir mutig im Kleinen wie im Großen auf diesem Weg des „Liebt einander!“ bleiben.

Impuls von Peter Wegener

Impuls zum 4. Sonntag der Osterzeit

7. Mai 2022 – Ich und der Vater sind eins

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes. (Johannes 10, 27–30)

In jener Zeit sprach Jesus: Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen.

Ich und der Vater sind eins.

18. März 1958: Der amerikanische Dichtermönch Thomas Merton steht an einer belebten Straßenkreuzung in Louisville, Kentucky. Er betrachtet die vielen Menschen, die ei­lig ihren Geschäften nachgehen. Er kennt sie nicht. Und doch hat er auf einmal die unerschütterliche Gewissheit, mit ihnen allen verbunden zu sein. Er fasst seine Erkenntnis in einen Satz: „There are no strangers - es gibt keine Fremden!" Wirklich?

Wenn ich an einer belebten Kreuzung in der Stadt stehe, habe ich meistens das Gefühl, dass es nur Fremde gibt. Ich kenne niemanden und werde von niemandem erkannt.

Merton mochte es ähnlich ergangen sein. Doch an jenem Frühlingsnachmittag in Louisville erlebte er es auf einmal an­ders. Er sah, was ihn mit all den Menschen verband. Er er­kannte das gemeinsam Menschliche. Den einen Geist, der in jedem Menschen auf einzigartige Weise zum Ausdruck kommt, das Bild Gottes, das vom Schöpfer jedem Menschen mitgegeben ist. (vergl. Genesis 1, 26)

Mehr noch: Er sah sich selber in all den Menschen, die er gar nicht kannte: „Ich bin eins mit ihnen... Sie sind nicht ,sie', sondern mein eigenes Selbst." Er erlebte sich als Teil der einen Menschheit und hatte kein Bedürfnis mehr, sich von ihr abzu­heben.

Zehn Jahre später kam Merton wieder auf das Thema zu spre­chen. Er er­innerte daran, dass die tiefste Ebene der Kommunikation die Kommunion sei – das Erlebnis der wechselseitigen Verbun­denheit: „Meine lieben Brüder und Schwestern, wir sind bereits eins, obwohl wir das nicht wissen. Was wir entdecken müssen, ist unsere ursprüngliche Einheit. Wir müssen werden, was wir bereits sind."

There are no strangers: An der Straßenkreuzung in Louisville erinnert eine Gedenktafel an Mertons erleuchtende Erkenntnis. Passanten strömen daran vorbei, werfen vielleicht einen flüchti­gen Blick auf die Tafel, lesen diesen einen Satz und gehen weiter. Einsame? Fremde?

There are no strangers.

Impuls von Pater Martin Königstein SSCC

Impuls zum 3. Sonntag der Osterzeit

1. Mai 2022 – Magst Du mich…

Der Auferstandene kommt unerwartet. Und er erscheint an den Orten, wo Menschen keinen Erfolg haben, sich hinter verschlossenen Türen aufhalten und vor Sorgen und Ängsten vergehen.
Wenn der Auferstandene den Jüngern erscheint, dann zeigt er sich menschlich: Er teilt das Brot und isst mit ihnen. Er ist kein Geist und erst recht kein Gespenst, sondern kommt als Mensch.
Seine Botschaft lautet: Fürchtet euch nicht. Habt keine Angst. Der Friede sei mit euch. Den Petrus fragt er dreimal, ob er ihn liebe. Petrus antwortet eher zurückhaltend, was in der deutschen Übersetzung meistens nicht deutlich wird. Auf die Frage nach der Liebe antwortet er: Ich mag dich. Daraufhin fragt Jesus beim dritten Mal: Magst du mich. Er lässt sich ganz auf Petrus ein und passt seine Frage der Antwort des Petrus an.
Zwei Gedanken zum Evangelium des 3. Ostersonntags:
- Der Auferstandene erwartet von uns Menschen nichts, was uns überfordern könnte. Er fragt so, dass wir darauf antworten können.
- Mitleid hat er mit der Not der Jünger, nichts gefangen zu haben. Die leeren Netze bezeichnen jede Form des gefühlten oder tatsächlichen Misserfolgs.
Auferstehung beginnt dort, wo Menschen am Boden liegen. Der Auferstandene will sie aufrichten. Ambrosius von Mailand sagte über ihn, dass er da sei. Und dass er die Menschen, die ihn suchten, nie verfehle.
 
Foto und Text: P. Manfred Kollig SSCC

Ostern fixpunkt

17. April 2022

Alle feiern das neue Leben – Wir würden es auch gern  wir aus und in der Ukraine, wir auf der Flucht, wir die keinen Weizen mehr aus Europas Kornkammer Ukraine bekommen, wir die keine Luft bekommen wegen Corona, wegen Leid, wegen Krankheiten, wegen Umweltschäden, wir die am Boden liegen, wir die Enttäuschten ...

Selig, die mich erfahren lassen, dass ich geliebt, geachtet und nicht allein gelassen bin.(aus Afrika)

Der, der am Kreuz alleine hing und nicht zum Schwert gegriffen hatte, der sich sein Herz durchbohren liess, der in aller Gottverlassenheit auf IHN vertraute, den hat Gott nicht verlassen, sondern aufgefangen und aufgerichtet, auferweckt … und er segnete Gastfreund- schaft in Emmaus bei den Enttäuschten mit dem Teilen des Brotes und so erkannten sie: Er lebt, der unser Herz brennen liess, weil er uns zuhörte und uns den Sinn von Hingabe, Selbstlosig- keit, Gewaltlossigkeit...erklärte. So hilft er durch uns heute für einen Schritt raus aus Verlassenheit, weil wir einem Obdach geben, weil wir einem ein wenig Ruhe ermöglichen, weil wir für einen Zeit haben, weil wir Erfahrungen beim Austausch ernst nehmen, weil wir bei Leidenden aushalten, weil wir... Frohe Ostern mit der Bitte um Sorge füreinander im Leiden und Sterben und um solidari- sche Hilfe heute ...

Impuls von P. Wolfgang Jungheim SSCC, Sprecher des Initiativkreises für Flüchtlinge und Asylsuchende im Rhein-Lahn-Kreis und Seelsorger bei Kranken und Behinderten

 

Impuls zum 5. Fastensonntag

3. April 2022

Es tut gut, sich an all das Gute zu erinnern, was einem widerfahren ist, an die schönen Momente zu denken, die man erlebt hat. Oft ist es ja mehr als nur das Schwelgen in schönen Erinnerungen, oft ist diese Besinnung wie eine Kraftquelle, aus der sich leben lässt. Viele solche guten Momente teilen wir auch gemeinsam; wir Deutschen zum Beispiel die friedliche Revolution von 1989 die zur Überwindung der Teilung unseres Landes führte.

Alle drei Lesungen des heutigen Sonntags lenken unseren Blick aber in eine andere Richtung. »Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, achtet nicht mehr«, heißt es beim Propheten Jesaja. Und Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi: »Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.« Und Jesus ruft die Frau, die die Ehe gebrochen hat zum Aufbruch auf: »Geh!«

Alle drei Lesungen nehmen auf ihre Art das Neue in den Blick, das Gott schaffen will. Einst hat Gott die Israeliten in die Freiheit geführt – jetzt aber, so lesen wir bei Jesaja, schafft er Neues: die Wüste soll zum bewohnbaren, fruchtbaren Land werden. Auch Paulus richtet den Blick nach vorn: das Ziel vor Augen, das Jesus selbst ist. Und die Ehebrecherin wird von Jesus ermutigt, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ohne zu sündigen ihren Weg weiterzugehen.

In Zeiten wie diesen fällt es mir nicht leicht, den Blick nach vorn zu richten in eine Zukunft, die gerade sehr düster erscheint. Aber ich freue mich, dass dieser Sonntag mich neu erinnert, dass Gott nicht Vergangenheit ist, dass er da ist und unseren Weg in die Zukunft begleitet.

Dazu kam mir das Lied von Klaus-Peter Hertzsch wieder in den Sinn, das 1989 ursprünglich für eine Hochzeit geschrieben zu einer Hymne der friedlichen Revolution wurde. Es begleitet mich in den letzten Tagen als ermutigender Ohrwurm.

Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit. 

Peter Wegener SSCC

Impuls zum 4. Fastensonntag

27. März 2022

Evangelium: Lukas 15, 1–3.11–32

Der Vater (zu den Familienangehörigen): »Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.« Lukas 15, 24

Der Vater (zum ältesten Sohn): »Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen; denn dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.«  Lukas 15, 32

Der Mann, den wir normalerweise den »Verlorenen Sohn« nennen, hat seinem Vater, seinem Bruder, also seiner Familie die Hälfte der Existenzgrundlage entzogen und das Kapital auf den Kopf gehauen.

Dennoch bleibt er für seinen Vater: »mein Sohn« und der Vater besteht darauf: für den ältesten Sohn soll er auch weiterhin »dein Bruder« sein.

Diese bedingungslose Zuwendung geht weit über Sympathie oder Zuneigung hinaus. Hier begegnen wir einer Grundhaltung, die stärker ist auch als Schuld und alles andere, was uns trennen kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es scheinbar immer tiefere Gräben der Spaltung und gegenseitigen Entfernung gibt. Wir werden immer unfähiger mit dem anderen Lager zu reden.

Eine Einladung dieses Evangeliums vom 4. Sonntag der Fastenzeit ist es, uns auf diese gemeinsame Basis zu stellen: »meine Schwester« – »mein Bruder«.

Seien wir gespannt, was von da aus möglich ist.

P. Martin Königstein SSCC

Impuls zum 3. Fastensonntag

20.3.2022

„Vielleicht bringt er in Zukunft Früchte“ (Lk 13,9)

Kaum ein Merkmal prägt unsere Gegenwart so sehr wie die Schnelligkeit. Keine langen und komplizierten Texte; stattdessen Schlagzeilen. Bitte keine zweite Meinung, stattdessen eine einzige, die ständig wiederholt wird. Das schnelle Urteil, die schnelle Übermittlung von Nachrichten – ich sitze gerade hier und esse Pizza – und die schnelle Reaktion sind gefragt.

Das führt öfters dazu, dass Menschen mit der Tür ins Haus fallen, zu Aktionismus neigen und sich nicht mehr mit dem beschäftigen, was keinen unmittelbaren Gewinn und Erfolg verspricht. Außerdem ist immer schnell klar, wer denn an einer Misere schuld ist. Früher gab es noch die Skepsis gegenüber der Eile und hatte man noch mit der Möglichkeit gerechnet, voreilig zu denken, zu urteilen und zu handeln. Heute scheint es nur eine Gefahr zu geben: nämlich die, zu langsam zu sein.

In der 1. Lesung des 3. Fastensonntags sieht es anders aus. Mose wird erst einmal vom Herrn aufgefordert, stehen zu bleiben und seine Schuhe auszuziehen. Diese Entschleunigung und dieser unmittelbare Bodenkontakt sollen ihn spüren lassen, dass der Boden, auf dem er steht, heiliger Boden ist (Ex 3,5). Heiliger Boden, der sich Gott verdankt und auf dem er mit uns lebt. Heiliger Boden auch, um Beispiele zu nennen, in Afghanistan, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea, Irak, Jemen, Libyen, Mexiko, Russland, Ukraine und Venezuela. Heiliger Boden in den Krisengebieten. Auch dort lädt Gott ein und fordert auf, innezuhalten. Das ist eine Zumutung. Sie mag vor dem Fernseher mit den Nachrichten aus den Krisengebieten noch annehmbar sein. Aber Gefühle von Angst, Wut, Hass und den Impuls zur Vergeltung im Krisengebiet selbst unter Kontrolle zu bringen; gleichsam innehalten im Bombenhagel, weil auch dort heiliger Boden ist …

Auch dort sind die Herren der Welt wie der Besitzer des Weinbergs im Sonntagsevangelium aufgerufen, Chancen zu geben; nichts voreilig ab- und umzuhauen, sondern abzuwarten. „Vielleicht bringt er in Zukunft Früchte.“ (Lk 13,9).

Fastenzeit ist Österliche Bußzeit; Zeit zum Anhalten und Umkehren. Dazu ist es auch förderlich, sich zu erinnern, dass Gott, wie es Alfred Delp einmal ausdrückte, manchmal umgekehrt denkt wie wir.

(Text und Foto: P. Manfred Kollig SSCC)

Impuls zum 2. Fastensonntag

13.3.2022

Eröffnungsvers: Psalm 25,6

Denk an dein Erbarmen, Herr, / und an die Taten deiner Huld; / denn sie bestehen seit Ewigkeit.                                                                      

Die Corona-Pandemie haben wir noch nicht ganz überwunden, da trifft uns ein politisches Kalkül: Krieg in und um die Ukraine. Wir sind von den täglichen Bildern und Berichten betroffen, verstehen Russland nicht und schalten sogar ab, weil wir es nicht mehr ertragen können. Die Menschen vor Ort können das nicht. Sie kämpfen um ihr Leben. In unserer Betroffenheit zeigen wir uns solidarisch mit immer neuen Ideen. Neben Protestaktionen, Gedenkminuten, dem Zeigen der ukrainischen Farben gelb und blau, musikalischen Friedensbeiträgen, organisierten Hilfskonvois, nehmen Flüchtlinge, sogar in Privatwohnungen und sind als Christen in der Pflicht, auch um Frieden zu beten. Um sich als Gebetsgemeinschaft zu erfahren, stellen wir eine Kerze um 18 Uhr ins Fenster und beten. Es hilft uns ein wenig, so unsere Machtlosigkeit an Gott, den Vater abzugeben. Ebenso hilft uns die aktive Unterstützung der Flüchtlinge.

So hat die Vorbereitungszeit auf Ostern bei vielen von uns einen anderen Akzent erhalten, als wir es uns vielleicht vorgenommen hatten. Trotzdem dürfen wir uns jetzt im Fast-Frühling auch an den vielen blühenden Krokussen, Narzissen und an dem langsam grün werdenden Bäumen und Sträuchern erfreuen. Gottes Zeichen seiner Verbundenheit mit seiner Schöpfung.

Ich wünsche uns, dass wir auf dem Weg nach Ostern den Spagat schaffen zwischen aktiver Unterstützung, Mitempfinden der unter der Kriegssituation leidenden Menschen und der bei uns erwachenden Natur als Hoffnungszeichen.

Ein ausgeglichenes Wochenende

Elfriede Kuhmann

1. Fastensonntag 2022

Evangelium: Lk 4,1–13

Es geht! Gerecht!

In den Versuchungen zeigt Jesus, dass es geht: gerecht zu sein.
Jesus drückt sich nicht, wenn es darum geht, sich um sein Brot und das anderer zu kümmern und zeigt zugleich, dass der Mensch mehr als Brot (Essen und Trinken) benötigt.

Jesus beansprucht nicht Herrschaft über Länder, Besitz und Menschen und schon gar nicht Macht, um sie zu benutzen. Er dient dem Leben aller, die ihm begegnen und anvertraut sind, dass sie nicht zugrundegehen. Er will für sie sogar Leben in Fülle, besonders für die Armen und die Kinder – anders Putin und ähnliche Machthaber. 

Jesus macht keine Spielchen mit Gott, aber er vertraut ihm, dass er ihn nicht zu Tode fallen lässt für ewig, wenn er, Jesus, alles einsetzt, um den Willen Gottes zu erfüllen, Rettung, Einheit der Menschen mit Gott und untereinander.

Das Kreuz Jesus zeigt es: der Längstbalken steht für sein Kommen von Gott zu uns und für sein Vertrauen zu Gott, der ihn hält in seinen Händen und uns alle, der Querbalken macht deutlich, dass er die Arme ausbreitet für uns alle und gut ist zu uns, damit auch wir einander nicht fallen lassen, sondern retten, umarmen ...

Das Kreuz von Lampedsa ist gelebtes Kreuz Jesu: Im Blick auf Gott, der Ertrunkenen zu gedenken und zugleich Trost und Hilfe zu sein für die Überlebenden.

Die diesjährige Fastenaktion greift diese Gedanken in den Projekten auf und in den Fastenimpulsen: www.misereor.de/fastenaktion2022/

Impuls von Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum 8. Sonntag im Jahreskreis

27. Februar 2022

Damit Friede möglich wird...

Gott, dein Sohn Jesus Christus hat uns gelehrt, unsere Feinde zu lieben und für unsere Verfolger zu beten. In dieser Welt aber will die Sprache des Hasses und der Bedrohung nicht verstummen. Wollen die Waffen nicht schweigen. Will das Töten nicht aufhören. Überziehen Terroristen und Despoten immer wieder Völker mit Kriegen, Unterdrückung, Zerstörung und Tod.

Bewahre alle, die über Waffen befehlen vor den Versuchungen der Macht!

Krieg aber ist nicht nur da, wo Raketen und Bomben explodieren. Krieg beginnt immer im Herzen der Menschen. Deshalb bitten wir: Hilf uns, vor allem die Waffen, mit denen wir unsere persönlichen Kriege im Alltag führen, abzulegen: Verletzend scharfe Worte; verächtlich böse Blicke; giftige Spitzen; aggressive Untertöne; arrogante Überheblichkeit; unfehlbare Besserwisserei; beißenden Spott; desinteressierte Gleichgültigkeit…

Gib deinen Geist des Friedens in unsere Sprache, in unsere Blicke, in unsere Hände und Füße, in unseren Intellekt, in unsere Fantasie, in unser Herz!

Impuls von Hans-Ulrich Willms SSCC

FRIEDEN,

GOTT,

ist dein GESCHENK an uns.

PEACE – PACE – PAIX – MIR – BARIŞ – SHALOM

Dein GESCHENK,

uns Menschen anvertraut.

DU,

komm,

lass uns ZUSAMMEN SEIN:

MITEINANDER sprechen,

MITEINANDER spielen,

ZUSAMMEN essen, ZUSAMMEN trinken,

GEMEINSAM singen,

und ZUSAMMEN leben,

damit wir leben

in FRIEDEN.

Impuls zum 7. Sonntag im Jahreskreis

20. Februar 2022

Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen! Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen! Lukas 6, 27–28

Was für eine Liste an Forderungen und Aufforderungen, die uns diesen Sonntag im Evangelium begegnet, oder besser: zugemutet wird. Als wäre es nicht genug, dass Jesus uns die Nächstenliebe – als die Erfüllung aller Gebote – ins Stammbuch geschrieben hat, nein auch Gegner und Feinde soll diese Liebe noch einschließen, diejenigen, die uns an den Kragen wollen.

Liebe, aber unter ganz anderen Vorzeichen, stand am Montag der letzten Woche im Kalender. Da, am Valentinstag, ging es um Liebe als innige Zuneigung zweier Menschen zueinander.

Ein solches Gefühl ist die Nächstenliebe – einschließlich der Feindesliebe – nicht. Was dann? Mir helfen die ersten beiden Verse unseres Sonntagstextes, das besser zu verstehen: Gutes tun, segnen und beten sind da als drei konkrete Handlungsschritte genannt. Das ist das Gegenteil von Schaden zufügen und verfluchen.

Es geht Jesus wohl darum, dass wir nicht in der einfachen Logik eines „Wie du mir, so ich dir“ stecken bleiben. Er traut uns zu, dass wir anders handeln können, so wie er es vorgelebt hat.

Gutes tun, segnen und beten ist immer noch ein anspruchsvolles Programm. Aber auch nicht unmöglich. Vielleicht erst einmal nur für heute …

Impuls von Peter Wegener 

 

»Der du uns gemacht hast so brüchig, wie wir sind,
um dein einziges Bild zu sein:
Wir, Fremdlinge füreinander,
Waisen und Witwen füreinander,
einander Feinde, Liebhaber, Nächste.
Der du unausweichlich nahe kommst, offenbar bis hier und jetzt.
Lenk unser Herz auf Recht und Liebe,
öffne unseren Verstand für die Vision des Friedens,
die uns ruft seit Menschengedenken.«

Huub Oosterhuis

Impuls zum 6. Sonntag im Jahreskreis – 13. Februar 2022

Jesus richtete seine Augen auf seine Jünger und sagte: Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. (Lukas 6, 20 – 26)

Wer schaut nicht in diesen Tagen, wenn auch nur flüchtig, auf den Medaillenspiegel der Winterspiele? Schneller, eleganter, geschickter …, darum geht es. Wir vergleichen uns ständig. Es kommt darauf an im Vergleich mit anderen besser da zu stehen. „Der Zweite ist ein »Looser« singt der Spanier Miguel Bosé. Wenn nur einer siegen kann, dann nimmt man in Kauf, dass es viele Verlierer gibt.

Jesus stellt in seiner Rede unsere Vorstellungen auf den Kopf. Wie damals das Kind (Markus 9, 36) so stellt er jetzt die Armen und Hungernden, die Geschundenen und Missbrauchten, die Ausgegrenzten und Verachteten, alle Verlierer in die Mitte. Da ist der »Standpunkt« Gottes, vom Ort der »Looser« aus sieht und versteht er die Welt. Das ist eine gute Botschaft für Arme und für Reiche, denn wer die Verlierer, die vom Rand, die Verachteten beachtet, wertschätz, schützt, ernst nimmt hat alle mit im Boot, alle, die wollen … klar, die Reichen und Mächtigen müssten einiges ändern in ihrer Mentalität damit sie dazu passen.

Martin Königstein SSCC

Impuls zum 5. Sonntag im Jahreskreis am 06.02.2022

Besinnt Euch auf Eure Stärke …

Die ganze Nacht hatten sie sich abgemüht. Sie, die enttäuschten Fischer, begegnen am Morgen Jesus. Das Evangelium dieses Sonntags kann uns überraschen. Lukas berichtet nicht, dass die Jünger erst einmal anfangen zu klagen. Am Anfang der Begegnung steht keine Befindlichkeitsrunde, in der die Jünger Trübsal verbreiten. Auch zeigt er sein Mitgefühl mit den Jüngern nicht durch sein Bedauern. Stattdessen nutzt er ihre Möglichkeiten. Der Fischfang oder die leeren Netze sind nicht das Einstiegsthema. Jesus schaut auf die Boote, in denen er eine Chance sieht. Er solle ihn hinausfahren, bittet er den Simon. Dieser tut es und so kann Jesus vom Boot aus zu den Menschen sprechen. Die Netze waren leer, kein Thema. Ihr habt doch zwei Boote, das war das Thema. Und mit diesen Booten könnt ihr etwas tun. Sie sind geeignet, um von dort aus zu predigen. Erst danach kommt Jesus mit Jüngern auf den Fischfang zu sprechen, lässt sie nochmals hinausfahren und gegen alle Regeln der Fischerkunst Fische fangen.

Krisen und Misserfolge, Enttäuschung und Zweifel, Ängste, Erfolg- und Lustlosigkeit: Diese menschlichen Erfahrungen kennen wohl die meisten Menschen. Verursacht werden sie durch vielfache Ursachen, beispielsweise durch Pandemie und Endemie, durch Kriegsgefahr und Kirchenkrisen. Bei alledem auf unsere Boote, auf unsere Möglichkeiten zu schauen, ist das, was wir aus dem heutigen Evangelium lernen können. Und diese Möglichkeiten zu nutzen, um diesen Jesus hinauszufahren und zu tragen: seltener auf einen See, eher auf die Straßen und Plätze, in die Häuser mit ihren Wohnungen und Sälen. Damit ER auch heute zu Wort kommen und durch Taten heilsam wirken kann …

Text und Bild: P. Manfred Kollig SSCC

Impuls zum 4. Sonntag im Jahreskreis am 30.01.2022

Evangelium: Lukas 4,21-30

»Er aber schritt mitten durch sie hindurch und ging weg.«

Welch eine Dramatik! In der Synagoge seiner Heimatstadt legt Jesus das Schriftwort aus. Seine Zuhörer sind erstaunt über sein Reden, denn er ist doch nur der Sohn Josefs. Jesus zitiert das Sprichwort „Arzt heile dich selbst“ und führt zwei Beispiele von Heilungen an. Damit provoziert er die Leute, da die geheilten Personen Ausländer waren. Sie wurden wütend, sprangen auf und trieben Jesus aus der Stadt hinaus bis zu einem Bergrand und wollten ihn dort hinabstürzen. Hier wendet sich die Geschichte. Jesus drehte sich um und vielleicht schaute er sie alle sehr eindringlich an, dass sie „wie hypnotisiert“ zur Seite gingen. So konnte er durch sie hindurchschreiten und weggehen. Aber in welcher Verfassung ließ er sie alle zurück? Wütend, aufgebracht, ratlos oder auch nachdenklich? Jesus, den wir normalerweise als Menschenversteher und dem Menschen zugewandt erleben, möchte mit diesem vielleicht „pädagogischen Kniff“ seinen Zuhörern helfen, ihren Glauben an und ihr Vertrauen auf Gott zu überprüfen, aber auch ihre Beziehung zu ihren Mitmenschen, den Einheimischen wie den Ausländischen.  

Dieser Auftrag Jesu hat sich bis in die heutige Zeit nicht verändert. Immer noch gibt es Neid, wenn nicht nur die Einheimischen profitieren, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund. Wo stehen wir?

Ein gesegnetes Wochenende

Elfriede Kuhmann

Impuls zum 3. Sonntag im Jahreskreis am 23. Januar 2022

Mitten in der Gebetswoche um die Einheit im Glauben

Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem benachteiligten Glied umso mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen. (1 Kor 12,12ff)  Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe (Lk 4,14ff)

»Nachdem sie dem Heiland begegnet sind und ihn gemeinsam angebetet haben, kehren die Sterndeuter auf einem anderen Weg in ihre Heimat zurück, denn sie waren im Traum vor Herodes gewarnt worden. Ebenso muss die Gemeinschaft, die wir in unserem gemeinsamen Gebet erfahren, uns dazu inspirieren, auf neuen Wegen in unser Leben, unsere Kirchen und unsere Welt zurückzukehren.

Auf neuen Wegen zu gehen ist eine Einladung zur Umkehr und Erneuerung in unserem persönlichen Leben, in unseren Kirchen und in unseren Gesellschaften. Die Nachfolge Christi ist unser neuer Weg, und in einer vergänglichen und unbeständigen Welt müssen Christen so standhaft und zuverlässig bleiben wie die Konstellationen der leuchtenden Planeten. Aber was bedeutet das konkret?

Es gehört zum Dienst am Evangelium heute, die Würde des Menschen zu verteidigen, besonders die der Ärmsten, Schwächsten und Ausgegrenzten. Das verlangt von den Kirchen Transparenz und Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit der Welt und miteinander. Die Kirchen müssen daher zusammenarbeiten, um die Not der Leidenden zu mindern, die Vertriebenen aufzunehmen, die Last der anderen zu tragen und eine gerechte und ehrliche Gesellschaft aufzubauen. Dies ist ein Aufruf an die Kirchen, zusammenzuarbeiten, damit junge Menschen eine Zukunft aufbauen können, die dem Willen Gottes entspricht, eine Zukunft, in der alle Menschen Leben, Frieden, Gerechtigkeit und Liebe erfahren. Der neue Weg der Kirchen ist der Weg der sichtbaren Einheit, den wir aufopferungsvoll und mit Mut und Tapferkeit suchen, damit Tag für Tag »Gott alles in allem sei« (1 Kor 15,28).« (aus der Botschaft der Kirchen des Nahen Ostens zur Gebetswoche um die Einheit im Glauben 18.-25.Jan 2022 »Wir haben seinen Stern im Osten gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten (Mt 2,2)«)

Spendenprojekte

Projekt 1: Irak - Project HOPE - Not- und Übergangshilfe für RückkehrerInnen und lokale Bevölkerung in Bagdad, Al Qosh und Qaraqosh 

Projekt 2: Griechenland: Die Orthodoxe Kirche unterstützt Geflüchtete für ein Leben in Würde 

Projekt 3: Kamerun: Unterstützung und Rechtshilfe der NGO EMINED für inhaftierte Minderjährige im Zentralgefängnis Kondengui 

Weiter Informationen: www.gebetswoche.de

                                       

Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis am 16.01.2022 Joh 2,1-11

Joh 2,1-11

Da kann man nur staunen

Keine Predigt. Keine Speisung. Keine Heilung! Mit dem Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein, beginnt Jesus sein öffentliches Wirken – auf einer Hochzeit. Schöne Geschichte. Hokuspokus! Wer glaubt denn so was? Nein, kein Hokuspokus. Eine Verheißung. Lebensverheißung.

Da findet eine Hochzeit statt. Der Wein geht aus. Nicht nur Flasche leer. Fässer leer. Der Speisemeister alarmiert den Gastgeber. Und Maria, als Frau versiert in Haushaltsangelegenheiten, merkt die Nervosität und gibt ihre Beobachtung an Jesus weiter. »Du musst helfen!« Jesus reagiert wie ein Theologe: Gottes Hilfe erhält man nicht auf Knopfdruck. Gott hat seine eigenen Zeit- und Zielvorstellungen. Maria sieht mehr, sieht von Herzen, was »drin« ist in dieser Krise – mit Gott: »Was er euch sagt, das tut!«

Gott will vom Menschen angesprochen werden. Will, dass er mit ihm rechnet. So wird dieses Wunder möglich. Wie genau sich das abspielt, erfahren wir nicht. Schließlich ist es ein Wunder.

Jesus kennt seine Pappenheimer. Er verlangt von ihnen nur, was sie ohnehin können: »Füllt die Krüge mit Wasser«! Das haben sie schon tausendmal gemacht. Das funktioniert. Das können sie. Und dann lässt Gott Wein daraus werden. Das hat Er schon tausendmal gemacht. Macht es immer wieder nach jedem Winter, nach jedem Sterben der Natur – von Neuem. 

Wer sehen kann, wird das sehen. Wer glauben kann, wird es glauben. Die »Ungläubigen« werden es auch mit Erklärungen nicht glauben. So war das immer schon. So wird das immer bleiben. Da gibt es keine Wandlung.

Oder doch…?

Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum Sonntag nach dem 6. Januar

Evangelium: Lk 3,15–16.21–22

Du bist mein geliebter Sohn

Mit diesem Sonntag, dem Fest der Taufe des Herrn, geht die Weihnachtszeit zu Ende. Und wie schon zu ihrem Beginn in der Heiligen Nacht erklingt im Evangelium dieses Sonntags die Stimme aus dem Himmel. An Weihnachten hörten wir: „Heute ist euch der Retter geboren, es ist Christus, der Herr“. Und heute: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“

Es scheint so, als müsse die Ungeheuerlichkeit von Weihnachten – Gott wird Mensch – sozusagen von höchster Stelle noch einmal beglaubigt werden.

Bis zur Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil wurde am Fest der Erscheinung des Herrn, das wir am vergangenen Donnerstag begangen haben, drei solcher Aufscheinungen des Göttlichen gedacht.

In der Magnificat-Antiphon vom 6. Januar sind diese drei bis heute vereint: „Drei Wunder heiligen diesen Tag: Heute führte der Stern die Weisen zum Kind in der Krippe. Heute wurde Wasser zu Wein bei der Hochzeit. Heute wurde Christus im Jordan getauft, uns zum Heil. Halleluja.“

In diesem Menschen, der im Stall von Betlehem das Licht der Welt erblickte, scheint das Göttliche in unserer Welt auf. Das bezeugen die Weisen aus dem Morgenland ebenso wie die himmlische Stimme bei der Taufe und das erste Wunder des öffentlichen Wirkens Jesu, das sogeannte Weinwunder der Hochzeit zu Kana.

Mir gefällt diese Zusammenschau: können wir doch nicht das Kind losgelöst vom erwachsenen Jesus betrachten, die Krippe ohne das Kreuz und die Auferstehung verstehen oder die Weihnachtsgeschichte ohne die Seligpreisungen und die Bergpredigt wirklich begreifen.

Auf die stimmungsvollen Wochen der Advents- und Weihnachtszeit folgt jetzt wieder der Alltag des Glaubens, so könnte man sagen. Der heilige Geist, der bei der Taufe auf Jesus herabkam, begleitet uns auf diesem Weg – und macht uns heute zu seinen geliebten Töchtern und Söhnen.

Impuls von Peter Wegener

2. Sonntag nach Weihnachten

2. Januar 2022

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut. (Johannes 1, 1–14)

Bei Madeleine Delbrêl (1904–1964) einer französischen Mystikerin lesen wir: "Wenn wir unser Evangelium in Händen halten, sollten wir bedenken, dass das Wort darin wohnt, das in uns Fleisch werden will, uns ergreifen möchte, damit wir - sein Herz auf das unsere gepfropft, sein Geist dem unseren eingesenkt - an einem neuen Ort, zu einer neuen Zeit, in einer neuen menschlichen Umgebung sein Leben aufs Neue beginnen."

Menschwerdung geht also weiter. Das ewige Wort, das in der Schrift wohnt, will wirksam und lebendig werden an jedem Ort und zu jeder Zeit, wo es Menschen gibt, die sich von diesem Wort ansprechen lassen und nach diesem Wort ihr Leben gestalten. Das Wort will Fleisch werden, will vielfältig werden, viele Sprachen sprechen, ganz verschiedene Formen annehmen. Immer bestärkend und gleichzeitig auch fragend. Voraussetzung ist, dass das Wort gehört wird, dass dem Gehörten Glaube geschenkt wird, und dass dieser Glaube die Kraft hat wie Sauerteig das ganze Leben eines Menschen zu durchdringen.
Hörend lassen wir es zu, dass das Wort in uns Mensch wird.

Impuls von Pater Martin Königstein SSCC

Impuls für Weihnachten 2021

Wolken, nicht nur zur Weihnachtszeit

Gott kommt in der Wolke zu uns. Das Volk Israel wird von einer Wolkensäule durch die Wüste geführt (Exodus, 40,34ff). Gott kommt in der Wolke zu Mose (Leviticus 16,2). Und auf dem Berg Tabor spricht die Stimme Gottes aus der Wolke: »Dieser ist mein geliebter Sohn« (Lukas 9,34).

Dies sind nur einige Stellen, an denen die Heilige Schrift von der Wolke als Ort der Gegenwart Gottes spricht. Die Wolke verdeckt den freien Blick in die Sonne. Wolken können strahlend weiß sein. Dann möchten wir gerne auf dem Rücken liegen und sie in der Höhe beobachten. Wir erkennen in ihnen Menschen, Tiere und Pflanzen. Manchmal kommen die Wolken aber auch eher düster daher und hängen tief. Gott kommt in der Wolke. Mehr sagt die Heilige Schrift nicht. Er macht seine Anwesenheit nicht davon abhängig, ob diese Wolken strahlend weiß oder eher grau sind.

In diesem Jahr steht die Krippe im Münsteraner Hauptbahnhof unter dem Thema: »Betlehem und die Kranken«. Auf Initiative der polnischen Gemeinde in Münster wurde sie aufgestellt. Schülerinnen und Schüler der Kunstschule in Zakopane haben die Holzfiguren gestaltet. Am rechten Bildrand sind die heilige Mutter Teresa und der heilige Damian de Veuster zu sehen. Sie stehen stellvertretend für die Heiligen, die den Kranken die tröstende Botschaft gebracht haben: Gott lebt auch in dem kranken Menschen; er lebt in denen, die – auf welche Weise auch immer – »in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes« (Benedictus, Lukas 1,68-79). Er begleitet sie durch ihre Ängste, Schmerzen und Enttäuschungen hindurch. Diesen Glauben haben Mutter Teresa und unser Pater Damian gelebt. Aus diesem Glauben haben sie gehandelt, indem sie den Kranken geholfen, ihre Wunden verbunden, sie gesegnet und mit Leib und Seele an Leib und Seele unterstützt haben.

Die letzten 21 Monate sind wohl an den meisten Menschen in unserer Welt nicht spurlos vorübergegangen. Manche sind an Covid-19 gestorben, andere wurden angesteckt und hatten schwere Verläufe. Wieder andere leben in Angst, es könnte sie treffen. Viele Menschen haben Angehörige, Freundinnen und Freunde verloren. Diskussionen über die Entwicklung des Virus und über das Infektionsgeschehen, über Impfung und Intensivbetten treiben nicht wenige Menschen um. Es braucht Menschen, die gegenwärtig bezeugen: Gott ist auch in dieser Krise und in dieser konkreten Welt gegenwärtig. Mögen die Wolken auch grau und düster erscheinen, »er kommt in der Wolke und spricht aus der Wolke«; auch heute. Und auch gegenwärtig können wir diesem menschgewordenen Gott folgen, der uns »in der Wolkensäule« durch die Krisen unserer Zeit führt; und das nicht nur zur Weihnachtszeit …

Foto: Andreas Fritsch, Text: Manfred Kollig SSCC

Impuls zum 3. Adventssonntag

12. Dezember 2021 – Gedenktag unserer lieben Frau von Guadalupe

In jener Zeit fragten die Leute Johannes den Täufer: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen; Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso ... Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, benügt euch mit eurem Sold ... (Lk 3,10ff)

Am 10. Dezember ist jährlich der Tag der Menschenrechte. Johnnes zeigt, dass sie tief ins menschliche Herz eingeschrieben sind. Hilfe, Solidarität, damit jeder Mensch in Würde überleben kann. Damit verbunden das Recht aus Lebensgefahr zu fliehen, den Folterer zu entgehen, Recht auf Schutz, Asyl zu erhalten ohne abgeschoben zu werden ... Und an den Grenzen der christlichen Länder Europas werden die Menschenrechte der Flüchtlinge dem Machtspiel geopfert.

Die Migrationskommission der Polnischen Bischofskonferenz: „Gleichgültigkeit ist keine echte christliche Haltung ... Menschen guten Willens - unabhängig von der Religion - bitten wir um Solidarität mit den Kriegsflüchtlingen, die zu uns kommen, Menschen, die verfolgt werden oder unter Armut leiden ... Wir bitten Menschen guten Willens, sich der Kampagne "Afghanistan" der Caritas Polska anzuschließen und beim Sammeln von Geldern zu unterstützen, um Menschen, die auf der Flucht und auf der Suche nach einer Unterkunft sind, am effektivsten zu helfen. Wir bitten alle Gläubigen, für Flüchtlinge und Migranten zu beten. Beten wir ständig für die Beseitigung der Ursachen von Migration, Kriegen und sozialer Ungerechtigkeit, Verfolgung und Hunger. Beten wir auch für uns selbst, damit wir in uns und in unseren Gemeinschaften eine umsichtige, verantwortungsvolle Gastfreundschaft und Geschwisterlichkeit wecken.“ ...

Grüne Lichter leuchten dem Umherirrenden, dass sie die Plätze der Hilfe finden. NGOs hier haben dies aufgegriffen und rufen auf, an diesem Wochenende solidarisch grüne Lichter in die Fenster zu stellen und die Herzen für die Flüchtlinge und ihre Helfer*innen zu öffnen.

Interview mit  Marta Górczyńska
An der Grenze zwischen Belarus und Polen spielen sich Szenen ab, die undenkbar sein sollten für Europa im 21. Jahrhundert. Die dort gestrandeten Flüchtlinge, die bei Minusgraden ums Überleben kämpfen, sind verzweifelt, traumatisiert, am Ende ihrer Kräfte – ebenso wie Aktivist*innen und die lokale Bevölkerung, die versucht zu helfen, wo sie kann. Ein Interview mit der polnischen Rechtsanwältin Marta Górczyńska.
Verweis zum Weiterlesen

Impuls von Wolfgang Jungheim

Impuls zum 2. Advent

5. Dezember 2021 – Lk 3,1–6

Ansage: Ankunft!

Eine Stimme ruft in deiner Wüste:

Kehr um. Denk neu. Schwimm gegen den Strom – auch den deinen.
Bereite Gott den Weg, damit er ankommen kann.
Lass Gott nicht außen vor bleiben. Gott will dir unter die Haut gehen, tief unter die Haut.

Bau sie ab, die hohen Berge, welche die Ankunft Gottes behindern:

  • Streit, der noch nicht ausgeräumt ist, obwohl das möglich wäre;
  • Vorwürfe, die darauf warten, abgetragen zu werden;
  • Enttäuschungen, die endlich überwunden werden müssten;
  • eisiges Schweigen, das in der Sonne frieren lässt.

Füll sie auf die Schluchten und Gräben, die so tief sind, dass man sich nicht mehr in die Augen schauen, die Hände geben, nicht mehr miteinander reden kann.

Entferne den harten Rauputz von den Wänden deines Herzens, in dem sich nur Vorurteile wohlfühlen.

Hör auf, Verletzungen zu hätscheln und zu tätscheln, um nur ja nicht erwachsen werden und Verantwortung übernehmen zu müssen.

Kehr um! Denk neu! Schwimm gegen den Strom!

Advent: Wo muss ich in meinem persönlichen Leben Berge ebnen und Gräben füllen, damit Gott kommen und mir unter die Haut gehen kann?

Dieser Advent währt nicht nur 4 Wochen!

Du, Gott, geh mir unter die Haut. Schreibe dich zwischen die Zeilen meines Lebens.

Du, Gott, geh mir unter die Haut. Stelle dich zwischen die Fronten.

Du, Gott, geh mir unter die Haut.

Komm in mein Herz und mein Haus.

Und werde Mensch

unter uns.

 

Impuls von Pater Hans-Ulrich Willms SSCC

 

 

Impuls zum 1. Adventssonntag

28.11.2021

Richtet euch auf

Bilder des Untergangs beschwört das Evangelium des ersten Adventssonntags herauf: Die Völker werden bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen… (Lukas 21,25f).

„Wir leben in ungewöhnlichen Zeiten“, stellt die Innsbrucker Theologin Michaela Quast-Neulinger aktuell in einem Beitrag auf der Seite feinschwarz.net fest. „Mancher sieht nicht nur die Krise, die Zeit der Entscheidung, sondern geradezu die Apokalypse, angebrochen in einer Pandemie, dem Übergriff der Techno-Riesen aus dem Silicon Valley und den Klimaveränderungen.“ Ob Apokalypse oder nicht: es ist in jedem Fall eine sehr herausfordernde Zeit, in der wir gerade leben.

Wenn es so zu toben und zu donnern beginnt, wenn alles erschüttert wird, dann möchte ich mich ducken und verkriechen, irgendwo in Sicherheit bringen. Aber, so Quast-Neulinger in ihrem Beitrag, diese apokalyptischen Bilder sollen uns „nicht lähmen, sondern im Angesicht der Bedrängnis, die in jeder Zeit begegnet, zum Handeln bestärken, gerade auch zum Handeln als politischem Tun.“

Diese Haltung entspricht für mich auch der Aufforderung des Lukas, die in der Mitte des heutigen Evangeliums steht: „Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denn eure Erlösung ist nahe“ (21,28).

Mit dem Anzünden der ersten Kerze im Advent erinnere ich mich neu daran: unser aller Leben liegt in Gottes Hand, ihm liegt nicht an Zerstörung und Untergang sondern an Rettung und Erlösung. Er lädt mich ein, aufrecht und erhobenen Hauptes durch diese Zeit gehen – mit einem wachsamen und aufmerksamen Blick für die Zeichen der Zeit. 

Impuls von Peter Wegener

Impuls zum Christkönigssonntag

21.11.2021

Festtagsevangelium Johannes 18, 33b–37

„Also bist du doch ein König“. 

Edzard Schaper beschreibt in der Legende vom 4. König, was den kleinen König zum König macht, was wirklich zählt. König Coredan folgt dem Stern wie auch seine 3 anderen Kollegen. Aber er blieb aufmerksam für das, was sich um ihn herum ereignete. Der Blick auf den Stern, die große Vision oder das hehre Ziel, hinderte ihn nicht daran hier und jetzt das Richtige zu erkennen und zu tun. So verlängerte sich sein Weg gewaltig, aber er lernte auf all diesen scheinbaren Umwegen die Wahrheit zu entdecken, die Wahrheit über Gott und die Menschen in der Welt. Alt geworden, müde und zerschunden kommt Coredan in Jerusalem an, gerade rechtzeitig zur Kreuzigung dessen, dem er vor 30 Jahren mit den anderen 3 Königen huldigen wollte. In dem Mann, der am Kreuz stirbt, erkennt der kleine König alle diejenigen, denen er auf seinem Weg begegnet war. In ihnen war er dem König begegnet, den er sein ganzes Leben lang gesucht hatte. 

Die Menschen auf dem Weg, der Mann am Kreuz und Coredan sind „also doch ein König“.

Impuls von Pater Martin Königstein SSCC

Wenn Sie jetzt Lust und Zeit haben die Legende vom 4. König zu lesen finden Sie sie hier.

Impuls zum 33. Sonntag im Jahreskreis

14.11.2021

… dass wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben … Tagesgebet v. 33. Sonntag

Die 1. Lesung (Buch Daniel 12,1-3) und das Evangelium (Markus 13,24-33) des heutigen Sonntags erinnern daran, dass weder der Mensch noch die gesamte Welt ewig bestehen bleiben; jedenfalls nicht so, wie sie sind. Diese Botschaft schmeckt eher bitter. Wer will schon seine Heimat aufgeben. Menschen kämpfen für ihr Haus, ihr Dorf, ihre Kirche, ihren Lieblingsladen, ihre Schule, ihre Bushaltestelle, ihr Museum, ihr Theater,… Mancher dieser Kämpfe geht verloren. Menschen in den östlichen Bundesländern, in Braunkohleregionen und in vielen eher ländlichen Gegenden können dazu traurige Lieder singen. Erst recht die Menschen, die durch Unglücke, Naturkatastrophen, Kriege und Terror oder durch Krankheit Menschen sowie Hab und Gut verloren haben, fragen sich schmerzlich: Was bleibt?

Es bleibt, so die Zusage Gottes, die Hoffnung auf eine gute Zukunft. Diese Zukunft setzt voraus, dass wir loslassen, was wir nicht auf- oder festhalten können. Wir werden die vollkommene Freude finden, wenn wir unseren Dienst als Christinnen und Christen treu erfüllen. Ist diese Hoffnung auf die Zukunft so stark, dass sie die bittere Erfahrung von Verlusten in der Gegenwart aufwiegt? Diese Frage kann nur jeder Mensch für sich selbst beantworten. Sie ist eine der wichtigsten „Sonntagsfragen“.

Und was bedeutet es, „im Dienst treu zu bleiben?“ Der heutige Sonntag knüpft an den 32. Sonntag im Jahreskreis an. Im Evangelium des letzten Sonntags stellte uns Jesus eine arme Witwe vor. Sie kann nur wenig geben. Viel oder wenig? Auf diese Frage gibt Jesus eine klare Antwort: ALLES. Und dieses Alles darf aus seiner Sicht viel sein oder wenig. Das ist nicht entscheidend. Die 2 kleinen Münzen, die diese Witwe gibt, sind mehr wert, als die Millionen, die Menschen aus ihrem großen Reichtum einbringen, weil diese arme Witwe ALLES einbringt. Und fünf Minuten Zeit eines Menschen, dessen freie Zeit knapp ist, bedeutet mehr als Stunden, die ein Mensch aus der Fülle seiner freien Zeit zur Verfügung stellt. Das gilt auch mit Bezug auf Intelligenz und Fähigkeiten, Energie und jede Form von Möglichkeiten: Nicht viel oder wenig einbringen, sondern ALLES. Wer in diesem Sinne im Dienst treu bleibt, muss sich um seine Zukunft nicht sorgen: Die 1. Lesung des vergangenen Sonntags (1 Könige, 17,10-16) lässt sogar hoffen, dass ich mich nicht verausgabe, wenn ich das letzte Öl und die letzte Handvoll Mehl einbringe. Wenn ich alles gebe, verausgabe ich mich nicht, sondern werde neues Mehl und Öl einnehmen; und dies nicht nur lebenslang, sondern ewig. Dafür steht Jesus Christus, der nicht nur sein Wort spricht, sondern es auch hält. Eine gute Botschaft für Novembersonntage.

Text und Bild: P. Manfred Kollig SSCC

Impuls zum 30. Sonntag

24. Oktober 2021

„In einer geradezu tragischen Verblendung sehen viele Theologen nicht ein, dass es sich nicht darum handelt, die Existenz des Lichtes zu beweisen, sondern darum, dass es Blinde gibt, die nicht wissen, dass ihre Augen etwas sehen könnten. Vielmehr wäre es notwendig, dem Menschen die Kunst des Sehens beizubringen.“ (C. G. Jung)

Ich möchte wieder sehen können (Markus 10,46b-52)

Immer schon hat mich diese Geschichte beeindrucktl  Wie umwerfend muss der Blick eines Blinden sein, wenn er plötzlich erwartet, wieder sehen zu können. Jesus schaut den blinden Bettler an, nimmt sich Zeit. Fragt ihn und macht den von allen Übersehenen zum Gefragten. Lässt ihn entscheiden, was geschehen kann. Und der wirft seinen Mantel weg. Seine wichtigste Habe. Bettler frieren mehr als andere. Er wirft den Mantel weg. Jetzt muss alles anders werden. En passant, im Vorübergehen bekommt er wieder Licht in sein Leben, die Bilder der Welt zurück, und die Erfahrung dazu, dass sein Leben eine Geschichte hat und eine Geschichte wert ist. Und das alles ohne OP, ohne einen Handgriff, einfach durch ein Wort. Das Wort heißt: Geh. Einfach „Geh!“ Nicht wohin, nicht wie lang, nicht für wen, all das überlässt Jesus dem Geheilten. Der aber ist nicht mehr zu „halten“ und „folgt Jesus auf seinem Weg“. Der hat verstanden. Dem sind die Augen aufgegangen. Der wurde aus dem Dunkel ins Licht gerufen. Aus dem Tod ins Leben. Der Glaube hilft ihm, sich selbst wieder neu zu sehen. Er wird sein restliches Leben lang Zeuge sein. „Missionar“ für die Botschaft Jesu: Geh und du wirst leben. Geh! 

Hans- Ulrich Willms SSCC

Impuls zum 27. Sonntag im Jahreskreis

3. Oktober 2021

allein – gemeinsam – getrennt – einsam 

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.“ So heißt es im Buch Genesis, aus dem wir an diesem Sonntag die 1. Lesung hören. Gott will, dass der Mensch ebenbürtige Mitmenschen findet. Die Menschen glauben von Anfang an, dass Gott die Beziehung zwischen Menschen ein Herzensanliegen ist. Jesus unterstreicht dies. Im Evangelium des heutigen Sonntags ruft er seine Zuhörer:innen auf, sich nicht mehr zu trennen, wenn sie sich einmal gefunden und verliebt haben.

Beziehungen sind kostbar und notwendig. Beziehungen sind für gute und schwierige Zeiten wichtig. Sie unterstützen, bestärken, helfen, korrigieren, orientieren. In guten Beziehungen kann respektvoll gestritten werden. In ihnen geht es nicht darum, Recht zu haben, sondern herauszufinden, was in diesem Moment das Richtige ist. Und das Richtige ist das, was den anderen Menschen aufbaut und nicht zerstört, motiviert und nicht kaputt redet, aufrichtet und nicht hinrichtet. In guten Beziehungen geht es um die Sache, damit es den Personen gut geht. 

Dieser Sonntag lässt zurückblicken auf die Vollversammlung des Synodalen Weges. Gleichzeitig erinnert er an die Wiedervereinigung Deutschlands vor 31 Jahren. Beide Ereignisse stimmen nachdenklich: Wir können noch besser werden, gemeinsam unterwegs zu sein. Es gibt Barrieren und Mauern in den Köpfen und Herzen. Es fällt schwer, andere Positionen und Meinungen, Optionen und Wünsche anzuhören, zu verstehen und sie sich vielleicht sogar anzueignen. 

In einem Gespräch mit seinen Mitbrüdern in einer der Jesuiten-Kommunitäten in Rom sagte Papst Franziskus vor wenigen Tagen auf die Frage, was wir den tun sollen: „Nahe sein, nahe bei Gott und bei den Menschen.“ Kann das ein Leitwort sein für die Gestaltung unserer Kirche und unseres Landes?

Text und Bild: P. Manfred Kollig SSCC

 

Impuls zum 25. Sonntag im Jahreskreis

19. September 2021

Never ending story im Markusevangelium (Mk 9,30–37 ): Die Jünger verstehen nichts. Jesus spricht von Dingen, die ihm zentral wichtig sind, und es ist wie so oft: sie begreifen nichts, fragen aber auch nicht und streiten stattdessen darüber, wer von ihnen der Größte  ist …

Jesus sagt ihnen: »Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.« Ganz schön beschämend … Und dann geht er noch einen Schritt weiter und stellte ein Kind in ihre Mitte, nimmt es in seine Arme und sagte »Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht nur mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.«

Dr. Anne Rademann, Autorin in der Frühjahresausgabe unserer Zeitschrift »Apostel«, schreibt dazu auf der Website des Bibelwerks: »Kind sein heißt damals ganz nüchtern: durchgebracht werden, bis man arbeiten kann, machtlos sein und jemand sein, der sich nichts erkaufen kann. Es gibt kein irdisches Motiv, ein Kind aufzunehmen. Und dennoch steht dieses Kind für Jesus selbst, ja für den Vater, der ihn gesandt hat. Und für uns wichtig: Nicht die Jünger sind die Aufnehmenden. Vielmehr dürfen sie gewiss sein, wenn sie die Letzten werden und losgehen, dann wird in ihnen Jesus aufgenommen.«

Impuls zum 24. Sonntag im Jahreskreis

11./12. September 2021

Wer sein Leben um meinetwill verliert bzw. einsetzt, wird es gewinnen.
Mk 8,27–35

Wenn ihr einem Hungrigen nicht gebt, was er zum Leben braucht, dann ist euer Glaube tot.
Jak 2,14–18

Wer sein Leben gewinnen, wird es verlieren. Also bleiben, wo man ist, auch in Krieg, Leid und Not. Selbst schuld, wenn man dann Gefahr läuft, zu ertrinken oder missbraucht zu werden oder wenn man nach geglückter Rettung in menschenunwürdigen Lagern landet … und für die Kinder die Kindheit verloren geht und für junge Menschen die Jugend … Nein, die in Not und Elend dürfen und müssen um ihr Leben ringen, gerade Eltern mit ihren Kindern. Aber wer sie ertrinken lässt oder einsperrt in Lager, ihnen die Kindheit und Jugend stiehlt, der ist es, der  vor Gott sein Leben verwirkt. Deshalb ruft Pax Christi auf: „Menschenrechte  statt Moria !“ (www.menschenrecht-statt-moria.de Aktionstag  11.9.) ; wir kämpfen mit  den  Flüchtlingen gegen „Gestohlene Kindheit – Sackgasse Flüchtlingslager“ für Aufnahme in Würde und Freiheit (www.wanderfriedenskerze.de) Das wird nur möglich, wenn  wir die Flüchtlinge zuvor aus Seenot retten und aufnehmen in  allen willigen EU-Länder.  Am 18. September heißt es deshalb:  "#HandinHand – Rettungskette für Menschenrechte" Damit wollen sie ein Zeichen setzen für Menschlichkeit und Menschenrechte sowie gegen das Sterben im Mittelmeer verursacht durch die europäische Abschottungspolitik. (Alle Informationen finden Sie auf der Homepage der Aktion.)

Papstwort

„In der Tat sitzen wir alle im selben Boot, und wir sind aufgerufen, uns dafür einzusetzen, dass es keine Mauern mehr gibt, die uns trennen, dass es nicht mehr die Anderen gibt, sondern nur noch ein Wir, das die ganze Menschheit umfasst An alle Männer und Frauen in der Welt appelliere ich, sich gemeinsam auf den Weg zu einem immer größeren Wir zu begeben und die Menschheitsfamilie wieder neu zusammenzubringen, um gemeinsam eine Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden aufzubauen und dafür zu sorgen, dass niemand außen vor bleibt … Wir sollen gemeinsam träumen. Wir dürfen keine Angst haben zu träumen, gemeinsam zu träumen als eine einzige Menschheit, als Gefährten auf dem gleichen Weg, als Söhne und Töchter dieser einen Erde, die unser gemeinsames Haus ist und wo wir alle Schwestern und Brüder sind …“

Gebet des Papstes

Heiliger und geliebter Vater, dein Sohn Jesus lehrte uns, dass im Himmel große Freude herrscht, wenn jemand, der verloren war, wiedergefunden wird, wenn jemand, der ausgeschlossen, abgelehnt oder verworfen wurde, wieder in unser Wir aufgenommen wird, das auf diese Weise größer und größer wird. Wir bitten dich: Gewähre allen Jüngern Jesu und allen Menschen guten Willens die Gnade, deinen Willen in der Welt zu tun. Segne jede Geste des Willkommens und der Hilfe, welche einen jeden im Exil Lebenden wieder in das Wir des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens integriert, damit unsere Erde so werden kann, wie du sie geschaffen hast: das gemeinsame Haus aller Brüder und Schwestern. Amen.

Impuls von Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum 23. Sonntag im Jahreskreis

5. September 2021 Mk 7,31–37

Heilung der besonderen Art

 

Dieses Evangelium: eine Heilungserzählung der besonderen Art. Die Menschen wissen mit dem Mann, um den es hier geht, nicht mehr weiter, finden keinen Zugang zu ihm: Taub, stumm, nichts zu machen. Und Jesus? Verhilft diesem „hoffnungslosen Fall“ zu Sprache und Gehör, gibt ihm das Leben zurück. Wie das gelingt?

Jesus kennt keine Scheu, kein Tabu. Er begegnet dem Kranken offen-herzig. Er führt ihn nicht vor, er nimmt ihn zur Seite und schafft damit einen Raum des Vertrauens, der Intimität zulässt. So ist es ihm möglich, mit seinem Speichel dessen wunde Stellen zu berühren. Erst dann sagt er ihm: Verschließ dich nicht! Öffne dich! Geh ins Leben!

Dieses erlösende, heilende, zum Leben befreiende Wort Jesu gilt den Menschen aller Zeiten.

Das Evangelium lädt mich ein, das Verhalten Jesu und seine Botschaft zu be-herzigen, inne-zu-halten, mich an-fragen zu lassen. Die Menschwerdung Gottes braucht auch die Fleischwerdung seines Wortes in mir und durch mich.

Denn „das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1,14), damit Menschen sich öffnen und zum Leben finden können.

Ich bin gefragt: Wie gelingt seine heilende Fleischwerdung wider alle Phrasen und das unanfechtbar unverbindliche Allgemeine – mit mir? Heilende Wort-Fleischwerdung, die einem nicht die Sprache verschlägt, vielmehr zum Sprechen ermuntert? Die nicht in Herzen brüllt und heillos verschließt, sondern behutsam anrührt und öffnet?

Nur Mut! Da ist Einer an unserer Seite, in dessen Geist wir Herzen erreichen, Ohren öffnen und Zungen lösen können aus der Isolation hoffnungslos verschlossener Einzelhaft. Einer der sich des Schweigens erbarmt, des trotzigen Schweigens, des erbärmlichen Verstummens, der wortlos eingefrorenen Beziehungen! Der seinen Speichel gibt – Lebensübertragung von Mund zu Mund für alle, die von innen nicht mehr öffnen können!

Herr, öffne immer wieder mein Herz, meine Ohren, meinen Mund, dass ich dein Wort nicht nur höre, sondern dein zum Leben befreiendes Wort durch mich Hand und Fuß bekommt.

Impuls von Pater Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum 22. Sonntag im Jahreskreis

29. August 2021 (Mk 7,1–8.14–15.21–23)

Hände waschen nicht vergessen

„Vor dem Essen: Hände waschen nicht vergessen!“ Ein Reim, der mir seit Kindertagen vertraut ist. Wie oft habe ihn meine Geschwister und ich früher gehört – und wie oft wurden wir vor dem Essen noch einmal losgeschickt, uns die Hände doch richtig zu waschen. Seit dem vergangenen Jahr ist uns der öffentliche Aufruf, sich die Hände mehrmals am Tag zu waschen gut vertraut. Er ist Teil der AHA-Regel, die die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen sollen.

Damals wie heute gehört das Händewaschen zu den notwendigen Regeln der Hygiene.

Ob die Hände gewaschen oder ungewaschen sind, ist Stein des Anstoßes im Evangelium des heutigen Sonntags. Für die Pharisäer eine Frage von Reinheit und Unreinheit im religiösen Sinn.

Jesus stellt dem entgegen, dass es nicht um die formale Einhaltung von Regeln und vermeintlichen göttlichen Geboten geht. Viel wichtiger als die äußere Reinheit ist es, innerlich rein zu sein, um nicht boshaft, habgierig, neidisch oder hinterlistig zu sein. Formal korrekt zu handeln, um dann doch den falschen Neigungen nachzugehen, das ist nicht in Gottes Sinn, sagt Jesus.

Er hat dem kleinlichen Einhalten von kleinteiligen Vorschriften etwas anderes entgegengesetzt: „Liebe Gott – und liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Der heilige Augustinus hat das Liebesgebot noch kürzer gefasst: „Liebe, und tue, was du willst“, schrieb der Kirchenlehrer vor rund 1600 Jahren. „Denn aus dieser Wurzel kann nur Gutes hervorgehen.“

Impuls von Peter Wegener

Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis

22. August 2021

Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. (Johannes 6, 67–69)

Es hat wohl in der Geschichte der Menschheit noch keine Epoche gegeben, in der es so viele Möglichkeiten gab, „Influencer“ zu sein oder „Follower“ zu werden. Soundso viele Freunde auf Facebook zu haben oder mit so viel anderen einen Blog zu abonnieren. Als ich begann, diese Zeilen zu schreiben, gab ich in die Suchfunktion der Suchmachine den Begriff „Freude“ ein. 0,53 Sekunden brauchte sie, um 102.000.000 Ergebnisse aufzuzeigen. Was ist nun „Freude“? Nach welchen Kriterien kann ich unterscheiden, was fast unzählige, unbekannte Menschen oder auch Roboter mir da anbieten?

Petrus wusste, was ihm helfen konnte, zu unterscheiden und die richtige Wahl zu treffen: Du hast Worte des ewigen Lebens. Über all da, wo wir der Gerechtigkeit, dem Frieden und der Freude begegnen, sind wir nahe am Reich Gottes, das heißt, da ist Gott in unseren Beziehungen, in unserem Leben. (vergl. Römerbrief 14, 7)
Feiern wir immer wieder das Leben überall und immer da, wo wir in unserem Alltag Gerechtigkeit, Frieden und Freude erfahren dürfen.

Martin Königstein sscc

Impuls zum Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel

15. August 2021

angenommen, aufgenommen, angekommen …

Niemand kommt aus eigener Kraft und aufgrund eigener Anstrengung in den Himmel. Dies gilt selbst für Maria, die Mutter Jesu und Muttergottes genannt wird. Auch sie, die frei war von jeder Versuchung, Gott ersetzen oder ausschalten zu wollen, braucht Gott, um den Himmel als Lebensziel zu erreichen.

Wenn es um den Himmel geht, ist es nicht egal, was wir auf Erden tun. Himmel und Erde, angenommen und aufgenommen zu sein und zu werden, hängen eng zusammen. Wer das Wort Gottes hört und es befolgt (Tagesevangelium Lukas 11,27 und 28), lebt die Gemeinschaft mit Gott auf Erden. Gott und Mensch nehmen sich auf diese Weise in der Welt an und wechselseitig ernst.

Aus dieser Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch entsteht eine feste Beziehung. In der Beziehung zwischen Maria und Jesus wächst diese Beziehung durch Ereignisse wie die Flucht nach Ägypten, die Suche nach Jesus auf der Wallfahrt und die Hochzeit zu Kana. Unter dem Kreuz erweist sie sich letztendlich als stabil. Heute feiern wir, dass diese Beziehung zwischen Maria und Gott durch Gott verewigt wurde.

Maria ist ganz – das heißt mit Leib und Seele – Im Himmel angekommen. Auch unser Ziel sei es, lebenslang von Gott angenommen zu sein, um auf ewig aufgenommen zu werden. Vertrauen wir auf Gott, der annimmt; nehmen wir ihn an. Er wird alles tun, damit auch wir bei Ihm ankommen.

Text und Bild: P. Manfred Kollig SSCC

Impuls zum 18. Sonntag des Jahreskreises

1. August 2021

 „Müht euch um die Speise, die für das ewige Leben bleibt ... Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel  und gibt der Welt das Leben ...“ Joh 6,24–35

 „So legt den alten Menschen des früheren Lebenswandels ab, der sich in den Begierden des Betrugs zugrunde richtet, und lass euch erneuern durch den Geist in eurem Denken. Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit ...“ Eph4,17–24

 Gott gibt in Jesus die Kraft zum Leben, das Betrug und Selbstsucht überwindet durch Hingabe, Selbstlosigkeit und Einsatz für andere ... Ja, er ist das Brot für solche Art zu leben heute: Da ist ein Bauunternehmer – Hubert Schilles –, der im Vertrauen auf diesen Gott, selbstlos trotz Lebensgefahr das verstopfte Abflußrohr der Talsperre frei backert und so dem Leben vieler dient ... Da sind die Pflegekräfte, die schon über lange Zeit genug zu tun haben und in unserer Einrichtung in Hausen bereit sind alte, erkrankte Flutopfer zu pflegen ...  Da machen sich junge Kurden aus Koblenz auf, um vor Ort zu helfen ... Da wird ein Benefizabend im ARD mit vielen KünstlerInnen u.a. gestaltet – nachdenklich solidarisch in Wort und Lied  – und wieder erleben wir HelferInnen und Betroffene, die zu einem hoffnungsvollen Leben ermutigen ... Und berührend für mich überbringt der selbstlose Arzt Dr. Trabert von Mainz herzliche Grüße, Anteilnahme am Leid der Flutopfer von den Flüchtlingen im Elendlager Moria ...   Und dann die SpenderInnen ...

Brings bezeugt beim Benefizabend:

.... Und wir beten dafür
Dass 'n Wunder passiert
Und wir endlich kapier'n
Dass wir alle gleich sind
Und nur die Liebe gewinnt
Wir werden frei sein
Wenn wir uns lieben
Es wird vorbei sein
Mit all den Kriegen
Wir sind Brüder
Wir sind Schwestern
Ganz egal wo wir sind
Glaub mir
Die Liebe gewinnt

  • vorbei mit all den Kriegen von Egoismus, Betrügereien, Hetze, Gewalt, Lügen ...
  • auch vorbei mit den Beschimpfungen von THW u.a. HelferInnen im Flutgebiet wie ARD am 21.7. berichtete ...

Impuls von Pater Wolfgang Junggheim SSCC

Impuls zum 17. Sonntag des Jahreskreises

25.07.2021 – Evangelium: Joh 6,1–15

Vom Tod umringt – Lebenszeichen

Eine schöne Geschichte! Eine wunder-bare Wundererzählung! Um Himmels willen, ist das möglich? Historisch lässt sich diese Frage nicht beantworten. Sicher ist, dass Jesus in seiner Zeit so gewirkt hat, dass diejenigen, die später über sein Wirken schrieben, es als Wunder erlebt und interpretiert haben. „Zeichen“ ist der Begriff, der im Neuen Testament dafür verwendet wird – Zeichen für den gottgewollten Sieg des Lebens über den Tod.

Wenn wir das Wunder beim Teilen der fünf Brote und zwei Fische auf unsere heutige Situation übertragen, dann erkennen wir, dass sich im Sinne der Botschaft Jesu immer wieder Wunder ereignen.

Pandemie, Umweltkatastrophen: unfassbares Leid, unfassbare Zerstörung, schreckliche Tode innerhalb weniger Stunden. Nicht weit weg. Verzweiflung pur. Direkt um die Ecke. Vor der eigenen Tür. Und doch Lebenszeichen: die unglaubliche spontane Hilfs- und Spendenbereitschaft; ungeahnte emotionale Anteilnahme und Solidarität über das Finanzielle hinaus; unzählige Menschen, die nicht bloß zuschauen, nur reden, sogar Lügen verbreiten, sondern an vorderster Front mit dem Einsatz ihres Lebens retten, helfen, anpacken, aufbauen, heilen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, sagt der Volksmund. Das bedeutet: Geteilte Güter vermehren sich. Das Wunder ist, dass wir im Teilen nicht verlieren, sondern gewinnen und reicher werden.

5000 Menschen satt zu machen, geht heute im Handumdrehen. Aber die gleiche Zahl zu bewegen, ihre Vorräte miteinander zu teilen und die tiefsitzende Angst zu überwinden, dass für sie selbst nicht genug übrig bleibt, ist das eigentliche Wunder.

Wie sähe unsere Welt aus, wenn die Menschen nicht nur bei Katastrophen weltweit so miteinander teilen würden: Geld, Brot, Zeit, Glauben, Tränen, Umarmungen – Leben?

Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis

Fast überall haben die Sommerferien begonnen. Mit der Aussicht auf ein wenig mehr Ruhe, auf etwas Entschleunigung sind die Ferienwochen für viele verbunden. In diese Situation passt das heutige Evangelium gut.

Auch die Apostel kehren zu Jesus zurück und brauchen etwas Ruhe. Sie hatten die Menschen zur Umkehr aufgerufen, Dämonen ausgetrieben, Kranke gesalbt und geheilt. „Kommt und ruht ein wenig aus!“, lädt Jesus sie jetzt ein.

Aus der Pause wird aber nicht viel. Statt des einsamen Ortes, statt Ruhe und Alleinsein erwartet sie wieder eine große Zahl an Menschen. – „Jesus hatte Mitleid mit ihnen“, hören wir.

Ganz aktuell verdienen die zahlreichen Menschen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, die durch die Gewalt des Wassers Leben, Hab und Gut, Perspektive und Hoffnung verloren haben, unser Mitgefühl, unsere Solidarität und unser Gebet.

Mitleid zu haben, jemanden zu bemitleiden, steht oft in Verdacht, eine herablassende Geste zu sein. Gleichzeitig tut es gut, wenn jemand da ist, der mir in schwerer Situation ehrlich zusagt: „Ich fühle mit dir.“

Das deutsche Wort Mitleid ist eine Lehnübersetzung des griechischen Worts sympátheia. Das hat einen guten Klang.

Auch wenn aus der Ruhe der Apostel bei Jesus nicht viel wird und unsere Sommerzeit nicht so unbeschwert ist, wie wir es vielleicht erhofft hatten – für mich passen diese Verse aus dem Markus-Evangelium gut in unsere (Sommer-)Zeit:

Bei Jesus können wir Ruhe finden, ein stärkendes und aufbauendes Wort hören und Brot zum Leben bekommen (Evangelium vom nächsten Sonntag). Denn wir sind ihm sympathisch.

Peter Wegener

Herr, für viele ist alles zerbrochen: ihre Pläne, Hoffnungen und Wünsche.
Für sie ist nichts mehr, wie es noch vor Tagen war,
nichts läuft mehr, wie es gestern noch selbstverständlich war.
Wenn du, Jesus, der Weg bist, dann zeige uns Wege, wie wir helfen können;
wenn du die Wahrheit bist, versteck dich nicht,
wenn du das Leben bist, dann sei allen Menschen in dieser Katastrophe nah.
(Nach einem Gebet von Rudi Weiß, vgl. Gotteslob 17,1)

15. Sonntag im Jahreskreis – 11. Juli 2021

Für die meisten unserer Mitmenschen, wahrscheinlich auch für uns, gilt es in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu erleben. In allen Lebensbereichen gilt es schneller, besser, größer, reicher … zu werden. Alles muss etwas bringen. Wettbewerb und Konkurrenzdenken bestimmen immer mehr fast alle Bereiche unseres Lebens. Wer nicht mithält, fällt zurück. Alles, nur kein „loser“ sein.

Im Sonntagsevangelium sendet Jesus die Zwölf, jeweils zwei zusammen, um die befreiende Botschaft vom Reich Gottes zu den Menschen zu bringen. Im heutigen Evangelien Text steht fast nichts vom Inhalt der Predigt, aber viel über das wie: entschleunigt, konzentriert im Hier und Jetzt, aufmerksam zugewandt hin zu der Person, bei der sie gerade jetzt sind und immer wieder der Versuchung zu widerstehen um das eigene Ego zu kreisen. Nicht im Alleingang, immer verwiesen auf die Mitmenschen.

In jener Zeit rief Jesus die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen. Und er sagte zu ihnen: Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst! … Und sie heilten viele Menschen. (Markus 6, 7 – 13)

Pater Martin Königstein SSCC

Impuls zum 14. Sonntag im Jahreskreis

4. Juli 2021 – 2 Kor 12,7–10

Die Ohnmacht bejahen …

In unseren Bundesländern gab es bereits oder wird es in den kommenden Wochen Schulzeugnisse geben. Auf diesen werden Erfolge und Misserfolge mit Noten und Punkten versehen. Viele Schülerinnen und Schüler werden von Eltern und Großeltern für gute Noten zusätzlich belohnt.

In diese Wirklichkeit hinein wird am Sonntag ein Abschnitt aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth vorgelesen. „Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark“, heißt es am Ende dieser Lesung. Diese Aussage entspricht eher nicht unserem Denken und Fühlen. Der schwache Schüler oder die schwache Schülerin als starke Persönlichkeiten? Wie oft werden die Schwachen zu hören bekommen, dass aus ihnen nie etwas wird.

Paulus ermahnt, sich nicht wegen der eigenen Erfolge und großen Werke und Taten stark zu fühlen. Er spricht damit nicht gegen Erfolge und achtet auch nicht besondere Taten gering. Er erinnert aber daran, dass diese nicht zuerst das Ergebnis eigener Anstrengung sind, nicht Verdienst, sondern Geschenk und Gnade.

Ohne Gott können wir nichts tun, nichts vollbringen und nichts erfolgreich durchführen. Wer sich das bewusst macht, wird sich als schwach einschätzen, aber nicht als ohnmächtig. Die wirkliche Macht kommt aus der Gnade, aus den Gaben Gottes, die er jedem Menschen zuteilt.

Uns als Starke erinnern, dass unsere Stärke von Gott geschenkt wurde; uns als Schwache erinnern, dass auch wir gleichermaßen Ebenbild Gottes sind: Das ist unsere Berufung als Getaufte. Ich glaube sogar, dass dies die Grundlage ist, um uns – unabhängig von Erfolg und Ansehen – auf Augenhöhe begegnen zu können.

(Text und Bild: P. Manfred Kollig SSCC)

 

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis

27. Juni 2021 – Evangelium: Mk 5,21–43

„Glaube versetzt Berge!“, so heißt ein bekanntes Sprichwort. Da die Berge aus Stein nicht damit gemeint sein können, könnten es Berge meines Lebens sein. Das Sonntagsevangelium bietet dazu zwei Wundergeschichten.

Betrachten wir die, in der die Frau, die den „Berg“ des Blutflusses, an dem sie schon seit 12 Jahren litt, vor sich hat. Während ihrer Krankheit hat sie viele Ärzte konsultiert und dabei ihr ganzes Vermögen ausgegeben. Heilen konnte sie keiner. Im Gegenteil, ihr Zustand wurde immer schlimmer. Sie hatte von Jesus gehört, der nun ihre letzte Hoffnung war. Ihr Glaube an Jesus ließ sie ihre Angst überwinden und als unreine Frau sich in der Menschenmenge gezielt auf Jesus zu zubewegen. Als sie nah genug bei ihm war, berührte sie ohne zu fragen sein Gewand. Im selben Augenblick spürte sie, dass ihre Blutungen aufhörten. Sie war geheilt, ihr Berg war versetzt.  

Womit sie nicht gerechnet hat, dass Jesus es gemerkt hat, sich umdrehte und nachfragte. Die Frau trat zitternd vor Jesus, bekannte, dass sie es war. Dieses Bekenntnis zu Jesus war für ihre dauerhafte Heilung wichtig. Jesus sagte zu ihr: „Dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden!“

Glaube kann doch Berge versetzen.

Verbunden im Glauben an Jesus Christus

Elfriede Kuhmann

Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

20. Juni 2021 – Weltflüchtlingstag

Wir alle sitzen im gleichen Boot... Und Jesus ist dabei, den wir erfahren als den, der sich kümmert, dass wir alle im Sturm nicht untergehen ... Dafür setzt Er sein Leben ein... Diese Liebe drängt uns, dass wir Lebende nicht nur für uns selbst leben, sondern dankbar für und mit Jesus für alle, die wir in Ihm verbunden sind zu dem einen W i r in dem einen Boot, wie es der Papst zusammenfasst. ...

Und was heute uns alle schützt sind die unwandelbaren Menschenrechte, in denen die Liebe Jesu, die Liebe Gottes sich festmacht. ... Sie gilt allen und so haben wir Sorge zu tragen, dass die Menschenrechte für alle zur Geltung kommen. ... Das gilt besonders für jene Mitmenschen, die heimatlos sind, weil ihre Menschenrechte nicht beachtet werden und die deshalb fliehen uns zum Zeugnis: „wir klagen an: Menschenrechte sind unwandelbar“

Mit diesem Motto sind wir gerufen an diesem Wochenende für die Mitmenschen auf der Flucht einzustehen und für alle, deren Menschenrechte verletzt werden. …

*Wir ziehen die MenschenrechtsverletzerInnen zur Verantwortung und zeigen, dass der Einsatz gegen Menschenrechte nicht ohne Widerstand  bleiben wird. Denn Menschenrechte sind #unverhandelbar!

Petition unterschreiben & Updates erhalten
Mehr Infos: https://unverhandelbar.jetzt

*Pax Christi: Die erste gemeinsame Aktion im Rahmen der Kampagne „Menschenrecht statt Moria“ ist es, Bundestagsabgeordnete dafür zu gewinnen, den Appell an die Bundesregierung zu unterzeichnen.
„Wir in Deutschland können mehr: Geflüchtete aufnehmen – Pushbacks verhindern – Europa gewinnen“

Den vollständigen Appell und die Briefvorlage finden Sie hier.

*Wir lassen uns ermutigen von den Flüchtlingen selbst:
Nujeen Mustafa musste wegen Gewalt und Verfolgung im Rollstuhl aus Syrien fliehen - heute setzt sie sich stellvertretend für alle Geflüchteten weltweit ein. Sehen Sie in diesem inspirierenden Video ihre Geschichte.
 
Zum Video

Impuls von Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis

13. Juni 2021 – Evangelium Markus 4,26–34

Wider die Resignation

Es macht Mut – dieses Evangelium vom Sämann. Mut an einer Stelle, die  verwundbar macht: Resignation. Coronapandemie,  Klimakatastrophe, weltweites Elend von Menschen auf der Flucht und in  Kriegsgebieten, korrupte Diktatoren, die Bevölkerungen in brutalster Geiselhaft halten, Kindesmissbrauch selbst in „heiligsten Räumen“, häusliche Gewalt, Verbrechen gegen die Menschlichkeit in nie gekanntem Ausmaß  sind Erfahrungen, die den Mut nehmen können, sich weiterhin einzusetzen für eine bessere, gerechtere, zivilisierte Welt; biblisch ausgedrückt: für das Reich Gottes.

»Mit dem Reich Gottes ist es so wie, wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät«, sagt Jesus.  Alle haben ihren Acker. Den Lebensacker. Ihn gilt es zu  be-ackern und zu gestalten. Er ist das Stück Welt, für das jeder und jede die persönliche Verantwortung trägt.

Die Botschaft des Evangeliums: Trotz allem was ist und wie es ist – ob in Kirchen oder Gesellschaft: Nicht Schwarzmalen und nicht Schwarzsehen. Auf dem Weg bleiben. Nicht aufgeben. Säen, wachsen und sich entfalten lassen. Das Säen nicht verwechseln mit dem Ernten. In Gelassenheit und mit Vertrauen anderen überlassen, das zu ernten, was gesät wurde; so wie wir mit Selbstverständlichkeit ernten, was von anderen gesät worden ist. Säen ist Geben ohne zu zählen. Ohne zu rechnen, auch, wenn vieles nicht aufgeht.  Dazu will Gott uns Mut machen. Und Mut bedeutet: Träge Faulheit, Ängste, Skrupel, Perfektionismus, Überverantwortlichkeit,  Allmachtsfantasien und Verschwörungstheorien »zum Teufel« jagen. Das Tun, was dran und wie es uns möglich ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Alles andere Gott überlassen. Ihm, von dem alles Leben kommt, und der es trotz aller Missernten, über alles Sterben und alle Untergänge hinweg heim-holt. Er, von dem alles Leben ausgeht und zuhause ist. Am Ende nicht Untergang: Aufgang.

Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum 10. Sonntag im Jahreskreis

6. Juni 2021 – 1. Lesung: Gen 3,9–15

Der Platz des Menschen ist der Garten. Angesichts der blühenden Blumen und ihrer leuchtenden Farben möchte man dem in diesen frühsommerlichen Tagen gerne zustimmen. Der Garten, sei es der hinter dem eigenen Haus oder ein öffentlicher, ist ein Ort, an dem es sich leben lässt.

Der Platz des Menschen ist der Garten – dieser Satz geht noch über unser sommerliches Lebensgefühl hinaus. „Gott, der Herr, nahm den Menschen und gab ihm seinem Wohnsitz im Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte“, heißt es in der biblischen Erzählung vom Paradies.

Die erste Lesung am heutigen Sonntag schildert, was danach geschah. Adam und Eva haben verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis gegessen und werden von Gott zur Rede gestellt. Die winden sich heraus: Adam gibt Eva die Schuld – und die verweist auf die Schlange… Am Ende schickt Gott die beiden aus dem Garten weg.

Dass unsere Stammeltern aus dem Garten vertrieben wurden, vergrößert den Reiz des Gartens nur noch. Und steigert die Sehnsucht nach einem so vollkommenen Ort zum Leben.

Und heute? Sind wir nicht dabei, Gottes Schöpfung durch unseren unmäßigen Lebenswandel erneut aufs Spiel zu setzen?

Und müssen wir uns in unserer Welt, in der Wirtschaftlichkeit allzu oft vor Menschlichkeit kommt, nicht wieder wie aus dem Garten Vertriebene fühlen?

Aber dürfen wir nicht auch, jetzt wo der Sommer beginnt, den Garten wenigstens für einen Moment wieder neu für uns entdecken?

Denn der Garten ist unser Ort – Gott hat ihn für uns geschaffen.

Impuls von Peter Wegener

Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag

30. Mai 202

Der Herr ist Gott.

(aus der Lesung des Dreifaltigkeitssonntags – Deuteronomium 4, 39)

Immer wieder, wenn ich versuche zu beten, also mich dem Geheimnis Gottes zu nähern, muss ich aus der Erfahrung meines Alltags feststellen, dass meine Bilder von Gott nicht stimmen. Wenn ich die Wirklichkeit ernst nehme, komme ich immer mehr dahin, dass ich mir überhaupt kein Bild von Gott machen sollte. Denn alles, was ich mir von Gott vorstellen kann, hat mehr mit mir und meinen Wunschvorstellungen zu tun als mit ihm. Gott begegnen bedeutet, dass ich aufhöre im Mittelpunkt zu stehen. Ich sollte mich, und auch die Kirche sollte sich, hin auf den Gott Jesu dezentrieren und auf die Wirklichkeit hin als den Ort seiner Gegenwart.

Es geht um den Glauben, dass wir Gott in den äußeren Ereignissen begegnen. Madeleine Delbrêl spricht vom Gehorsam den Umständen gegenüber. „Wir betrachten sie als Ausdruck von Gottes Willen.“ J. B. Metz spricht von der „Mystik der offenen Augen“, Mahatma Gandhi vom „Satyagraha“, d. h. die Realität wahr sein lassen und darin Gott begegnen. Der geistliche Prozess, der uns öffnen soll für die Gegenwart Gottes, braucht Erdung und Realitätssinn.

Andererseits bezeugen wir auch, dass es Gott ist, der uns und allen Menschen nachfolgt bis in die tiefsten Punkte unseres persönlichen und gemeinschaftlichen Lebens. Das ist unser Glaube, aus dem die Hoffnung wächst, die über jede Form von Sterben und Tod hinausgeht; jene Hoffnung, die unsere Vorstellungen, unsere Sprachfähigkeit und unsere „Bilder im Kopf“, unsere Erfahrungen und alles Erfahrbare bei weitem übersteigt. Die historischen und gesellschaftlichen Umstände, die wir als Einzelne, als Kirche und als Gesellschaft insgesamt erleben und die uns oft schmerzen und verunsichern, sind die Einladung Gottes, in die Freiheit der Kinder Gottes hinein zu wachsen. Es geht um den schieren Glauben ohne das „fromme Gesumse“ (vergl. K. Rahner) anderer Zeiten, ohne unsere Bilder und Vermittlungen. Es geht um Gott allein, um seiner selbst willen. Er ist der Grund unserer Hoffnung, er ist der Inhalt unserer Freude.

Impuls von Martin Königstein SSCC

Impuls zum Pfingstfest

(23. Mai 2021)

„Löse, was in sich erstarrt.“
„Komm herab, o Heilger Geist“, so beten und singen wir auch am Pfingstfest 2021. Wir hoffen und wünschen, dass der Heilige Geist nicht nur in der Heiligen Messe Brot und Wein verwandelt, sondern auch uns und unsere Welt. Licht für die Dunkelheiten, die wir erleben, erhoffen wir. Vom Geist erwarten wir, dass er uns tröstet und Freude schenkt. Dies und vieles mehr erbitten wir vom Heiligen Geist.
Die letzten 15 Monate haben sicher in vielen Menschen die Sehnsucht nach Licht und Leben, nach Begegnung und Freude, nach Heilung und Barmherzigkeit wachsen und vielleicht sogar ins Unerträgliche steigen lassen. Das Lied an den Heiligen Geist, der nicht nur irgendeine Kraft ist, sondern den wir persönlich ansprechen können, singt sich in unserer gegenwärtigen Situation nochmal anders. Es lohnt sich, Pfingsthymnus und Pfingstsequenz (im Gotteslob Nr. 342 und 344) in unserer Wirklichkeit zu betrachten.
In seinen Meditationen, die der Jesuitenpater Alfred Delp im Gefängnis Berlin-Tegel wenige Wochen vor seinem Tod aufschrieb, betrachtet er u.a. auch die Pfingstsequenz. Angesichts der eigenen Fesseln schreibt er zu der Bitte an den Heiligen Geist „Löse, was in sich erstarrt“:
„Die Erstarrung ist der bittere Feind des Lebens. Das erstarrte oder erstarrende Leben ist sehr arm geworden, mag es nun die Erstarrung noch verspüren und an ihr leiden oder schon so eingefangen sein, daß es alles für gut und richtig findet, wie es ist. Das Gesetz des Lebens und alles Lebendige ist Bewegung, Entfaltung, Entwicklung. Der innere Befehl, der allem Lebendigen einwohnt, läßt das Leben nicht zur fixierten Ruhe kommen, bis er ausgeführt und das Leben vollendet ist. Die Erstarrung ist die Fixierung des Daseins auf einem beliebigen Punkt der Lebensstraße, ist Abfall vom Gesetz der Wanderschaft, ist vorzeitige und deshalb unzeitige Sehnsucht nach einem endgültigen Ort.“ (Alfred Delp, Aufzeichnungen aus dem Gefängnis, Herder 2019, 293f)
Dass die Regelungen zum Umgang mit der Covid-19-Pandemie gelockert werden, wird uns freuen. In dieser Freude bitten wir den Heiligen Geist, dass er auch uns persönlich, unsere Kirche und die gesamte Welt löse aus jeder Form von Erstarrung.

P. Manfred Kollig SSCC

Impuls zum 7. Sonntag der Osterzeit

16.05.2021 – Erste Lesung: Apg 1,15–17.20ac–26

Petrus sagte: „Einer von diesen muss nun zusammen mit uns Zeuge seiner Auferstehung sein.“

Es passiert: ein Wort spricht mich an. Meine Gedanken bleiben daran hängen und beschäftigen sich mit diesem Wort. Es begleitet mich durch den Tag. Der Impuls ist da, wird durch den Alltag verdrängt, kommt wieder. Drei Worte des Petruswortes haben mich berührt: Eine(r) von diesen.

Petrus musste die symbolische Zahl 12 der Apostel durch Nachwahl wiederherstellen. Zwei Bedingungen waren vorgegeben: von Anfang an dabei und Zeuge der Auferstehung gewesen zu sein. Petrus lud die versammelten 120 Brüder ein, im Glauben an und im Vertrauen auf Gott für die richtige Nachwahl zu beten. Das Los fiel auf Matthias.

Dieser Glaube und dieses Vertrauen sind beeindruckend. In der heutigen Zeit ist es eine große Herausforderung, egal für welche Bereiche die richtige Wahl zu treffen. Einen wichtigen Punkt vermisse ich allerdings in dieser Schriftstelle: die Bereitschaft der beiden Kandidaten. Schließlich gehört sie dazu. So schließt sich der Kreis für mich mit der Frage:bin ich bereit, mich als Zeuge(in) seiner Auferstehung wählen zu lassen?

Verbunden im Vertrauen auf den Heiligen Geist

Elfriede Kuhmann

 

Impuls zum 6. Sonntag der Osterzeit

Ehrlich hinschauen, einander vertrauen, gemeinsam handeln

Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Bleibt in meiner Liebe … Es hat keiner eine größere Liebe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde … Ich habe euch erwählt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt ...

Uns spornt immer wieder das Beispiel von Pater Damian an, der sein Leben mit den Aussätzigen teilte: der ehrlich hinschaute auf ihr Leid und ihre Einsamkeit, der so mit ihnen lebte, dass sie einander vertrauten und gemeinsam handelten und so Gemeinde entstand, in der sie angenommen waren und einander annahmen und im Leid Hoffnung und Freude erfahren haben …

Am 10. Mai gedenken wir des Hl. Pater Damian.

Uns Deutsche spornt immer wieder das Beispiel der Widerstandskämpferinnen und -kämpfer in der Nazizeit an. Sophie Scholl schaute mit ihrem Bruder u.a. ehrlich hin auf das Unrecht der Nazis und sie lernten miteinander darüber offen zu sprechen und so einander zu vertrauen, dass sie gemeinsam gegen Unrecht handelten und schließlich auch ihre Leben dafür einsetzten …

Am 9. Mai wäre Sophie 100 Jahre alt geworden.

Ab 13. Mai sind wir als Christinnen und Christen  in Deutschland eingeladen, digital ökumenischen Kirchentag zu halten und uns bestärken zu lassen, ehrlich in unsere Zeit zu schauen, einander zu vertrauen und miteinander zu handeln, dass Gottes Liebe erfahren wird in dieser herausfordernden Zeit …

Weiterlesen: Über den Ökumenischen Kirchentag

Der 3. Ökumenische Kirchentag wird anders – konzentrierter, dezentraler, und digitaler. Vom 13.–16. Mai 2021 werden rund 80 digitale Veranstaltungen aus Frankfurt gesendet. Begleitet von Aktionen und Gottesdiensten in ganz Deutschland ergeben sich dadurch vielfältige Themen und Formen von Begegnung. Der ÖKT wird veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Nach 2003 in Berlin und 2010 in München findet der Ökumenische Kirchentag 2021 zum dritten Mal statt.

Impuls von Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum 5. Sonntag der Osterzeit

2. Mai 2021

 Joh 15,1–8 „In“ sein und nicht „out“

Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch – so Jesus im heutigen Evangelium zu seinen Jüngern: Lebens-Perspektive im Angesicht seines bevorstehenden Todes.

Das Lebens-Gefühl bis zur gegenwärtigen Pandemie ging in eine andere Richtung: Nicht bleiben, sondern loslassen können, als Zeichen von Lebendigkeit. Veränderung. Mobilität. Weiter. Schneller. Nur ja kein Stillstand! Und jetzt?

Aufgezwungener Lockdown. Aufgezwungene Entschleunigung. Nichts mehr so, wie es war. Aber viele existenzielle Fragen: Wie geht es weiter? Was bleibt mir noch? Wer bleibt mir noch? Und genau da holt uns das Wort des Evangeliums ein und ab – mit einer vertieften Perspektive: Woran hängst du? Was gibt dir Halt und Lebendigkeit? Was macht dein Leben aus?

Bleibt in mir, sagt Jesus, dann bleibe ich in euch … Leben kann sich keiner selber geben. Christsein geht eben nicht ohne Christus. Ohne ihn hängen alle Bemühungen um Veränderung und Erneuerung in der Kirche, in den Gemeinden in der Luft.

Aber wie geht das – in Christus bleiben?

Ich bleibe in Christus, wenn ich meine persönliche Beziehung zu Gott in Christus pflege. Ich bleibe in Christus, wenn mein Glaube an Gott im Gebet und im gemeinsamen Gottesdienst verankert ist. Ich bleibe in Christus, wenn sich mein Glaube nicht nur im stillen Kämmerlein vollzieht, allein für mich, von Herz zu Herz. Das auch – aber genauso gehört mein Glaube nach draußen, in den Tatort Leben. Die Hände falten und die Ärmel hochkrempeln. An den Himmel glauben und die Erde gestalten. Das Leben umarmen, Gott feiern und ihm vertrauen.

Dann bleibe ich in euch, sagt Jesus – anfassbar, berührbar, lebendig, fruchtbar. Gewiss, viele haben oder teilen den Glauben an Gott nicht mehr. Und: Dieser Glaube kann auch niemandem aufgezwungen werden. Ebensowenig jedoch darf von gläubigen Menschen verschwiegen werden, woran ihr Leben hängt und was ihr Leben prägt.

Wer da nicht „in“ ist, der ist „out“.

Ein Impuls von Pater Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum 4. Sonntag der Osterzeit

25. April 2021

Ich bin der gute Hirt

Wenn ich dieses Evangelium vom Guten Hirten (Johannes 10, 11–18) lese, kommt mir fast automatisch eine andere Stelle in den Sinn. Es ist das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lukas 15, 4–7).

Es ergänzt die Rede Jesu vom guten Hirten im heutigen Evangelium für mich sehr anschaulich: Als der Schäfer merkt, dass eines seiner hundert Schafe verloren gegangen ist, macht er sich auf die Suche und ruht nicht eher, bis er es wiedergefunden und nach Hause getragen hat. Und wenn er es wiedergefunden hat, ist die Freude unbeschreiblich.

Das Handeln des guten Hirten ist nicht nur Vorbild für alle, die einen geistlichen oder einen kirchlichen Beruf ergreifen. Diese Sorge füreinander ist uns allen anvertraut. Wir alle sind gerufen, aufeinander acht zu haben, dass keiner verloren geht. Denn in Kirche und Welt sind wir – Gott sei Dank – nicht Hirt und Herde, so als ob die einen dem anderen gehörten.

Die Rede von Hirt und Herde bezogen auf die Hierarchie der Kirche ist schon seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ergänzt – wenn nicht sogar abgelöst – vom Bild des Volkes Gottes, das gemeinsam unterwegs ist.

Erst recht in der momentanen Situation der Kirche, in der wir gewahr geworden sind, welch große Schuld Hirten und Oberhirten auf sich geladen haben, weil sie ihrer Hirtensorge nicht gerecht geworden sind ... Da trifft wohl eher die Warnung des Propheten Ezechiel: "Weh den Hirten, die sich selbst geweidet haben ... Das Mastvieh schlachtet ihr, die Schafe aber weidet ihr nicht. Die Schwachen habt ihr nicht gestärkt ..." (34, 2–4).

Uns allen ist die Hirtensorge, wie Jesus sie vorgelebt hat, anvertraut. Dass wir zusammen unterwegs bleiben, die Augen aufhalten und achtgeben, dass niemand verloren geht. Gerade in unseren pandemiegebeutelten Tagen.

Peter Wegner

Impuls zum 3. Sonntag der Osterzeit

18. April 2021

Aus dem Evangelium nach Lukas 24, 36.44 f

„Während sie noch darüber redeten, trat Jesus selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! (…) Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht. Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften.“

Ausgehend von dem, was sie kennen, was ihnen vertraut war („das Gesetz und die Propheten“) lädt Jesus die Jünger Gemeinde ein weiter zu gehen, sich zu öffnen, das Neue mit neuen Augen zu sehen und wahrzunehmen.
Wir können Gott heute nicht sehen und seine Gegenwart und sein Handeln nicht erkennen mit den Augen von gestern.
In der Kirche und in der Gesellschaft gibt es Strömungen, die auf die komplexen und schwierigen Fragen und Aufgaben von heute, einfache Lösungen suchen in der vermeintlich besseren Vergangenheit. Das wird nicht gehen.

Mit einem liebenden Herzen – so wie der Jünger Johannes (in Joh 21) – aufmerksam Ausschau halten, wo gibt es Zeichen dafür, dass ein wenig Friede möglich wird, wo gibt es Menschen, die sich für die Gerechtigkeit einsetzen, wo kommt Freude auf und wird von den Menschen geteilt? Überall da, egal wo wir es entdecken, können wir wie Johannes sagen: es ist der Herr. Da ist das Leben am Werk. Da handelt er.

Martin Königstein SSCC

Impuls zum 2. Sonntag der Osterzeit

11. April 2021

„Sie schweigen.“

Die christlichen Osterbotschaften verwirren. In diesem Jahr, dem Lesejahr B, in dem aus dem Markusevangelium gelesen wird, irritiert sie besonders. In der Osternacht hörten wir, dass die Frauen zum leeren Grab kamen. Was wir nicht hörten, war der Vers: „Da verließen sie das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich.“ Damit endet ursprünglich das Markusevangelium.

Die anderen Evangelien berichten von den weiteren Begegnungen mit dem Auferstandenen. So auch Johannes, der, wie wir am heutigen 2. Ostersonntag hören, von der Begegnung des Auferstandenen mit Thomas erzählt. Die Wunden sind auch nach der Auferstehung das Marken- und Erkennungszeichen Jesu. Er war und bleibt verwundbar und verwundet. Der Evangelist Markus sagt nicht, wie es weitergeht. Die Frauen schweigen. Später hat man dann noch in Kenntnis der anderen Evangelien dem Markusevangelium ein paar Verse hinzugefügt. Schon damals konnte man es schwer ertragen, dass das Ende offen bleibt.

Ich selbst mag dieses offene Ende mehr als die Berichte von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Das Evangelium des Markus endet unvollendet. Die Auferstehungsgeschichte ist nicht abgeschlossen. Ob und wie sie weitergeht, hängt von uns ab. Was lassen wir den Auferstandenen durch uns wirken? Sind wir im Glauben an Gott verwundbar? Erkennen wir Jesus in den Verwundeten unserer Zeit? Fürchten wir uns, vom Glauben an den Auferstandenen und der Auferstehung zu erzählen und Zeugnis zu geben? Schweigen wir aus Furcht; vor wem, vor was?

Foto und Text: Pater Manfred Kollig SSCC

Impuls zum Osterfest

Osterevangelium Joh 20,1–18

Leeres Grab und eine Frau, die weint

Maria Magdalena sucht Jesus. Sucht seinen Leichnam im Grab. Sucht Jesus bei den Toten. Wo auch sonst? Aber dort ist er nicht zu finden. Das Grab ist leer und mit dem leeren Grab kann sie nichts anfangen. Noch nicht. Wenn man ganz am Ende ist, todtraurig, die Augen voller Tränen hat, sieht man nicht mehr klar. Blickt man nicht mehr durch. Maria Magdalena ist so „zu“, dass sie nicht sieht wie Jesus vor ihr steht. Sie erkennt ihn nicht. Gott ist diskret. Er drängt sich nicht auf. Niemand findet Gott in Jesus, wenn er sich nicht von Jesus finden lässt.

Und dann die Wende: „Maria,“ sagt Jesus. Sanft, zärtlich, liebevoll. Dieses eine Wort: Maria. Und dieses Wort erreicht nicht nur ihr Ohr, es findet zu ihrem Herzen. Das ist alles. Keine Belehrung. Keine feierliche Erklärung in Sachen Auferstehung. Nichts. Nur: „Maria.“ Und dann gehen ihr die Augen auf. Sie ist gefunden von dem, den sie sucht. „Rabbuni, Meister,“ sagt sie und alles ist gut. So entsteht Osterglaube. In der Begegnung mit dem Auferstandenen. Im Wort und einer Antwort der Liebe: „Maria.“

 „ Lobet von Herzen das schlechte Gedächtnis des Himmels und dass er nicht kennt euren Namen, noch euer Gesicht, niemand weiß, dass ihr noch da seid,“ notiert Bert Brecht.

Jesus sagt„ Maria. Das macht deutlich: Er weiß, dass wir noch da sind. Viele weinend und oft genug im Tal der Tränen. Er kennt unser Gesicht. Er ruft uns beim Namen jenseits der Todesgrenze. Alle Tränen wird er aus den Augen abwischen. Das lässt hoffen wider alle Hoffnungslosigkeit in und um uns. Selbst wider den Tod.

Die Botschaft dieses Evangeliums: Du bist bei deinem Namen gerufen. Du bist geliebt. Geliebt von Anfang an. Im Tod heim-geliebt in die  Ewigkeit.

Unglaublich… Unglaublich not-wendig - zu allen Zeiten, auch der unseren!

 

Impuls von Pater Hans-Ulrich Willms SSCC

 

 

Evangelium am Palmsonntag: Mk 14,1-15,47 (Passion)

Dann legten sie ihm einen Purpurmantel um und flochten einen Dornenkranz; den setzten sie ihm auf. (Mk 15,17)

Die Künstlerin Anne zur Linden hat auf dem in 1986 gemalten Hungertuch nicht nur Jesus Christus mit dem Dornenkranz gemalt, sondern in ihm die aktuelle Situation von Gottes Schöpfung dargestellt. Ich finde, sie ist bis heute aktuell geblieben.

Beschreibung gegen den Uhrzeigersinn:

1) Ungeborenes Leben, das Wunder des Lebens töten wir.

2) Mann und Frau wenden sich voneinander ab. Zerstörte Gemeinschaft.

3) Krieg statt Frieden: Menschen bekämpfen sich gegenseitig, die Welt brennt.

4) Bäume und Pflanzen müssen eingehen, weil wir unersättlich sind.

5) Wasser verschwenden und verseuchen wir. Tiere müssen sterben.

6) Luft zum atmen vergiften wir mit Abgasen und Energieverschwendung.

7) Statt dass alle satt werden, rüsten wir zu Land, zu Wasser und in der Luft auf.

8) Alte Menschen lassen wir einsam werden.

Was haben wir mit Gottes Schöpfung gemacht?

Hat der „kleine“ Virus Covid19 dazu beizutragen, zu demonstrieren, wie wir uns nur verhalten müssen für unsere besondere Verantwortung als Christen für Gottes wunderbare Schöpfung? Die Luftwerte haben sich nachweislich gebessert gehabt.

Anne zur Linden: „Herr, heile uns und heile die Erde. Lass uns aufwachen, damit wir fähig werden, Deine Liebe zu erkennen, den Nächsten und Deine ganze Schöpfung zu lieben.“

Elfriede Kuhmann

Impuls zum 5. Fastensonntag

21. März 2021 – Misereor-Sonntag

Es geht anders …   

  • Gott schickt seinen Sohn, nicht um bedient zu werden, sondern um dem Leben aller Töchter und Söhne Gottes zu dienen,  ganz anders als die mächtigen Götter damals und heute und ganz anders als die, die sich im Dienst dieser mächtigen Götter sehen …
  • Gott klopft bei Maria an, vergewaltigt sie nicht, wirbt um ihr Mitwirken, dass Jesus in die Welt kommen kann; es geht anders bei unserem Gott …
  • Josef wollte Maria nicht bloßstellen, ihr den Weg frei machen zu dem, von dem das Kind stammt. Doch Gott stärkt seine Gerechtigkeit und Liebe und keiner der beiden muß den anderen verlieren. Ehre wird nicht verletzt in den Augen des Josef, froh über das Zusammenbleiben und nicht erfüllt von rachsüchtiger Wut, die verletzte Ehre heilt durch Steinigung der Treulosen ...
  •  Die Weisen erkennen die Gefahr für das Kind und verraten es nicht, verzichten auf Lob und Bereicherung durch den Machthaber …
  • Josef flieht mit dem Kind und die Ägypter nehmen keine Rache an Gottes Befreiung Israels, sondern nehmen ihn in Schutz ohne Abschiebung und Rückkehrabkommen mit dem Tyrannen in Israel …

Es geht anders …   

  • Anders ist das Zuhause Jesu aufgrund dieser Erfahrungen mit Gott und seinen Eltern …
  • Und so tritt er anders auf –  ohne Gewalt …
  • Er wäscht Füße, nicht die Köpfe …
  • Er beugt sich zu den Kranken und berührt Ausgesetzte und holt sie in die Gemeinschaft zurück …
  • Er vergibt und versöhnt ...
  • Er greift nicht zum Schwert, er hält seinen Kopf hin …
  • Er teilt Brot und lernt, dass im Teilen Gewinn liegt ...
  • Er nimmt Leid und Tod auf sich, solidarisch mit uns …

Das Geheimnis des Weizenkorns wird – gelebt uns allen – zur herausfordernden Hoffnung (das zeigen die 2. Lesung und das Evangelium des 5. Fastensonntags)

Misereor und seine ProjektpartnerInnen zeigen jedes Jahr neu in unserer egoistischen  und unsolidarischen und ungerechten Welt: Es geht anders …

Und Coronakrise zeigt weltweit, es geht anders ..., wo wir lernen in Krisen füreinanden und nicht gegeneinander …

(Und nicht ohne Grund hat der Papst ein „Jahr der Familie Amoris laetitia“ am Festtag des hl. Josef, am 19.3. ausgerufen)

Zum Weiterlesen: Geschichten des Gelinges aus Bolivien (aus dem Material der diesjährigen Misereor-Fastenaktion)

Gebet zum Miseor-Sonntag

„Es geht anders“ bei uns und in Bolivien (dem Schwerpunktland der diesjährigen Fastenaktion)

Wir beten mit- und füreinander

Meine Familie und unsere Lebensgemeinschaft ist mein Zuhause.

Hier leben, streiten und lieben wir.

Ich weiß um die Zerbrechlichkeit dieses Glücks und weiß mich so verbunden mit Menschen in Bolivien und weltweit, die um den familiären Zusammenhalt ringen, den wir gerade in Krisenzeiten wie jetzt brauchen und anders als gewohnt leben müssen.

Lasst uns beten für alle Familien und Gemeinschaften

  • um gegenseitige Achtung und Wertschätzung.
  • um Verständnis und Gelassenheit.
  • Und lasst uns beten für alle, deren Halt und Geborgenheit  bedroht  sind.

Gemeinschaft erfahre ich hier in unseren Gemeinden, Familien und Lebensgemeinschaften und gerade in der Krise jetzt schätzen wir sie neu wert. Wir alle sitzen in einem Boot.

Im Glauben sind Schwestern und Brüder in Bolivien und weltweit, eine Familie Gottes.

Lasst uns beten für alle, die Gemeinschaft stiften und Leben und Interessen miteinander teilen, über Grenzen hinweg:

  • um offene Ohren und Herzen.
  • um einen wachen Blick für Bedürfnisse und Grenzen.
  • Und lasst uns beten für alle, denen es schwerfällt auf andere zuzugehen.

Die Schöpfung ist das Geschenk Gottes an uns und das gemeinsame Haus aller Menschen.

Die Menschen in Bolivien erleben den gierigen Zugriff auf ihr Land. Und in der Krise jetzt erleben wir dass Verzicht und Maßhalten Schöpfung aufatmen lässt.

Lasst uns beten für alle, die sich für die Bewahrung der Schöpfung engagieren:

  • um Achtung von der Natur, unseren Mitgeschöpfen,  um Ausdauer in der Sorge füreinander und um Zuversicht.
  • um Überzeugungskraft und Willensstärke, dass es anders geht als auszubeuten.
  • Und lasst uns beten für alle in Politik und Gesellschaft, die für Strukturen und Gesetze verantwortlich sind.

Leben ist Wandel, beständige Veränderung.

Der nächste Tag schon bringt Neues, das Gestrige muss ich hinter mir lassen.

Lasst uns beten für uns:

  • um die Bereitschaft zu Besinnung und Umkehr, damit es dort anders geht, wo es nicht gut war und ist. Die Krise zeigt, es muß anders gehen, sich vieles ändern.
  • um den rechten Blick auf das, was Leben fördert.
  • um Kreativität und Sensibilität.
  • um eine Balance zwischen Bewahrung und Erneuerung.
  • Und lasst uns beten für alle, denen Veränderung Angst macht und für die, die sich überfordert fühlen.

Die Corona-Pandemie hat viele Menschen und Länder vor enorme Herausforderungen gestellt.

Lasst uns beten für alle, die in Bolivien und weltweit Sorge tragen für die Verteilung von Hilfen:

  • um Fairness und Solidarität.
  • um Empathie und Begegnung auf Augenhöhe.
  • Und lasst uns beten für alle, die die Folgen der Pandemie für ihre Zwecke missbrauchen.

Impuls zum 4. Sonntag der Fastenzeit

14. März 2021

Darauf kommt kein Mensch …

Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
sondern ewiges Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richtet,
sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird  (Joh 3,14ff).

 

Was für eine Botschaft. Eine schier unglaubliche Verheißung:

 

Gott liebt nicht nur das, was stark und mächtig ist. Er liebt auch, was schwach und ohnmächtig ist.

Liebt nicht nur was aufgeht. Er liebt auch das, was verkümmert und untergeht.

Liebt nicht nur was den jeweiligen Schönheitsidealen entspricht.
Er liebt den Menschen und seine Schöpfung so – wie sie sind.

Liebt, was menschliche Liebe nicht lieben kann.

Rettet, was menschliche Liebe nicht retten kann.

Hält, was menschliche Liebe nicht halten kann.

Er-löst, was menschliche Liebe nicht lösen kann.

Versöhnt, was un-versöhnt in die Gräber geht.

Richtet nicht hin. Richtet auf.

Am Ende nicht am Ende. Am Ende  durch den Tod hindurch ...
ge-richtet heiles Leben ohne Ende.

Darauf kommt kein Mensch. Dafür steht Gott. Er allein.
Auch in unserer Zeit

Das glaube und damit lebe ich!

 

Hans-Ulrich Willms sscc

Impuls zum 3. Sonntag der Fastenzeit

7. März 2021

Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern; das Geld der Wechsler schüttete er aus, ihre Tische stieß er um und zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Räuberhöhle! – Johannes 2, 15 (vergl. auch:  Mk 11, 17 und Lk 19, 46)

Wenn das Haus des Vaters nach den Vorstellungen Jesu der Ort ist, an dem die Kinder sicher sein sollen;
wenn es der schützende Raum ist, in dem Menschen gastfreundliche Aufnahme finden, vor allem wenn sie bedrängt und in Not sind oder auf der Flucht;
wenn das Haus des Vaters der Raum ist, in dem sich menschliches Leben in Freiheit und Vielfalt entwickeln und blühen kann;
dann ist es schlimm, was Jesus da öffentlich anprangert:
Ihr habt das Haus meines Vaters zu einer Räuberhöhle gemacht.

Die Räuberhöhle:
das ist der Ort, an dem die Räuber ihre Beute aufbewahren und von wo aus sie zu ihrem nächsten Beutezug ausziehen;
das ist aber vor allem der Ort, an den sie immer wieder zurückkehren können, weil sie dort sicher sind.

Wo überall in unserer Gesellschaft, in unserer Wirtschaft, in unserer Kirche fühlen sich die Räuber sicher?

Impuls von Pater Martin Königstein SSCC

Geistlicher Impuls zum 2. Fastensonntag

28. Februar 2021

Verklärung: Aus dem Tal auf den Berg oder heute schon gelacht?

Wem ist es schon nach Lachen zumute. Ein Jahr Pandemie. Ein Jahr Krise weltweit. Angespannte Nerven, enttäuschte Hoffnungen, unerfüllte Wünsche, Ängste … Und niemand weiß, was kommt; auch nicht, wie es nach der Krise weitergeht.

Und dann steht mitten in Berlin dieses „Kunstwerk“. Welche Lebenskünstlerin oder welcher Lebenskünstler kam auf diese Idee? In vielen Sprachen wird die Frage an alle, die vorübergehen, gestellt: Heute schon gelacht? Und auf dem Boden steht: Hier entsteht etwas Neues.

Inmitten einer weltweiten Krise die weltweite Frage: Heute schon gelacht? Es ist die Einladung, aus dem Tal heraus auf den Berg zu gehen und die Wirklichkeit – Gott, Mensch, Schöpfung – in einem neuen Licht zu sehen. Angst zu erleben mit einer Hoffnung; Enttäuschungen zuzulassen mit dem Blick auf erfüllte Wünsche; Todesängste auszustehen mit dem Sinn für das Leben …

Dann ist Verklärung. Nein, damit ist noch nicht alles klar. Dann müssen wir vom Berg wieder in das Tal zurück. Aber wir haben alles – auch die Krise – in einem neuen Licht gesehen.

 

Text und Bild: P. Manfred Kollig SSCC

Impuls zum 1. Fastensonntag

21.02.2021 – Evangelium: Mk 1,12–15

Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15)

 

Gewöhnlich, jedes Jahr am Aschermittwoch, wenn wir das Kreuz aus Asche auf unsere Stirn empfangen, begleiten uns diese Worte aus dem Markus-Evangelium: „Kehre um und glaube an das Evangelium!“

Einen Vers vorher verkündet Jesus: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.“ Wir Menschen haben den freien Willen, auf diese Verkündigung durch unser eigenes Tun zu antworten. Wir brauchen nur umkehren und glauben.

Es hört sich einfach an, und Jesus hat wohl selber die Erfahrung in seiner Wüstenzeit gesammelt, dass es schwer ist, Versuchungen zu widerstehen. Es ist ein menschlicher Zug. So muss uns jährlich immer wieder neu die Aufforderung zugesprochen werden: Kehre um und glaube an die frohe Botschaft.

Jesus ruft uns dabei zu: es gibt Rettung für den, der an das Evangelium glaubt. Lassen wir uns auffordern – ja sogar herausfordern – zur Umkehr, um uns nach getaner Anstrengung mit den Gaben Gottes beschenken zu lassen.

Ich denke, dabei ist es egal, ob wir in diesem Jahr das Aschenkreuz kontaktlos erhalten haben oder vielleicht auch gar nicht. Die Vorbereitungszeit auf Ostern hat begonnen.

Spätestens am Sonntag werden wir daran erinnert. Gehen wir durch diese Zeit begleitet vom Heiligen Geist

wünscht allen Elfriede Kuhmann

Impuls zur Fastnacht in Coronazeiten

14. Febr. 2021

Aussatz setzte aus – damals und heute:

Fromm und närrisch eins,  geht nicht!?

Narren sind „unrein“ und „Fromme“ nicht

Doch eine neue Chance 2021

Auch wer nicht gern närrisch ausgelassen

darf dieses Jahr die Maske nicht lassen;

rufen muss niemand von fern „unrein“ und so leiden,

aber keiner darf singen, küssen auf beide Seiten

es geht anders  - Misereor hat recht mit diesem Fasten-Leitwort

und so wird es bunt lebendig mit gutem Abstand an jedem Ort

Alle geheilt vom Aussatz,

- die „unreinen“ Narren und Jecken

und die „fromm rein“ sich aus-setzen, vor Narretei vertecken -

bunt maskiert und in guter Distanz rein

So sind wir Närrische und Fromme an Fastnacht jetzt vereint

Lasst uns voll Freude miteinander im Füreinander loben den Herrn, der uns alle hat gern

Lasst uns gemeinsam kreativ Gutes tun, so freut sich der Herr, das wir ihn haben gern

 

Gott segne dich. Er erfülle deine Füße mit Tanz und deine Augen mit Lachen.
Er gebe uns allen immer neu die Kraft, der Hoffnung ein Gesicht zu geben.

 

Impuls von Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum 5. Sonntag im Jahreskreis

7. Februar 2021 – Mk 1,29–39

Wir hören im Evangeliumstext von einem Tag im Leben Jesu, der unterwegs ist als Wanderprediger. Von Begegnungen mit Menschen, Gesprächen und vor allem von zahlreichen Heilungen berichtet Markus schon zuvor. Auch in dieser Geschichte geht es um eine Krankenheilung, hier wird die Schwiegermutter des Petrus wieder gesund, findet in ihren Alltag und zur Gemeinschaft zurück.

In späteren Kapiteln werden dann auch die Jünger Jesu ausgesandt werden, zu genau dem, was hier geschildert wird. Es geht um den Kern der im Alltag  gegebenen Handlungsaufgaben, die auf das Reich Gottes verweisen: zu heilen und Dämonen auszutreiben, um so das Reich Gottes zu verkünden.

Wir alle sind zur Nachfolge berufen. Wo können wir heilsam wirken? Welche Dämonen begegnen uns?

Heilsam wirken, okay! Aber Dämonen bekämpfen? Wenn wir bei Dämonen an "Zombies" oder "teufliche Gestalten" wie aus Horrorfilmen denken, fällt uns vielleicht nicht viel ein. Aber es sind vielerlei Mächte und Gewalten, die den Geist und die Gemeinschaft verwirren, Gott leugnen und uns bei genauerem Hinsehen als wirkmächtige Kräfte begegnen … 

Antisemitismus oder Rassismus sind zum Beispiel zwei dieser unheilsam Kräfte, jener "-ismen", die die Gemeinschaft zerstören und die Gotteskindschaft jedes Menschens leugnen.

Impuls von Kerstin Meinhardt

Impuls zum 4. Sonntag im Jahreskreis

31. Januar 2021

Mk 4,35–41

Hauptsache gesund?

Gott kann nicht leiden und schon gar nicht sterben. Könnte er es, wäre er nicht Gott – so dachten und so denken Menschen immer wieder. Im christlichen Glauben offenbart der Liebes-Tod Jesu am Kreuz, dass der in Jesus menschgewordene Gott durch sein Leiden und Sterben an Göttlichkeit nichts einbüßt.

Für Christen gibt es daher keinen Grund, sich der Wunden, Krankheiten, Störungen, Ängste, Depressionen, ohnmächtiger Schwäche zu schämen, sie zu verstecken oder wegzusperren. Natürlich fürchten wir zu Recht Schmerz, Krankheit und Tod. Das zu leugnen wäre unmenschlich. Jesus hat Tote auferweckt und schwerste Krankheiten geheilt. Und das mit „göttlicher Vollmacht".

Damit macht er deutlich, dass Krankheit und Tod nicht einfach gottergeben zu ertragen sind. Christlicher Glaube schätzt die ärztliche Kunst und rät, sie zu nutzen und sich dankbar zu freuen, wenn immer sie hilft. Christen erkennen aber auch unübersteigbare Grenzen. Wissen, Leid und Tod gehören unausweichlich zum Leben. Beim Besuch einer totkranken jungen Frau sagte mir der behandelnde Arzt: Wir sind mit unserer ärztlichen Kunst am Ende, aber es gibt ja noch „Den da Oben.“

Das heutige Evangelium, alle Heilungen Jesu, sein Leiden und Sterben zeigen: „Der da Oben“, ist ganz unten: Da, wo gelebt, geliebt, geboren, gelitten und gestorben wird. Der Tod nimmt nicht das Leben. Der Tod nimmt das, was an menschlichem Leben krank, leidvoll und sterblich ist. Wenn wir sterben, hören wir nicht auf zu leben; wir hören auf, sterblich zu sein.

Hauptsache gesund?  Diese Frage erledigt sich irgendwann von selbst. Hauptsache von Gott geliebt, geliebt von Anfang an, geliebt in Ewigkeit. Diese Botschaft gilt immer: in der Zeit  einer alle bedrohender Pandemie und in der Todesstunde eines jeden und jeder.

Gott – sei Dank!

Impuls von Pater Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum 3. Sonntag im Jahreskreis

24. Januar 2021

Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
(Markus 1, 14–20)

An diesen ersten Sonntagen im (liturgischen) Jahr haben wir begonnen das Markus Evangelium zu lesen. Jeden Sonntag werden wir in der Liturgie einen kleinen Abschnitt hören oder lesen. Markus ist das älteste Evangelium und auch das kürzeste. Er fasst prägnant zusammen: Jesus ist die Frohe Botschaft, die Gott für die Menschen hat. Jesus ist das Evangelium. Er lebt es, er verwirklicht mit seinem Handeln, seinem Reden, seinem ganzen Sein das, was das Reich Gottes ausmacht. Paulus fasst es zusammen: das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. (Römer 14, 17). Da wo wir auch nur Spuren von Gerechtigkeit, von Frieden und Freude entdecken im Alltag, im ganz normalen Leben, da ist das schon am Werk, was Jesus das Reich Gottes nennt. Und das ist möglich überall da, wo es Menschen gibt, die versuchen das wenige, das sie vielleicht von der Person und vom Evangelium Jesu verstanden haben in ihrem Leben umzusetzen und anzuwenden. Und das kann unter Christ:innen so sein, aber auch unter Menschen, die nicht zur Kirche gehören, vielleicht noch nie etwas von Jesus gehört haben. Das Reich Gottes ist wie der Geist Gottes: er weht wo er will. Seien wir aufmerksam, um seine Spuren zu entdecken! Freuen wir uns, wenn wir ihm begegnen!

Impuls von Pater Martin Königstein SSCC

Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis

17. Januar 2021

„Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte,
und blieben jenen Tag bei ihm.“ (Joh 1,39)

Soll nicht alles so bleiben, wie es ist; oder war; oder vielleicht auch noch nie war? Sich zu verändern und Zustände zu verändern, muss nicht immer gut sein. Ebenso ist es nicht immer gut, alles so lassen zu wollen, wie es ist. Wir Menschen tun uns mit manchen Veränderungen leicht: nach Krankheit wieder gesund zu werden, eine Erhöhung des Gehalts oder der Rente zu empfangen, das alte Auto gegen ein neues einzutauschen, neue Kleidung zu tragen … Mit anderen Veränderungen tun wir uns schwer: das Nachlassen der Kräfte zu spüren, mehr zu arbeiten und weniger freie Zeit zu haben, weniger Menschen in der Kirche zu erleben …

Das Evangelium des heutigen Sonntags erinnert uns daran: Es kommt nicht darauf an, dass alles so bleibt, wie es war oder ist. Stattdessen kommt es darauf an, bei Jesus Christus zu bleiben und mit ihm in Beziehung zu leben. Wer wie die Jünger bei IHM bleibt, bei dem verändert sich etwas. Jesus Christus verändert Einstellungen und Haltungen. Er verändert den Blick auf die Wirklichkeit. Der Geringste gewinnt an Größe, der Ärmste verdient Aufmerksamkeit, das Kind wird in die Mitte gestellt und gesegnet, der Letzte wird der Erste …

Wir leiden darunter, dass sich in unserem persönlichen Leben oder im Leben der Kirche oder der Zivilgesellschaft etwas ändert. Wenn wir aber bei Jesus Christus bleiben, dann bleibt nicht alles, wie es war oder ist. Dann muss sich lebenslang etwas ändern, bis wir wie Samuel entdecken, dass uns der Herr ruft, um daran mitzuwirken, das Angesicht der Erde aus dem Geist Jesu zu erneuern.

Impuls und Foto von Pater Manfred Kollig SSCC

Impuls zum Sonntag nach dem 6. Januar

Taufe des Herrn – 10.1.2021

Mk 1,7–11 

Wasser reinigt und erfrischt uns. Wer gerne schwimmt, weiß: Der Mensch, der aus dem Wasser steigt, ist nicht derselbe wie der, der hineingestiegen ist.  

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             „Taufen kommt von „tief“, tief eintauchen (ins Wasser), in die Tiefe gehen. Das ist der Weg Jesu. Die Taufe verbindet uns mit ihm. Sein Weg ist mit allen Konsequenzen in unsere Lebensgeschichte eingezeichnet, mit Tod, Grab und Auferstehung. Taufe heißt: in die Tiefe gehen. Wo das Wasser flach ist, ist es warm. Wo es tief ist, ist es kalt. Wer sich freischwimmen will, muss den Sprung ins tiefe Wasser wagen. Taufe heißt: mit Jesus in die Tiefe gehen. Doch nicht, um sich darin zu verlieren und sich vom Sog in den Abgrund reißen zu lassen. Nein, wir sind „aus der Taufe gehoben“. Da geht die Bewegung nach oben. Das ist, wie wenn man wieder auftaucht, den Kopf über Wasser bekommt. Eine Auferstehung! Da sind wir wie neu geboren, ein anderer Mensch.“ (Franz Kamphaus)

Einen gesegneten Sonntag
Elfriede Kuhmann

 

 

Impuls zum 2. Sonntag nach Weihnachten

3. Januar 2021

Allen, die IHN aufnahmen,

               gab Er Macht, Kinder Gottes zu werden

Auch an Weihnachten verloren 20 Menschen ihr Leben vor der Küste Tunesiens bei einem Bootsunglück.

Nach Angaben tunesischer Behörden waren darunter 19 Frauen,  4 davon schwanger. Nach 13 Vermissten wird weiterhin gesucht. 

                  Sea-Watch – Seenotrettung an Europas Grenzen 26.12.20


Wer überlebet, lebt als Kind in Gefahr von Ratten

angefressen zu werden im neuen Lage in Griechenland …

                               auch Tat-sachen-bericht                                   

Wer nicht aufnimmt – wie Europa –, was sind die???

Was ist Europa???

Flüchtlingsgruppen aus dem neuen Lager Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos haben sich in einem Weihnachtsbrief, an die Bürger:innen Europas und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gewandt.

„Oft lesen und hören wir, dass wir in diesen Lagern wie Tiere leben müssen, aber wir denken, dass das nicht stimmt. Wir haben die Gesetze zum Schutz der Tiere in Europa studiert und herausgefunden, dass sogar sie mehr Rechte haben als wir. Wir haben beschlossen, Sie zu bitten, uns die Rechte zu gewähren, die Tiere haben. Nach einem schrecklichen Jahr ist dies unser Wunsch für Weihnachten“, heißt es im Brief.

Die Menschen in Kara Tepe haben jedes Recht, verbittert und voller Wut zu sein auf dieses Europa. Doch sie fordern nur wenig: Etwas Würde und die Möglichkeit, ihr Leben erträglicher gestalten zu können.  

Impuls von Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum Fest der heiligen Familie

27.12. 2020

In diesem Jahr häufen sich die Festtage. Atemlos kämpft man sich durch den Heiligen Abend, den ersten und zweiten Feiertag und gelangt ohne Atempause zum Sonntag, dem 27. Dezember. Es ist das Fest der heiligen Familie. Das ist dann schon fast eine Pflichtübung. Eingeklemmt zwischen Weihnachtsromantik, Neujahrsfeuerwerk und den Sternsingern muss dieses Fest um Aufmerksamkeit kämpfen.

Aber das Fest verdient mehr Aufmerksamkeit als üblich. Unser Wahrnehmung ist geprägt vom Kind in der Krippe. Das ist sehr einseitig und erschöpft sich manchmal  in der Vorstellung vom „holden Knaben im lockigen Haar“.  Die heilige Schrift weiß, dass dieses Kind mit seinen Eltern auf die Flucht gejagt wurde, sie weiß zu berichten, dass die Familie sich in Nazareth niederließ, wo in den Augen der Evangelisten anscheinend nichts Berichtenswertes geschah. Aber irgendwie ist dieses Kind auch normal. Es büxt in Jerusalem aus, und die besorgten Eltern müssen es suchen, und als sie ihn gefunden hatten, machten sie ihm deswegen auch Vorhaltungen. All das ist sehr alltäglich.

Das Fest der heiligen Familie schreibt das Geheimnis der Weihnacht weiter. Gott nimmt im Kinde menschliche Gestalt an und teilt die natürlichen Lebensbedingungen dieses Kindes. Es wächst in einer Familie auf. Sie beschützt ihn in Gefahr, sichert den kargen Lebensunterhalt, und sie ist um ihn. Seine Mutter und seine Verwandten werden in den Evangelien mehrmals genannt. Sie verstehen nicht immer, was dieser Jesus will.

Das Fest der Heiligen Familie ist eine Einladung, das Geheimnis der Menschwerdung Gottes tiefer zu meditieren. Gott wird Mensch und bedient sich unserer sozialen Strukturen, um sein Reich aufzubauen. Der Familie fällt dabei eine Rolle zu, die wir gar nicht hoch genug einschätzen können. Es tut uns sicher gut, darüber nachzudenken, denn keine Institution ist in unserer Zeit so vielen Diskussionen und Veränderungen ausgesetzt, wie die Familie.

Impuls und Foto: Heinz Josef Catrein SSCC

 

Impuls zum 4. Adventsonntag

20.12. 2020 – Lukas 1,26–38

 Ein starkes Stück: Empfangen vom Heiligen Geist …

Ich erinnere mich gut: Wenn sich in unserer Familie „Nachwuchs“ ankündigte, dann wurde das kommuniziert mit: „N.N. erwartet ein Kind, sie ist guter Hoffnung!“ Ein Kind kann man nicht „machen“ wie man ein Produkt fertigt. Man kann es nur empfangen. Wie die Liebe. Wir können sie nicht machen, wir können sie nur empfangen. Maria, mit Josef verlobt, wird angekündigt, ein Kind zu empfangen und zwar vom Heiligen Geist.

Wie ist das möglich? Im Kern dieser Frage geht es nicht zuallerst um Maria und Josef, es geht um Jesus, ihren Sohn. Menschen, die mit ihm zusammengelebt haben, sind in ihm Gott begegnet. Sie haben es erlebt, gespürt: dieses Kind ist Gottes Sohn – anders als alle anderen Menschen Kinder Gottes sind.

Gottes Sohn: Dazu hat ihn Maria nicht gemacht. Dazu hat ihn Josef nicht gemacht. Das, was Jesus zu Gottes Sohn macht, ist einzig und allein Gottes Wirken. Gott hat im Heiligen Geist einen unerhört neuen Anfang gesetzt, der keinen menschlichen Vaterschaftsanspruch duldet. Christen glauben, dass in Jesus der Erlöser gekommen ist, der alle heil-lose Zeit – auch die unsere – in zeitloses Heil verwandelt und so Himmel ermöglicht, allen Zukunft schenkt. Das kann kein Mensch.

Empfangen vom Heiligen Geist: Gottes Sohn kommt nicht aus menschlichen „Werkstätten“, nicht aus den Laboratorien der Biomedizin. Gottes Sohn kann nicht gezüchtet werden. Er kommt von außen in die Zusammenhänge unserer Welt, unableitbar, unbe-greif-bar. Ist einzig Gottes Geschenk an uns. Wie das geschieht? Da hört das Wissen auf.  Ein starkes Stück. Ein starkes Stück Glauben …

Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum 3. Adventsonntag

13. Dezember 2020

Johannes sagte: Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn! (Johannes 1, 6–8.19–28)

Johannes lebte in der Wüste. Von dort aus redet er.
Die Wüste ist der Ort, der vor dem „gelobten Land“ liegt,
und um den man nicht herumkommt; durch sie muss man hindurch;
die Wüste ist eine Situation von Übermacht einerseits
und andererseits ein Ort der Herausforderung.
Es geht nicht nur darum, zu überleben, sondern vor allem darum, wieder zu leben;
die Wüste ist ein Ort der Läuterung und damit auch ein Ort der Erneuerung.
Israel musste durch die Wüste, wenn es in das Land kommen wollte, wo Milch und Honig fließt.
Von diesem Ort, vor dem „gelobten Land“ aus, ruft der Täufer.

Johannes der Täufer im Jahr 2020. Die Wüste ist „Corona“, da kommen wir nicht herum, da müssen wir durch.

  • Wie gestalte ich das Leben mit „Corona“?
  • Was verlangt „Corona“ mir ab?
  • Wovon verabschiede ich mich?
  • Was entdecke oder verstehe ich neu?

Impuls von Martin Königstein SSCC

Impuls zum 2. Adventsonntag

6. Dezember 2020

„Bereitet dem Herrn den Weg!“

Der Prophet Jesaja und der Evangelist Markus geben es uns an diesem 2. Adventsonntag schriftlich: Wir sollen dem HERRN den Weg bereiten. Kann er das denn nicht selbst? Schließlich ging er übers Wasser und kam durch verschlossene Türen. Selbst Steine vor der Graböffnung konnten ihn nicht aufhalten.


Es geht nicht um die Arbeit mit Spaten oder schwerem Gerät. Johannes befindet sich in der Wüste und fordert auf, dem Herrn den Weg zu bereiten. Da, wo kein Mensch leben will. Wo das Überleben zu schwer ist. Wo Hitze und Trockenheit quälen und der Sand zwischen den Zähnen knirscht. Dort ist der Ruf zu hören.


Weil Gott zu den Ausgetrockneten und Ermüdeten, zu denen im Elend kommen will. Er kommt nicht mit Zwang, sondern will unsere freiwillige Bereitschaftserklärung. Indem wir bereit sind, den Herrn zu empfangen, bereiten wir den Weg. Wer sagt „Komm Herr Jesus“, bereitet ihm den Weg.


Der Arbeiter auf dem Bild hat einen Tropfen an der Nase. Er ist ganz bei der Sache. Nicht einmal Zeit zum Naseputzen. Wer dem Herrn vertraut; wer ich ganz darauf verlässt, dass er kommt, unabhängig von Zuständen und Umständen: Der stellt alle Sinne auf Empfang und setzt alles daran, nicht den Augenblick zu versäumen, in dem ER kommt. Der Mensch bereitet dem Herrn den Weg, indem er selbst bereit ist für seine Ankunft. Und er kommt, auch in der Gestalt der Menschen, die uns heute begegnen oder heute bei uns anklopfen …

Text und Foto: P. Manfred Kollig SSCC

 

Impuls zum 1. Advent

29. November 2020

Evangelium nach Markus 13,33–37

Seid wachsam! Adventszeit ist Besinnungszeit. Wir gehen in ein neues Kirchenjahr. Üblich ist es, sich bei Kerzenschein Zeit zu nehmen, nachzudenken, um sich vorzubereiten auf Weihnachten, auf das Fest der Geburt Jesu.

Ich aber sage euch, das sage ich allen: Seid wachsam! In diesem Jahr ist alles anders, so auch unser Advent mit der Aufforderung zur Wachsamkeit. Die Corona-Pandemie hat uns in diesem Jahr fest im Griff. Die kirchlichen Feste einschließlich ihrer Vorbereitungszeiten konnten wir nicht wie gewohnt begehen und feiern. Jetzt auch noch die Advents- und Weihnachtszeit. So schließt sich das Kirchen-Pandemie-Jahr, obwohl Advent doch der Anfang eines neuen Jahres ist. Richten wir unseren Blick nach vorne auf Jesus, auf dessen Geburt wir uns jetzt in besonderer unterschiedlicher Weise vorbereiten trotz oder vielleicht auch wegen Covid19. So können wir wunderbar für uns alleine, auch zu zweit oder in unseren Lebensgemeinschaften das Leben Jesu betrachten. Stärken wir unsere Zuversicht, denn Gott nimmt seine Zuwendung zu uns Menschen nicht zurück, auch nicht in dieser Zeit.

Seid also wachsam!

Ich wünsche allen eine wachsame Adventszeit

Elfriede Kuhmann

Impuls zum 34. Sonntag im Jahreskreis – Christkönig

22. November 2020

Er trägt nicht eine Krone (Corona)

Er erträgt Corona

Er trägt mit uns an Corona

Er lebt selbst die Werke der Barmherzigkeit

Hungrige wegen Corona-Ausgangssperre und damit Arbeitsverbot und damit kein „Broterwerb“....

Er bleibt Brot vom Himmel, Brot des ewigen Lebens!  Er ermutigt Brot allein mit ihm zu teilen z.B. bei Fernsehmesse und so zu spüren, »Er ist da …«!  Und Er speist sie durch unser Teilen … auch durch Gaben vor der Tür !??

Durstige nach Nähe in Corona-Distanzverordnung

Er gibt ihnen zu trinken von seiner Nähe, die keine Macht den Kindern Gottes nehmen kann... Er ist ihnen nahe im Sprechen mit Ihm, im Klagen vor Ihm, im Lesen Seiner Worte  …   und durch unsere Kontakt-Ideen ...

Fremde finden keine Herberge nicht wegen Corona, sondern wegen Abschottung vor ihnen …Er nimmt sie auf, Er wertschätzt sie und uns, Er weicht nicht von unserer Seite  … Kein Weihnachten in Moria, sondern bei uns ... Nicht ertrinken, sichere Häfen in unseren Städten und Dörfern (www.seebruecke.orgwww.kein-weihnachten-in-moria.de/)

Nackte, Bloßgestellte, … alles weg-genommen, was überleben lässt 

Er versteht sie, weil selbst bloßgestellt … Er umgibt mit Güte und Barmherzigkeit

Er nimmt nicht das letzte Hemd … Er lebt nicht auf Kosten anderer … Wir auch nicht

Wir verpflichten zu einer Lieferkette der Gerechtigkeit (www.lieferkettengesetz.de)

Kranke durch Corona isoliert und ansteckend wie damals Aussätzige

Er übergeht sie nicht, er geht in ihre Nähe … Er schenkt Beachtung und Sicherheit, nicht allein gelassen; das können wir zeigen und tun mit Schutzkleidung und Liebe ...

Gefangene zu Unrecht … Gefangene in Angst … Gefangen in Schuld… Gefangene in Egoismus …

Er ist zu uns gekommen … Er kommt auch heute zu uns allen in unserer Befangenheit, Engherzigkeit, Dunkelheit. KeineR soll ver-enden, zugrunde gehen!

Aufrichten, versöhnen mit sich und anderen und mit Gott, das will Er mit Herz und Hand.

Denn Er trägt keine Krone aber hat Herz und packt an mit beiden Händen; spürbar heute, wenn wir mit Herz anpacken als seine Getreuen ...

Impuls von Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum 33. Sonntag im Jahreskreis

15. November 2020

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der auf Reisen ging.
Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an“.

Mt.  25,14

Spielend reich werden

Jede Woche füllen Millionen von Menschen ihren Lottoschein aus und warten dann auf das große Glück. Sind die Lottozahlen dann veröffentlicht, wird das meist mit einem „Pech gehabt“ kommentiert.  Aber genauso schnell setzen sie auch ihre  Hoffnung auf die nächste Woche. Der nächste Lottoschein liegt schon bereit, obwohl die Chancen auf einen Hauptgewinn statistisch gesehen,  1 : 130 Millionen stehen.  Es wundert schon, dass Menschen trotzdem ihr Glück versuchen,  und das zeigt wie mächtig unsere Träume sind, spielend reich zu werden!

Im heutigen Evangelium  geht es auch ums Reich-werden. Aber er es wird absolut nicht der Eindruck erweckt, wir könnten dies spielend leicht erreichen. Reich werden die, die mit dem Vermögen ihres Herrn arbeiten, derjenige der sich nicht rührt, verliert auch das wenige, das er noch hat.

Spielend reich werden klappt nicht. Aber der Herr, den wir haben, gibt uns eine Chance, die weitaus besser ist, als 1: 130 Millionen. Hier gibt es eine Gewinngarantie, wenn wir uns auf ihn einlassen. Zu beachten ist auch, dass die Heilige Schrift, wenn sie  vom Reichtum spricht, klar sagt,  dass Geld allein nicht glücklich macht.

Der Herr gibt uns ein Startkapital. Wir haben eine gute Chance und diese Chance sollten wir nicht verspielen.

Impuls von Pater Heinz Josef Catrein SSCC

Impuls zum 32. Sonntag im Jahreskreis

Matthäus 25,1–13

Dumm gelaufen

Ja, dumm gelaufen für die fünf törichten – oder sagen wir es etwas vornehmer – „weniger klugen" Frauen. Zu einem großen Hochzeitsfest eingeladen, die Ankunft des Bräutigams verschlafen, zu wenig Öl für ihr Lampen, schnell noch nachgekauft, mit brennenden Lampen zurückgehetzt, den Anschluss verpasst, die Tür ist zu, die Plätze vergeben.
Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – so einfach ist das. Ist es das wirklich?

Was haben die weniger klugen Frauen denn so furchtbar falsch gemacht?  Dass sie bei der Ankunft des Bräutigams nicht anwesend sind. Das ist ihr Fehler. Aber hätten ihre erloschenen Lampen tatsächlich eine solche Katastrophe bedeutet? Es wäre etwas peinlich geworden. Mehr auch nicht! Vielleicht wäre es der fröhlichen Hochzeitsgesellschaft um den Bräutigam herum nicht einmal aufgefallen.

Das Gleichnis von den zehn jungen Frauen vermittelt uns die tröstliche Botschaft:

Es ist möglich, Fehler zu machen. Wir sind Menschen und keine Roboter. Nur ein einziger Fehler ist zu vermeiden, nämlich der, nicht zu seinen Fehlern zu stehen. Sie nicht wahrhaben zu wollen. Dieser Fehler wirkt sich für die weniger klugen Frauen verheerend aus.  Man kann einen Fehler nicht mit einem anderen Fehler wieder gut machen.

Die Botschaft Jesu ist eindeutig: Öl hin – Öl her: Die Zuneigung Gottes gehört nicht nur den Perfekten, die es so wieso nicht gibt. Sie gehört auch denen, die eingestehen: Ich habe Fehler und ich mache Fehler. „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund.“

Ob töricht oder klug, auf diese Haltung kommt es an. Bei uns Menschen vielleicht nicht, wohl aber bei unserem Gott. Seine Zuneigung und Liebe haben wir alle nötig, bitter nötig. Eine Liebe, die nicht fertig macht, sondern jedem und jeder die Zeit lässt, die sie brauchen, um fertig zu werden. Und diese Zeit ist eben nicht für alle gleich. Was haben wir doch für einen wunderbaren Gott. Würden wir ihn doch mehr zur Geltung kommen lassen – bei uns selbst und unseren Mitmenschen auch!

Impuls von Hans-Ulrich Willms SSCC

Impuls zum Hochfest Allerheiligen

Sonntag, 1. November 2020

Amen, Lob und Dank unserem Gott in alle Ewigkeit.“

In der 1. Lesung an Allerheiligen aus der Offenbarung des Johannes heißt es: „Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen.“ Erwarten wir an Allerheiligen nicht etwas anderes? Berichte über die großen Taten katholischer Persönlichkeiten? Denken wir nicht an unsere Namenspatrone und an unsere Lieblingsheilige?

Was ist denn diesen heiligen Frauen und Männern gemeinsam? Nicht alle haben große Taten vollbracht; nicht alle haben in der Einsamkeit gelebt; nicht alle sind Nonne oder Papst geworden… Was sie verbindet? Sie waren nicht heil, sondern hatten ihre „blinden Flecken“, hatten ihre Stärken und Schwächen. Und sie alle sind nur heilig geworden, weil Gott es ist, der heiligt. Sie kamen – wie wir selbst – in ihrem Leben an Punkte, an denen sie am Ende waren: einige mit ihren Ideen, andere mit ihrer Weisheit, andere mit ihrem Glauben, sie alle irgendwann mit ihrer Kraft. Was wir am Hochfest aller Heiligen feiern: Wo wir enden, vollendet Gott. Dieser Gedanke begleite uns auch, wenn wir in diesen Tagen aller unserer Toten gedenken, denen wir dankbar verbunden sind. Am Ende ihres Lebens geschehe die Vollendung ihres Lebens.

Foto und Text: P. Manfred Kollig SSCC

Impuls zum 30. Sonntag im Jahreskreis

25. Oktober 2020

Aus dem Sonntagsevangelium:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22, 34–40)

Die Liebe Gottes betrachten, leben und verkünden, so können wir, von der Ordensgemeinschaft von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens, den Weg, den uns unsere Stifter gezeigt haben, zusammenfassen. Das ist alles andere als romantisch oder harmonisch. Könnte es nicht sein, dass Liebe vor allem Hunger nach Liebe ist? Dieser Hunger, diese Sehnsucht nach Liebe lässt uns den betrachten, uns nach dem ausstrecken, der nur Liebe ist.

„Vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht.“ schreibt Gertrud von Helfta. Der Durst zeigt uns den Weg zur Quelle. Je mehr ein Herz nach Liebe dürstet, desto mehr Grund hat es, sich auf den Weg zur Quelle zu machen und desto sicherer führt der Durst es zur Quelle.

„Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Johanes 15, 13). Der Weg in der Nachfolge Jesu besteht darin, dass wir immer wieder versuchen das, was wir in Jesus gefunden haben, im eigenen Leben neu lebendig werden zu lassen, auch wenn es uns nicht immer so gut gelingt wie wir es gerne hätten. „Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“. (Johannes 13, 35).

Wie gut tut es unserer Welt, dass es Menschen gibt die lieben!

 

Evangelium: 1 Thess 1,1–5b (29.SoiJ)

So schreibt Paulus uns:
Liebe Schwestern und Brüder,
der Friede sei mit euch!
Vielen herzlichen Dank für eure immer neuen kreativen und unkonventionellen Ideen in und für eure Gemeinden jetzt während der Corona-Pandemie. Ich bin begeistert und bete für euch, damit ihr gesund bleibt, und dass ihr noch viele neue Ideen entwickelt, um eure Verbundenheit untereinander zu praktizieren und zu stärken. Lasst euch nicht beirren. Geht diesen Weg weiter. Meine Unterstützung habt ihr. Ich wünsche euch, dass Gottes Segen euch begleite und stärke.

Im Gebet mit euch allen verbunden grüßt euch
euer Paulus

Der Apostel Paulus bleibt mit der Gemeinde in Thessalónich, die er gegründet hat, in Verbindung und schreibt ihr, dass er sehr dankbar ist für sie. Er denkt im Gebet an sie und trägt ihren Glauben, ihre Mühen, die Liebe Christi zu leben und ihre Hoffnung auf die Wiederkunft Christi immer wieder vor Gott. Dieser Brief mit solchen Dankes- und Lobes-worten hat die Gemeinde ermutigt, gestärkt und motiviert, ihren Weg weiterzugehen. Auch wir heute brauchen Ermutigung und Stärkung in unseren Gemeinden.

Danke Paulus. Wichtig erscheint mir, wo die Botschaft Jesu gelebt werden will, muss der Christ sich kritisch auseinandersetzen und verantwortlich mitarbeiten.

Im Gebet verbunden
Elfriede Kuhmann

Impuls zum 28. Sonntag im Jahreskreis

11. Oktober 2020

Matthäusevangelium 22.1–14 und Lesung aus Jesaja 25.6–10a

An jenem Tag wird der Herr der Heerscharen auf diesem Bereg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, … (Jesaja 25,6ff)

Doch die eingeladenen Gäste wollten nicht kommen ... Und der Herr sagte zu seinen Dienern: Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein. Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen. Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen ... (Mattäus 22,1–10)

Das „Hochzeitsgewand“ des Mahles Gottes ist das dienstbereite Herz und die Schürze, um allen die Füße zu waschen, damit sie erfrischt und gestärkt teilnehmen an der Gemeinschaft aller und dafür Sorge tragen in der Kraft dieses Mahles, dass die Gemeinschaft aller gestärkt wird ...
Und wie wichtig ist doch solche Gemeinschaft in Coronazeit und Moria-Lager-Zeiten ...

Impuls von Wolfgang Jungheim SSCC

 

4.Oktober - Erntedanksonntag

Ein Ausschnitt aus dem Sonntagsevangelium (Mattäusevangelium 21,33–44)

Es war ein Gutsbesitzer,
der legte einen Weinberg an,
zog ringsherum einen Zaun,
hob eine Kelter aus
und baute einen Turm
Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer
   und reiste in ein anderes Land.
Als nun die Erntezeit kam,
   schickte er seine Knechte zu den Winzern,
   um seine Früchte holen zu lassen.
Die Winzer aber packten seine Knechte;
den einen prügelten sie,
den andern brachten sie um,
wieder einen anderen steinigten sie.

Mir fiel dazu folgendes ein:

Es war ein guter Vater, der eine wunderbare  Erde schuf. Es wuchs Gras und Getreide, es gab Meere voller Fisch und grüne Wälder mit vielerlei Tieren. Die Menschen fanden alles um Straßen, Dörfer und Städte zu bauen.
Gott sagte; teilt dies miteinander.
Teilen war aber nicht nach aller Geschmack. Die einen aßen gerne Fleisch und schickten ihre Rinder auf die Felder des Nachbarn. Die anderen liebten Fisch und machten die Meere leer. Alle wollten Auto fahren, Feste feiern und im Internet surfen, … und um die nötige Energie zu erzeugen, wärmten sie die Erde auf.
Die Menschen taten nicht, was der Herr wollte, nach Teilen war ihnen nicht zu Mute, und die Schöpfung taumelt einer Katastrophe entgegen.

Heinz Josef Catrein SSCC

Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr A (Mt 21,28-32)

Auf das Ergebnis kommt es an.

Da sind im Evangelium die zwei ungleichen Söhne. Auf die Bitte des Vaters, in den Weinberg zu gehen, sagt der eine sofort: „ Ja, ich gehe.“ Geht aber nicht. Der andere sagt klipp und klar: „Ich will nicht“. Bei diesem Sohn sind meine Gedanken hängen geblieben. Er macht eine klare Ansage, die eine Absage ist. Aber dann ändert er seine Meinung und geht doch. Gedankensprung ins Heute zum „Weinberg des Vaters“ mit Blick auf den „Synodalen Weg“. Da fallen mir Bischöfe und Kardinäle ein, die öffentlich äußern, dass sie den synodalen Weg so nicht wollen und auf keinen Fall mitgehen; dass es ein Unding sei, mit dessen Themen und Fragestellungen die Tradition der Kirche aushebeln zu wollen. Es gibt die Tradition, die Lehre der Kirche und diese haben Gültigkeit über die Zeiten hinweg. Veränderungen an der priesterlichen Existenz, dem Zugang zu Ämtern und Weihen, bei der Mitsprache in der Gestaltung von Liturgie und Gottesdienst, Abstriche an der katholischen Morallehre in Sachen Sexualität...sind nicht möglich. Punkt!

Das klingt hart und sehr weit weg von den Menschen und irgendwo hört es sich auch nicht nach Jesus von Nazareth an. Aber noch ist nichts verloren. Da war schließlich noch jener Sohn, der zu seinem Vater gesagt hat, "Ich will nicht!" , am Ende aber dann doch den Willen des Vaters befolgt.

Das lässt zumindest hoffen. Es lässt hoffen, dass auch im „synodalen Prozess“ manch felsenfest vertretene Position, dann letztlich doch nicht so durchgehalten werden wird. Dass es ein Einlenken gibt, man sich um Gottes willen für die Menschlichkeit , das Leben und die Barmherzigkeit entscheidet.

Und da lesen Sie richtig : Um Gottes willen! Denn davon bin ich überzeugt: letztlich ist genau das der Wille Gottes. Vom Willen Gottes entfernt man sich tatsächlich nie wirklich weit, wenn man etwas ehrlichen Herzens um der Menschen willen tut. Um Gottes Willen, der Menschen wegen… Tradition, Prinzipien sind wichtig und auch notwendig, manchmal aber genügt ein wenig Barmherzigkeit, um über den eigenen Schatten zu springen.

Hans-Ulrich Willms SSCC

25. Sonntag im Jahreskreis

20. September 2020

Matthäusevangelium 20,1-16a

Ich seh' ein Land mit neuen Bäumen.
Ich seh' ein Haus aus grünem Strauch.

Und einen Fluss mit flinken Fischen.
Und einen Himmel aus Hortensien seh' ich auch.

Ich seh' ein Licht von Unschuld weiß.
Und einen Berg, der unberührt.

Im Tal des Friedens geht ein Schäfer,
der alle Tiere in die Freiheit führt.

Ich hör' ein Herz, das tapfer schlägt
in einem Menschen, den es noch nicht gibt,

doch dessen Ankunft mich schon jetzt bewegt,
weil er erscheint und seine Feinde liebt.

Das ist die Zeit, die ich nicht mehr erlebe.
Das ist die Welt, die nicht von uns'rer Welt.

Sie ist aus feinst gesponnenem Gewebe,
und Freunde glaubt und seht: Sie hält.

Das ist das Land, nach dem ich mich so sehne,
das mir durch Kopf und Körper schwimmt,

mein Sterbenswort und meines Lebens Wehe;
dass jeder jeden in die Arme nimmt.

(Hanns Dieter Hüsch: Sehnsucht – Ich seh ein Land mit neuen Bäumen)

 

»Das ist das Land, nach dem ich mich sehne,
wo jeder jeden in die Arme nimmt.«
Der Dichter nennt es nicht Himmel, nicht Reich Gottes,
das Jesus einladend verkündet.

Das ist für jeden da, auch für den, der spät, sehr spät kommt.
Dennoch erhält er den Denar. Er erhält, was er braucht,weil der Gutsherr gütig ist und gibt.
Die Letzten - und hoffentlich nicht nur sie, denn alle haben bekommen -
werden glücklich sein und den Tag als Geschenk des Himmels sehen.

Impuls von Pater Wolfgang Nick SSCC

 

Impuls zum 24. Sonntag im Jahreskreis

Hättest nicht auch du
Erbarmen haben müssen…? (Matthäus 18,33)

Wie oft MÜSSEN wir vergeben? Wenn wir das Thema Barmherzigkeit ausgehend von dieser Frage behandeln, dann wird es schwierig. Denn es ist und bleibt für uns Menschen schwer, etwas tun zu MÜSSEN. In dem Gleichnis, das an diesem Sonntag verkündet wird, verfolgt Jesus einen anderen Ansatz. Der Mensch, der selbst erfahren hat und erfährt, wie gut ihm Vergebung tut, kann und soll vergeben.

Am Anfang steht nicht das Muss. Der Beginn der Barmherzigkeitsgeschichte ist zweierlei: Zum einen die Erfahrung, dass ich selbst die Vergebung und den Erlass der Schulden benötige. Das heißt, das Eingeständnis, dass ich ohne Barmherzigkeit nicht leben kann. Zum anderen die Erfahrung, dass mir tatsächlich vergeben wird.

Der „Blick in die Höhe“ hilft. Der Einfall des Lichtes durchbricht die Undurchsichtigkeit der Mauern. Dieser Lichtblick, wenn ich versagt habe und schuldig geworden bin, lässt mich den Auftrag annehmen, auch mit anderen barmherzig umzugehen, zu vergeben und Schuld zu erlassen.

Foto und Text: Pater Manfred Kollig SSCC

23. Sonntag im Jahreskreis – 6 September 2020

Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Matthäus 18, 15–20

Wo zwei oder drei im Namen Jesu zusammen sind und ihr Leben, ihre Beziehung, ihre Art mit einander und mit anderen umzugehen an Jesus ausrichten, da ist das Reich Gottes schon Wirklichkeit. Da ist Gerechtigkeit, Friede und Freude möglich.
Mit Jesus in unserer Mitte können wir immer und überall immer wieder sehen wie das Reich Gottes unter wächst und sich entfaltet. Das wird nicht laut und auffällig sein, das wird niemandem Angst machen. Aber es könnte sein, dass es ansteckend ist und auch andere begeistert.

Jeden Tag neu entdecken wo die Gerechtigkeit, der Friede und die Freude wachsen und sich daran aufrichten und erfreuen.

Martin Königstein SSCC

22. Sonntag im Jahreskreis – 30. August 2020

Kirche „Regina Martyrum“ in Berlin - Gedanken an einem Ort des Schreckens

Wer das Eingangsportal der Kirche „Maria Martyrum“ ansteuert, muss über einen weiten Platz. Es ist kein offener, freundlicher  Platz. An allen Seiten ist er von Mauern umgeben. Es ist kein wohnlicher Platz mit Bänken, Blumen oder Brunnen. Es ist eine düstere, kahle Fläche. Es ist ein Platz, der bewusst dem Appellplatz eines Konzentrationslagers nachempfunden ist.

An einer Mauerseite erkennt man Figuren. Sie stellen Menschen dar, denen so viel Gewalt angetan wurde, dass sie nichts Menschenähnliches mehr an sich haben. Dazwischen die Umrisse von Kreuzen. Maria Martyrum – ganz nahe bei der berüchtigten Hinrichtungsstätte Berlin Plötzensee – erinnert an die standhaften Menschen, die ihr Kreuz auf sich nahmen, weil sie der unmenschlichen Hitlerdiktatur Widerstand entgegensetzten. Maria Martyrum erinnert ebenso an alle die unschuldigen, denen ein Kreuz auferlegt wurde, weil sie den Mächtigen nicht passten.

Christus erinnert uns im heutigen Sonntagsevangelium daran, dass derjenige, der ihm nachfolgen will, sein Kreuz auf sich nehmen muss. Es ist eine Zumutung, die Petrus außer Fassung bringt. Er will es verhindern, die Zurechtweisung seitens Jesu ist wirklich hart.

Die Zurechtsetzung des Petrus fällt wohl deshalb so hart aus, weil wir Menschen uns vor dem Leid drücken. Wir wollen es nicht sehen und erst recht nicht am eigenen Leibe aushalten. Aber es ist eine Kernforderung des Evangeliums.

Das Kreuz aufnehmen, heißt kämpfen. Das Kreuz aufnehmen heißt aber auch in der Hoffnung zu leben, dass der Tod uns nicht vernichten kann. Wer in Berlin den „Appellplatz“ durchschritten hat und die Kirche betritt steht vor dem Bild des himmlischen Jerusalem.

Pater Heinz Josef Catrein SSCC

21. Sonntag im Jahreskreis – 23. August 2020

Matthäusevangelium 16,13-20

Für wen haltet ihr mich? Wer bin ich für dich?
Wo Fragen gestellt werden, sind Antworten erforderlich, ehrliche Antworten: Für wen haltet ihr mich? Wer bin ich für dich? – fragt Jesus vor 2000 Jahren seine Freunde. Wie ist, im 21. Jahrhundert, unsere Antwort darauf?

Vielleicht: Du bist der Retter in der Not – so wie die Feuerwehr, die schnellstens helfen muss, wenn`s brennt, mit der man sonst jedoch nicht viel zu schaffen hat?
Du bist der Gott, der Festlichkeiten schmückt, ob Weihnachten, Taufe, Trauung, Ostern, immer dann, wenn es etwas zu feiern gibt, Orgel, Weihrauch, festlicher Gesang, was fürs Herz?

Du bist der Gott meiner Kindertage. Doch seit ich erwachsen bin, geht es ganz gut auch ohne dich. Nicht, dass ich nicht mehr an dich glaube, aber der Glaube hat an Kraft verloren, an Emotion, an Leidenschaft, an Sicherheit: Kann sein, kann nicht sein, ich glaube, ich glaube nicht, vielleicht doch…Wer weiß, wofür`s gut ist?
Viele Antworten könnten aufgezählt werden. Ich möchte Ihnen meine, meine ganz persönliche Antwort nicht vorenthalten:

Jesus, du bist für mich ein lebendiges Beispiel für geglücktes Leben. Du hast vorgelebt, wie es sich zu leben lohnt. Vorgeliebt, wie es sich zu lieben lohnt. Vorgelitten, wie es sich zu leiden lohnt. Vorgestorben, wie es sich zu sterben lohnt. Du bist der, der nicht nur das liebt, was stark ist; du liebst auch das, was krank ist. Du liebst nicht nur, was schön ist, du liebst auch das, was hässlich ist. Du liebst nicht nur das, was aufgeht, du liebst auch das, was untergeht. Du liebst, was meine Liebe nicht heilen kann. Du rettest, was meine Liebe nicht retten kann. Du hältst, was meine Liebe nicht halten kann. Du erlöst alles, was ich nicht lösen kann. Du stehst am Anfang meines Weges. Du gehst meinen Weg mit, auch die Umwege, Einbahnstraßen, selbst die Irrwege. Und am Ende meines Weges bist du da und fängst mich auf – barmherziger, allmächtiger, zärtlicher, heilender, liebender Gott. Du bist der, dessen Liebe zählt, weil sie nicht zählt. Du liebst mich heim aus dieser Zeit in deine Ewigkeit!

Pater Hans-Ulrich Willms SSCC

20. Sonntag im Jahreskreis – 16. August 2020

Matthäusevangelium 15,21-28

Wenn wir den Text des Evangeliums nicht mit dem Gedanken lesen: „kenn ich“, dann können wir eigentlich nur staunen.
Jesus ist in das Gebiet von Tyrus und Sidon, ins Heidenland, ‚entwichen‘.
Dort wird er von einer Einheimischen, einer Ungläubigen, angesprochen. Woher kennt sie ihn?
Das Verhalten Jesu ist recht ungewöhnlich, harsch, ablehnend, ja beleidigend.
„Hündin“, nennt er sie. Das war das Schimpfwort der Juden für die Heiden.
Das beeindruckt die Frau nicht. Sie bleibt hartnäckig mit ihrer Bitte: „Mach meine Tochter gesund.“
Auch der nicht gerade freundliche Rat der Jünger an Jesus: „schick sie weg“, entmutigt die Frau nicht.
Das aufdringliche Bitten und Flehen der Frau, ihr fester Glaube – ‚der Jesus, der kann das!‘ – lässt Jesus erkennen, ja lernen, dass er nicht nur zum Hause Israel gesandt ist, sondern dass das Heil des Vaters, des Gottes, allen gilt.
Erstaunlich – wir erleben Jesus als Lernenden. Seine Sendung ist nicht eng begrenzt, sie gilt allen Menschen. Wir erleben: keinen perfekten Meister und Herrn, sondern einen Menschen, der lernt, der sich auf andere – ‚sogar eine Frau‘ - einlassen muss und das auch tut.
„Er ist uns in allem gleich geworden“, wird Paulus später sagen.
Am Ende lobt Jesus die Frau für ihren großen Glauben.

Pater Wolfgang Nick SSCC

19. Sonntag im Jahreskreis – 9. August 2020

Aus dem ersten Buch der Könige. (Kön 19, 9 – 13)

  • Doch der Herr war nicht im Sturm.
  • Doch der Herr war nicht im Erdbeben.
  • Doch der Herr war nicht im Feuer.
    Nach dem Feuer
    kam ein sanftes, leises Säuseln.
    Als Elíja es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel,
    trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

Gott entspricht nicht unseren Allmachtsphantasien,
er ist nicht in den Stärke-und Machtbeweisen,
wo wir ihn vielleicht gerne suchen.
Er lässt sich nicht vor unseren Karren spannen.
Gott ist einfach wie ein sanfter, erfrischender Wind,
der am Abend, nach einem heißen Sommertag, guttut.

Martin Königstein SSCC

Impuls zum 18. Sonntag im Jahreskreis

„Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi.“ (Röm 8,35-39)

Wirklich nichts? Weder die Angst vor dem Corona-Virus noch die Sorge um den Arbeitsplatz oder die Zukunft der Kinder; weder Krankheit noch Armut; weder Streit noch Krieg; weder Unverständnis noch Ungerechtigkeit; kein Schmerz und keine Sorge?

Der hl. Paulus bezeugt es in seinem Brief an die Gemeinde in Rom. Er sagt nicht: Es gibt nur Frieden und Freude, nur Erfolg und Stärke für den, der glaubt. Er sagt: Was immer geschieht, wir bleiben Menschen, die von Gott geliebt werden.

Das wäre ein starkes Zeugnis, dass wir als einzelne und als Kirche geben könnten: Keine Not und keine Sorge lässt uns zweifeln an Gottes Liebe. Je stärker wir selbst um die Not wissen und auch persönlich daran und darunter leiden, umso stärker wirkt diese Botschaft.

Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi. Das lässt sich auf der Sonnenseite des Lebens leicht sagen. Doch wenn die Schatten über uns kommen, dann gewinnt dieses Zeugnis Kraft.

Foto und Text: P. Manfred Kollig SSCC

Impuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis

26. Juli 2020 – 1. Lesung: 1 Kön 3,5.7–12

Von Bertolt Brecht haben wir folgendes Gedicht:

Bitten der Kinder

Die Häuser sollen nicht brennen.

Bomber sollt man nicht kennen.

Die Nacht soll für den Schlaf sein.

Leben soll keine Straf sein.

Die Mütter sollen nicht weinen.

Keiner sollt töten einen.

Alle sollen was bauen,

Da kann man allen trauen.

Die Jungen sollen's erreichen.

Die Alten desgleichen.

In diesem Gedicht, das Bertolt Brecht Kindern in den Mund legt, vermisse ich die Wünsche der Erwachsenen. Wie Salomo von Gott aufgefordert wird, einen Wunsch zu äußern, könnten sie sich wünschen: Freude zu haben über Erfolge, über Besitz und Reichtum, über stabile Gesundheit und die Entwicklung der Kinder, über einen Partner, der den anderen versteht, liebt und erträgt.

Das allerdings sind Wünsche, die Menschen vor Gott bringen, weil sie sich überfordert fühlen; es gibt eben auch Wünsche, die der Mensch nicht erfüllen kann. Das könnte nur Gott. Was aber bleibt den Menschen, die sich nicht an Gott wenden können, weil sie gar nicht an ihn glauben?

Der Glaube an Gott kann uns helfen, den Dingen ihren angemessenen Stellenwert zu geben. Wenn Gott in der Mitte meines Lebens steht, wenn er es ist, auf den ich mich im Letzten verlasse, täte es gut, wir würden mit König Salomo vor allem bitten um ein Herz, das auf Gott hört, mit ihm in lebendiger Verbindung steht. Denn dann hätten wir Halt in Gesundheit und Krankheit, bei Erfolg und Misserfolg, im Leben und im Sterben.

Ihm ist kein Wunsch zu schwer. Entscheidend ist das eine: ein Herz, das auf Gott hört.

Impuls von Pater Heinz Klapsing SSCC

16. Sonntag im Jahreskreis

19. Juli 2020, Evangelium: Mt 13,24–43

Um die Botschaft vom Reich Gottes zu verdeutlichen, nutze er für seine Gleichnisse die Alltagssituation. Der Sämann sät auf seinem Acker nur guten Weizen und ein Feind heimlich Unkraut. Beides wächst, blüht und gedeiht. Die Knechte erhalten auf ihre Nachfragen zur Antwort: „Lasst beides bis zur Ernte wachsen.“

Als Jesus die Menge verlassen hat, kamen seine Jünger mit und ließen sich das Gleichnis erklären. So geht Jesus mit uns heute heim, um uns zu zeigen, wie das Gute in unserem Leben wachsen kann, wie seine Liebe, die er gesät hat, in uns wurzeln will und uns verändern wird. Jesus bleibt unser Begleiter bis zum Weltende. Gegen den bösen Feind, das Unkraut, sind wir machtlos. Mit ihm fertig zu werden, ist Gottes Sache. Für den Weizen dagegen sind wir verantwortlich. Gott freut sich über eine reiche Ernte.

Ich wünsche allen ein gutes Wochenende und eine angenehme Sommer- und Ferienzeit

Elfriede Kuhmann

15. Sonntag im Jahreskreis

12. Juli 2020

Einige Körner fallen unter die Dornen.
Unter den Dornen können keine Körner wachsen.
Weil die Dornen so groß sind.
Die Körner vertrocknen.
So ähnlich ist es bei einigen Menschen.
(© evangelium-in-leichter-sprache.de)
 

Dornen-Menschen wollen uns ersticken in unserem Bemühen, jetzt mit der Regierung andere zu schützen vor Ansteckung durch CoronaVirus... Sie behaupten, die Regierung, Wissenschaftler und Mediziner sind vom Bösen und wollen die Herrschaft über uns und das Religiöse töten... Gott sei Dank ist der Papst klar in Kopf und Herz mit uns auf der Seite der Armen, die es im „Feldlazarett-Kirche“ zu retten gilt mit anderen verbunden in Solidarität....

Andere Körner fallen auf guten Boden.
Diese Körner können wachsen.
Diese Körner bringen Frucht.
So ähnlich ist es auch bei einigen Menschen.
Diese Menschen hören richtig zu.
Diese Menschen hören mit dem Herzen zu.
Diese Menschen können Gott verstehen.
Diese Menschen freuen sich über Gott.
(© evangelium-in-leichter-sprache.de)

Es gab und gibt viele, die nicht Verschwörung schürten, sondern Hilfe säten und säen wie Nachbarschaftshilfe, wie Unterstützung von Familien, von selbständigen kleinen Gaststätten oder von KrankenpflegerInnen, durch Petitionen für Unterstützung und gegen die, die die Situation egoistisch für sich ausnutzten durch Betrug, durch Fortsetzung von Steuertricksereien, von zukunftsgefährdeten Ideen gegen Klimawandel-Notwendigkeiten, gegen geschlossene Grenzen und nationalistische Aggressionen.Lasst uns weiterhin leben,was wir erbitten wenn wir beten: „Mach uns zu Werkzeugen des Friedens“ (Gotteslob 19,4)

Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Impuls zum 14. Sonntag des Jahreskreises

5. Juli 2020 – Evangelium Mt 11,25–30

Durch-Blick

Wir Menschen möchten gerne verstehen, was um uns herum vorgeht, was mit uns geschieht. Im Volksmund sagt man: „Ich möchte gerne durchblicken“. Der Ausdruck ist schon interessant. Er setzt voraus, dass hinter den Dingen, die wir sehen, noch andere Dinge verborgen sind, Dinge, die uns beeinflussen, ohne dass wie sie direkt benennen können.

Ich möchte durchblicken! In dem Maße, in dem unsere Welt kompliziert wird, verstärkt sich der Wunsch zu verstehen, und dieses Bedürfnis hat ein neues Geschäftsmodell hervorgebracht: die Beraterdienste. Berater gibt es heute in Hülle und Fülle. Sie helfen uns bei der Steuerklärung, sie geben Gesundheitstipps, sie beraten uns in verfahrenen Lebenssituationen, zum Beispiel bei Schulden oder Konflikten in der Familie.

Es ist vernünftig solche Dienste in Anspruch zu nehmen. Sie helfen in bestimmten Situationen, aber längst nicht in allem. Letztlich lösen sie einzelne Probleme, aber es bleibt ein grundliegendes Gefühl des Unbehagens. Wir haben Angst, fühlen uns ausgebrannt und verloren. Wohin muss man schauen, um wirklich durchzublicken?

Das heutige Evangelium lässt uns eine Einladung Jesu Christi vernehmen.

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen“.

Im Ruf des Herrn vernehmen wir die Einladung, unser ganzes Leben ihm anzuvertrauen. Es hilft nicht, einzelne Probleme anzugehen, in der Hoffnung, dass dann alles gut wird. Wir blicken erst dann durch, wenn wir Jesus Christus in den Blick bekommen und uns ihm mit Leib und Seele anvertrauen.

Impuls und Foto: Pater Heinz Josef Catrein SSCC

Impuls zum 13. Sonntag im Jahreskreis

28. Juni 2020 – Evangelium; Mt 10,37–42

Diese Worte schmecken nicht

Evangelium – das heißt: Frohe Botschaft, Gute Nachricht und dann kommt es heute wie Peitschenhiebe daher:

Wer Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert …

Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.

Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren.

Diese Worte schmecken nicht. Sie passen nicht in das, was wir für unser Leben wünschen. Wir wollen Menschen lieben und nicht hergeben. Wollen das Leben gewinnen, nicht verlieren …

Doch wie geht das: Leben gewinnen? Genau das wollen die auf den ersten Blick verstörenden Worte Jesu beantworten, nicht weichgespült drum herum, sondern  klipp und ganz klar: Wer an Menschen und seien es die engsten Familienangehörigen, wer an Sachen und Aufgaben neurotisch hängt, klebt und klammert, wer das Leid um jeden Preis vermeiden will und in allem und immer nur auf Sicherheit und Gesundheit setzt, dessen einzige Krankheit die Sorge um seine Gesundheit ist, der ist nicht frei, wird nicht wirklich leben, wird das Leben und seine Augenblicke nicht genießen; hechelt immer nur hinter ihnen her. Ist „Gefangener“ eines Menschen, seiner Familie oder seiner Gefühle. Wer wirklich leben will, darf nicht so an Menschen und Dingen hängen, dass er ohne sie nicht mehr leben kann. „Du bist mein Ein und Alles,“ sagen wir manchmal und meinen : „ohne dich kann ich nicht leben.“ So gut sich das anhört und wie sehr es die Seele streichelt, es ist lebensgefährlich!

Zugegeben, hier streikt das Herz oft gegen den Verstand, gegen den Kopf und der Weg vom Kopf zum Herzen ist oft sehr lang, sehr weit, sehr schmerzlich – bei mir auch. Wir verdrängen lieber, aber Verdrängen hilft nicht leben.

Das Leben ist ein großes Kapital in unseren Händen. Dieses Kapital hat es verdient, dass wir frei, mutig, offensiv damit umgehen. Das Leben ist voller Risiken, voller Abschiede, gewiss. Wer aber die Risiken, die Abschiede um alles in der Welt vermeiden will, handelt  wie jemand, der nicht mehr ins Bett geht, weil darin die meisten Menschen sterben. Oder anders ausgedrückt: Hat das Herz Angst davor, gebrochen zu werden, lernt es die Liebe nie. Was ist  ein Leben mit einem ungebrochenen Herzen wirklich wert. Manchmal muss man sich das Herz, die Seele gebrochen haben, um wirklich leben zu können und nicht … gelebt zu werden.

Impuls von Hans-Ulrich Willms SSCC

 

Impuls zum 12. Sonntag im Jahreskreis

21. Juni 2020

Evangelium nach Matthäus, 10,26–33

Sie kennen es: Die Kirschen im Pfarrersgarten sind so verlockend reif und süß.

Den Kindern schmecken sie vorzüglich. Das hatte der Pfarrer sich anders gedacht.

Und so stellt er ein Schild auf: „Der liebe Gott sieht alles!“

Am nächsten Tag war von Kinderhand hinzugefügt: „Ja, aber er verrät uns nicht.“

Die Kinder hatten mehr von Gott verstanden. Gott ist keine Polizei und kein Ordnungsamt.

Der Aussage aus dem heutigen Evangelium: „Fürchtet euch vor dem, der Seele und Leib ins Verderben der Hölle stürzen kann", steht in dem kurzen Text ein dreimaliges „Fürchtet euch nicht“ gegenüber.

Das Evangelium spricht von Spatzen und meint uns Menschen. Was richtet ihr mit euren Maßstäben an? Seht ihr nicht den Menschen, der da vor euch steht?

Braucht ihr die heftige Protestwelle „Black lives matter“ (Schwarze Leben zählen)?

Meint ihr, Gott merkt nicht, was ihr hinter seinem Rücken tut?

Nehmt den Menschen vor und neben dir wichtig. Nehmt die Natur wichtig, die ihr profitgierig ausbeutet.

Nehmt mich, Gott, wichtig, der es gut mit euch meint.

Doch: „Fürchtet euch nicht!“ Es ist ein Anstupsen oder – wenn Sie wollen – ein Wachrütteln: Du Mensch, du kannst doch so gut sein. Sei es!

Er weiß um die Spatzen, denen ihr keine besondere Bedeutung zumesst.

Er weiß um euch, um dich und will, dass wir auf ihn hören, auf ihn, der ein Herz für uns hat.

Pater Wolfgang Nick SSCC

 

Impuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis

14. Juni 2020

Am heutigen Sonntag lesen wir aus dem Matthäusevangelium den folgenden Abschnitt: Mt 9, 36 – 10, 8

„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe!“ Mt 10, 7

Wieviel wird in der Bibel gegangen! Das fängt an mit Abraham, der von Gott aufgefordert wird los zu gehen. „Geh weg aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus.“ (Genesis 12, 1) Die Söhne Jakobs gehen nach Ägypten, ihre Urenkel gehen durch die Wüste in das Gelobte Land. Der Prophet Elija geht 40 Tage in die Wüste, bis zum Berg Horeb, dem Berg der Begegnung mit Gott. Maria geht von zu Hause ins Gebirge von Judäa zu ihrer Cousine Elisabeth. Wie oft wird Jesus den Weg von Galiläa nach Jerusalem gegangen sein. Geht … !

Geht weg … vom ewigen Kreisen um das eigene Ego hin zur Wirklichkeit der Menschen und des Kosmos. Geht und seit aufmerksam auf die gute Nachricht aber auch auf die schlechte Nachricht, die ihr da findet. Geht und sucht gemeinsam mit den Menschen von ihrer Realität aus nach konkreten Wegen, die zu einem erfüllten Leben, zur Gerechtigkeit, zum Frieden und zur Freude führen. Denn das meint Jesus, wenn er vom „Himmelreich“ redet.

„Geht zu“, „geht hin“, eine Erinnerung daran, dass wir als Kirche nie Selbstzweck sind, sondern eine Mission haben und nur wegen dieser Sendung existieren. Es geht also nicht darum uns als Einrichtung zu erhalten, sondern es geht darum unserem Auftrag gerecht zu werden: immer wieder mit den Menschen, in den verschiedenen Situationen nach konkreten Möglichkeiten zu suchen, gut und gerecht, respektvoll und achtsam miteinander umzugehen, immer wieder Wege zu finden in all der Gewalt, die uns umgibt, ein friedvolles Herz zu bewahren und immer wieder voll Freude mit den Armen das Leben zu feiern.

Geht …

Impuls von Martin Königstein SSCC

Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag

7. Juni 2020

Kein geschlossener Club

Die Vielfalt sei eine Ideologie, konnte man vor wenigen Tagen lesen. Das mag sein, wenn man die Vielfalt und Verschiedenheit der Menschen beziehungslos nebeneinander stehen lässt. In meinem Alltag aber begegnet mir die Verschiedenheit und Vielfalt ständig und unausweichlich. Mit der Frage, ob sie in der Natur der Menschen liegt oder künstlich geschaffen und gefördert wird, kann man sich beschäftigen. Beim Blick in die U-Bahn, in Kaufhäuser und Büros, in die Stadtgesellschaft, in Familien und in unsere Kirche ist mir noch wichtiger: Die Vielfalt als eine Wirklichkeit anzuerkennen, an der wir nicht vorbei kommen.

Der Dreifaltigkeitssontag erinnert daran: Es gibt nur einen Gott in der Vielfalt von drei Personen. Der Vater ist nicht der Sohn, der Sohn nicht der Heilige Geist und dieser wiederum nicht der Vater. Nein, die Dreifaltigkeit oder besser die Dreieinigkeit kann ich nicht erklären. Was ich glaube: Gott bildet keine uniforme, sondern eine vielfältige Gemeinschaft und öffnet sie für uns. Vater, Sohn und Geist kapseln sich nicht ab. Sie laden ein, uns in diese Beziehung, die durch Einheit in der Vielfalt gekennzeichnet ist, aufnehmen zu lassen.

Eine Woche nach Pfingsten wird diese Gemeinschaft – die Communio in Gott, die Beziehung Gottes mit den Menschen und die Gemeinschaft der Menschen untereinander – gefeiert. Da können wir noch nicht vergessen haben, dass Gott den Menschen an Pfingsten nicht eine einzige und gemeinsame Sprache zurückgab. Aber er gab ihnen den Geist, der alle Sprachen versteht. Gott macht die Menschen nicht uniform, sondern liebt  die Menschen in ihrer Verschiedenheit. Diese Liebe ist allen Menschen gemeinsam und eint sie in ihrer Vielfalt. Jesus betet um die Einheit, nicht um die Einheitlichkeit und Uniformität. Das ist konsequent. Denn schließlich ist er selbst ja Teil des dreifaltigen und dreieinigen Gottes.

Text und Bild: Pater Manfred Kollig SSCC

Arnsteiner Wochenwort zu Pfingsten

Impuls zum Pfingssonntag am 31. Mai 2020

                                

Komme, geheimnisvoller Atem, leiser zärtlicher Wind,
hauch uns an, damit wir leben, ohne dich sind wir tot!
Komme, in Feuer und in Flammen, zünd uns an wie ein Licht,
mach uns trunken von der Liebe, wir sind starr, tau uns auf!
Komme, Erfinder neuer Sprachen, gieß dich aus über uns,
red in uns mit neuen Zungen, komm, begeistere uns!
Komme, du Hoffnung aller Armen, schaff den Wehrlosen Recht,
dass die Gebeugten sich erheben, dass sich Völker befrein!
Komme, du Tröster aller Müden, Stille mitten im Lärm,
in den Terminen schaff uns Pausen, lass uns ausruhn in dir!
Komme, du Taube, übers Wasser, bring den Ölzweig herbei,
bring uns das Zeichen für den Frieden, den die Erde ersehnt!
Komme vom Vater und vom Sohne, komm, du schaffende Kraft,
mach uns neu, und unsrer Erde hat ein neues Gesicht. +
 

Dieses Lied hat Lothar Zenetti in Anlehnung an die
Jahrhunderte alte Pfingstsequenz für unsere Zeit geschrieben.
Doch ganz gleich, welcher Fassung wir den Vorzug geben, entscheidend ist,
dass wir immer wieder um das Kommen des Heiligen Geistes bitten
für unser Beten und Arbeiten, in Gesundheit und Krankheit.
Denn „ohne sein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn“.

Heinz Klapsing SSCC

7. Sonntag der Osterzeit

24. Mai 2020

Johannesevangelium 17.1–11a
Wir stellen jeden Abend eine brennende Kerze ins Fenster, begleitet mit einem Gebet und in Verbundenheit mit allen, die sich daran beteiligen. So bin ich allein, aber in Gemeinschaft. Nach einer gefühlt langen Zeit von zwei Monaten sehnen wir uns danach, wieder gemeinsam zu singen, zu beten und zu feiern. Geduld. Viele Menschen haben von Anfang an Möglichkeiten gefunden, dass wir alleine an unseren jeweiligen Orten und doch weiterhin miteinander unterwegs sein können, und zwar mit Hilfe der modernen Medientechnik. Wir haben Impulse, Bilder, Lieder und Videos geteilt. Sie haben uns Gemeinschaft vermittelt. 

Glaubensmäßig wissen wir, Jesus hat uns seine Zusage gegeben, dass er immer bei uns ist. So wie er im Vater ist und der Vater in ihm, ist er in uns. Diese Zusage gilt unabhängig von einem Ort. Am Donnerstag, Christi Himmelfahrt, nimmt Jesus Abschied von der Welt und so bittet er im Sonntagsevangelium seinen Vater: Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Jesus betet für sich und für seine Jünger und für alle, die ihnen einmal nachfolgen und empfiehlt sie der Fürsorge seines Vaters an, also auch uns heute.

Fühlen wir uns umsorgt in dieser schweren Zeit und bleiben im Gebet verbunden

Impuls zum Sonntag und Aufnahme: Elfriede Kuhmann

6.SonntagderOsterzeit–17.Mai2020Johannesevangelium14,15-21„…Seidstetsbereit,jedemRedeundAntwortzustehen,dervoneuchRechenschaftfordertüberdieHoffnung,dieeucherfüllt(...)Dennesistbesser,fürguteTatenzuleiden,wennesGottesWilleist,alsfürböse.“(1.Petrusbrief3,15-18)„WennihrmichumetwasinmeinemNamenbittenwerdet,werdeichestun.Wennihrmichliebt,werdetihrmeineGebotehalten.UndichwerdedenVaterbittenunderwirdeucheinenanderenBeistandgeben,derfürimmerbeieuchbleibensoll,denGeistderWahrheit…“(Johannesevangelium14,14-17)DieHonung,dieunserfüllt,ist:Ichbingekommennichtzurichten,sondernzurettenundallenLebeninFüllezugeben.JesusschenktunsseinenHeiligenGeist,sodasswirerkennen,werheuteHilfebraucht,umHeilzuerfahren.Aktuellkanndasfürunsallebedeuten,wassichdieseInitiativezumAnliegenmacht:Wir,dieInitiator*innenvon„HandinHand–RettungskettezumMittelmeer“sindMenschenausDeutschland,ÖsterreichundItalien,dieeinZeichenfürMenschlichkeit,MenschenrechteundgegendasSterbenaufdenFluchtrouten,verursachtdurchdieeuropäischeAbschottungspolitik,setzenwollen.DazuplanenwireineRettungskettevonNorddeutschlandbiszumMittelmeer.DiesesZeichenkommtdirektausderMittederZivilgesellschaftundwirdauchdiepolitischeEbeneerreichen.MitdieserMenschenkettesendenwireinstarkesSignalundunterstützeneinebessereVernetzungzivilgesellschaftlicherAkteur:innenfüreinesolidarischeGesellschaft.Wirfordern:einoffenes,buntesundfriedlichesEuropadieSchaffungsichererFluchtwegedieBekämpfungderFluchtursachenundnichtdieBekämpfungderGeflüchteteneinenhumanenUmgangmitMenschenaufderFluchtdieUnterstützungundEntkriminalisierungderzivilenSeenotretter*inneneineuropäischesSeenotrettungsprogrammUndweilwegenCoronakrissederTerminaufgehoben,abernichtverschobenist,rufeichauf,am16.und17.MaidieArmeauszubreitenfürdieFlüchtlingeinLebensgefahr,fürsiezubetenunddieSpannweitenderausgebreitetenArmeinunserenLebensgemeinschaften,FamilienundvernetztenGruppenzumessenalsZeichen:WirhabenschonmalmitderRettungskettebegonnen!UndwirtragendiesindieÖffentlichkeit.PaterWolfgangJungheimSSCC

Impuls zum Fest des heiligen Pater Damain Deveuster

10. Mai 2020 (Johannesevangelium 14,1-12)

Kontaktsperre

In den letzten sechs Wochen boten unsere Straßen und Plätze ein ungewohntes Bild. Niemand hatte Tische und Stühle vor die Straßencafés gesetzt. Wir sahen keine Cliquen lautstarker Jugendlicher vor dem Dönerladen, keine ungeduldigen Kinder vor dem Eisverkauf, kaum Leute in den wenigen Geschäften, die überhaupt  noch  offen waren. Auf einmal merkten wir, wie sehr wir daran gewohnt sind, fast überall von Menschen umgeben zu sein. Das Gegenteil ist nicht nur ungewohnt, sondern auch unheimlich. Ängste steigen auf:

  • die Angst vor dem Virus
  • die Angst um liebe Menschen
  • die Existenzängste vieler Gewerbetreibender
  • die Angst der Alten, übersehen zu werden
  • die Todesängste der Erkrankten

Auf einmal sind wir krank, ohne das Coronavirus in uns zu haben.

Die eben beschriebene Situation erinnert mich an den bekanntesten Menschen unserer Ordensgemeinschaft: Pater Damian Deveuster. 13 Jahre seines Lebens lebte er auf der Insel Molokai auf Hawaii. Dorthin hatte man die Aussätzigen des damaligen Königreiches verbannt; dorthin kamen diese Unheilbaren, um zu sterben. Der Zugang zur Insel war streng reguliert. Dorthin ging Pater Damian freiwillig und wohl wissend, dass er sich damit eine Kontaktsperre bis zum Ende seines Lebens auferlegt hatte. Er starb mit 49 Jahren an Lepra.

Das Faszinierende an Pater Damian ist, dass er sich nicht einsam fühlte. Er sagte immer „wir Aussätzige“ und teilte das Leben mit seinen Leidensgefährt*innen. Er redete mit seinen Briefen und der Hilfe guter Freunde der damaligen Welt ins Gewissen, er gab den Todgeweihten eine Stimme und er bekam Hilfe aus Honolulu, Europa und den USA für seine „Geschwister“.

Und wenn wir fragen, wie er das aushielt, so gab er selbst eine Antwort. Er lebte in der Gegenwart Christi. Jeden Tag feierte er die heilige Messe, und er selbst bezeugt, dass er ohne die vielen Stunden in der Gegenwart des Herrn im Tabernakel nicht ausgehalten hätte. Kurz vor seinem Tod sagt er: „Ich bin der glücklichste Missionar der Welt“.

Es ist zu einfach zu sagen, macht es wie Damian. Aber sein Leben ist Anstoß nachzudenken, und er erinnert auf überzeugende Weise daran, dass keine noch so geartete Kontaktsperre uns von Christus trennen kann. Paulus formuliert es so: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.“

Pater Heinz Josef Catrein SSCC

Impuls zum 4. Sonntag der Osterzeit

3. Mai 2020

Stallgeruch ( Joh 10,1–10)  

Hirt, Herde, Schafstall –  für viele Zeitgenossen fremde Bilder. Mir kommt beim Lesen  das Wort Stallgeruch in den Sinn. Stallgeruch – darin unterscheidet man sich. Unterscheidet man sich von denen, die nicht dazugehören. Und schon ist das Feindbild klar. Genau darum aber geht es Jesus nicht. Er will alle in einem „Stall“, in „einer Herde“ zusammen haben. So stand ihm wohl das, was Kirche sein soll, vor Augen. Die Kirche jedoch hat sich anders entwickelt. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass zu allen Zeiten Menschen, Gruppen sich absondern, ihre eigenen Wege gehen, ihre eigene Kirche aufmachen und leben. Stets mit dem Argument, dass Jesus Kirche so nicht gewollt habe, wie sie sich gerade präsentiert. Allerdings, wie Jesus Kirche gewollt hat, das auf den Punkt zu bringen, dürfte schwer möglich sein. Nur, dass Jesus keine 2 und 3 und 4 und fünfhundert Kirchen gewollt hat, davon können wir ausgehen. Vertiefen müssen wir das nicht, denn die heutigen Mitglieder der verschiedenen Kirchen und Religionen können nichts dafür. Sie sind in sie hineingeboren, wie wir ja selber auch.

Mein Blick geht zurück in den Stall, in dem Jesus geboren wurde. Da tummeln sich total verschiedene Menschen, Typen jedweder Couleur. Und die meisten davon sind überhaupt nicht unsere Kragenweite. Und doch weist es sie als echte „Kirchenmitglieder“ aus. Jesus schart solche „Typen“ um sich und macht sich mit ihnen auf den Weg, ob sie in unser Konzept passen oder nicht.

Wir werden lernen und akzeptieren müssen, Verschiedenheit auszuhalten, überall, auch mitten in unserer Kirche, in unseren Kirchen, in den Religionen…Aber wo ist das verbindende? Welches Glaubensbekenntnis gilt? Dogmatische Glaubensbekenntnisse haben mich eigentlich immer irgendwie „kalt“ gelassen. Aber was dann? Nicht ein formuliertes Bekenntnis, eine Person verbindet uns: Jesus Christus, der menschgewordene Gott. Von ihm sollen wir uns formen lassen. In sein Konzept sollen wir passen. Das ist das A und O, wie Christsein gelingen kann. Und vielleicht gibt es die Verschiedenheit der Kirchen und Religionen ja deshalb, damit niemand, kein Papst, kein Bischof, kein Religionsführer, keine Glaubensgemeinschaft für sich die gottesmissbräuchliche Einstellung  reklamieren kann, die alleinseligmachende absolute Wahrheit über Gott zu „haben“, genau zu wissen, wie Gott zu sein hat,

Gesegneten Sonntag und eine von Gott begleitete Woche! Und bleiben Sie negativ: Corona-mässig!

Impulse von Pater Hans-Ulrich Willms SSCC

 

Impuls zum 2. Fastensonntag – 8. März 2020

„Ich werde dich segnen.“ (aus der 1. Lesung Gen 12,1-4a)

Der Herr sagt Abram zu: „Ich werde dich segnen.“ Dieser Segen soll nicht nur ihm persönlich, dem Vater der Völker, gut tun. Er wird gesegnet, damit er auch für andere Menschen ein Segen sein kann. Was bedeutet das, ein Segen zu sein?

Vom lateinischen Wort für segnen, das heißt von benedicere abgeleitet, bedeutet segnen: ein gutes Wort sagen. Für den Überlasteten bedeutet es einen Segen, wenn ein Mensch kommt, der ihn unterstützt. Für den Verzweifelten, wenn ein Mensch ihm Mut zuspricht. Für den Sünder, wenn einer ihm zusagt, dass er ihm verzeiht. Einem Sterbenden, wenn einer da ist der sagt: Du wirst von Gott erwartet…

Dieser Sonntag lädt ein, sich zu erinnern: Wir Menschen werden immer wieder gesegnet, um für andere ein Segen sein zu können; das heißt um ihnen zu richtigen Zeit das gute Wort zu sagen, das ermutigt und stärkt, tröstet und befreit, vergibt und eine Zukunft eröffnet.

Text und Fotos: P. Manfred Kollig SSCC

Test the west and the rest

Impuls zum 3. Sonntag der Osterzeit

26. April 2020

Johannesevangelium 21,1–14

Wie soll ich diesen Teil vom Anhang des Johannesevangeliums lesen, hören, verstehen?

Unglaublich, interessant, vielsagend, ermutigend – ermutigend! Das ist es.

„Ich geh fischen.“ – „Wir gehen mit.“ Was sollen sie auch sonst tun? – zurück in ihren Alltag.

Die Zeit mit Jesus, die ist vorbei – tut weh, aber es ist so.

Die Jünger - sieben waren es; sieben die Zahl der Vollständigkeit – sie arbeiten die ganze Nacht. Und? Nichts!

Nichts, das sie vorweisen können. Nichts, das sie geben könnten.

Aber ­– sie werden erwartet. Sie sind in ihrer Erfolglosigkeit nicht allein gelassen.

Sie werden zu neuem Tun aufgefordert:

„Werft das Netz auf der rechten Seite aus und ihr werdet etwas fangen.“

Auf der „rechten“ Seite, der positiven Seite, also mit positiver, hoffnungsvoller Einstellung an die Sache herangehen.

Der Mann am Ufer mutet ihnen viel zu, sehr viel: gegen jede Erfahrung, gegen alle Gewohnheiten - und?

Das Ergebnis ist unglaublich.

Und damit nicht genug: Der Fremde am Ufer, der sie um Essen bat, der gibt ihnen nun zu essen.

Das gibt es doch nicht. Doch, das gibt es bei ihm, dem Auferstandenen.

Nicht umsonst „spielt“ sich diese Erzählung ab am Ufer und in der Morgendämmerung, in Frust und in Perspektivlosigkeit, in Überraschung und überreicher Fülle.

Einen gesegneten 3. Ostersonntag und – seit etlichen Wochen der Gruß und Wunsch ­–: Bleiben Sie gesund!

Impuls von Pater Wolfgang Nick SSCC

Impuls zum 2. Sonntag in der Osterzeit

Aus dem heutigen Sonntagsevangelium: Johannes 20, 19–31

Thomas, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

Thomas hat Recht. Erfahrung ist nicht übertragbar. Ich kann mir anhören, wenn jemand mir von seiner Erfahrung erzählt. So beginnt der 1. Johannesbrief: Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben vom Wort des Lebens, das verkünden wir auch euch. (1 Joh 1, 1) Das kann hilfreich sein. Es kann mir auf die Spur helfen. Die Erfahrungen anderer können mir neue Horizonte öffnen, mich neugierig machen, Interesse wecken. Das, was andere mir von ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Herrn erzählen, kann mich dazu bewegen mich selbst auf den Weg zu machen, um ihn zu finden, um selbst ihn zu berühren, um ihn zu hören. 

In dieser Osterzeit 2020 kann ich mich fragen was das alles zu bedeuten hat, was wir gerade erleben. Dieses winzige, unsichtbare Virus hat so vieles verändert in unserem persönlichen Leben, im Leben der Gesellschaft und der menschlichen Gemeinschaft weltweit. Gerade jetzt erleben wir das. Für jeden und jede ist es besonders, einzig. Gerade jetzt kann ich nachspüren, was diese veränderten Lebensumstände in mir bewirken und hervorrufen: neue Gefühle; neue Aspekte in meinem persönlichen Leben; veränderte Lebensumstände; meine Beziehung zu anderen Menschen, mein Blick in die Zukunft. Was erfahre ich zurzeit? Wie ordne ich diese neuen Erfahrungen ein? Wo sehe ich neue Perspektiven? 

In unserem Bibeltext fasst Thomas seine Erfahrung zusammen: „Mein Herr und mein Gott“. 

Wie kann ich meine Erfahrung in diesem Frühjahr 2020 benennen, um sie vielleicht in Zukunft zusammenfassen zu können und so fruchtbar werden zu lassen?

Martin Königstein  SSCC

Gedanken zum Osterfest 2020

Auf den ersten Blick lahmgelegt …

In diesem Jahr gehen wohl den wenigsten von uns die Augen an einem Osterfeuer auf. Weder die Osterfeuer zu Beginn der Osternachtfeier vor den Kirchen noch die Osterfeuer auf Wiesen und Feldern werden entzündet. Wir werden lahmgelegt. Das geschieht nicht freiwillig. Auch ist es nicht das Ergebnis von Steuerungsgruppen und Mehrheiten in Gremien und Parlamenten. Lahmgelegt werden wir von einem Virus, den keiner wollen kann und für dessen Ausbreitung niemand gestimmt hat.

Vielleicht sind wir gerade deshalb an diesem Osterfest dem Geheimnis, das wir feiern, näher als je zuvor in unserem Leben. „Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es keine Hoffnung für sie“, sagte der Physiker Albert Einstein. Das traf auf seine Relativitätstheorie zu. Wie absurd ist bis heute der Gedanke, dass, würden sich zwei Menschen, die dreißig Jahre alt sind, für die kommenden sechzig Jahre verabschieden, unterschiedlich altern können. Wenn der eine Mensch mit einem schnellen Raumschiff die dreißig Jahre mit hoher Geschwindigkeit durch das Weltall rast, kommt er als Sechzigjähriger zurück, während der andere auf der Erde schon neunzig Jahre alt geworden ist. Das muss man nicht verstehen. Doch gilt diese Theorie bis heute und prägt unseren Alltag, ohne es zu wissen.

Lahmgelegt, das trifft wohl die Stimmung der Menschen, die mit Jesus eng zusammenlebten, nachdem er am Kreuz gestorben war. Sie sind nicht am Ostermorgen halleluja-singend aufgewacht. Die Frauen gehen zum Grab und erwarten den Leichnam. Zwei Jünger laufen zum Grab und erwarten nichts anderes. Zwei weitere Jünger treffen den Auferstandenen auf dem Weg. Natürlich erkennen sie ihn nicht, weil sie ihn nicht erwartet haben. Und Maria von Magdala, seine wohl beste Freundin, denkt auch, dass in der Nähe des Grabes nur der Gärtner sein kann. Mit einem lebendigen Jesus rechnet auch sie nicht.

„Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es keine Hoffnung für sie.“ Absurd, dass Menschen, wenn sie schneller unterwegs sind, langsamer altern, wie es die Relativitätstheorie lehrt. Absurd, dass ein Mensch von den Toten aufersteht, was Christinnen und Christen seit 2000 Jahren weltweit feiern. Absurd, dass es sinnvoll sein kann zu denken: Nach der Coronavirus-Pandemie ginge es besser weiter als zuvor. Das Ende ist noch nicht abzusehen. Weniger körperliche Nähe wird es auf lange Zeit geben. Auf Wirtschaftswachstum, das uns zwingend notwendig erschien, werden wir längere Zeit verzichten. Unser Lebensstandard wird eher heruntergeschraubt als erhöht. Büros werden weniger wichtig und man wird von zuhause aus arbeiten. Urlaub in der Ferne rückt auch in weitere Ferne. Und das soll für uns besser sein? Absurd. Doch wenn wir den ersten Blicken vertrauen: In Venedig können Menschen durch das Wasser wieder bis auf den Grund sehen. Wenn wir die bekannten Muster aufgeben, können wir vielleicht lernen: Leben geht auch anders; vielleicht sogar besser für uns und für die ganze Schöpfung.

„Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es keine Hoffnung für sie.“ Ostern ist die Einladung, nicht nur in gewohnten Bahnen zu denken, zu fühlen und zu leben. Nur dann werden wir Jesus entdecken; in diesem Jahr nicht am Osterfeuer beim Entzünden der Osterkerze vor der Kirche. In diesem Jahr zuhause beim Lesen der Osterberichte in der Bibel, beim Entzünden einer Osterkerze auf dem Tisch, beim Telefonieren oder Skypen mit geliebten Menschen. Und denen dürfen wir auch unsere Sorgen und Ängste sagen, wie es die Jünger auf dem Weg nach Emmaus getan haben. In Berlin und in vielen Bundesländern dürfen wir nur zu zweit unterwegs sein. Der Dritte ist aber dabei und das als der, der nicht lahmgelegt ist und auch nicht lahmlegt, sondern auf(er)weckt.

Text und Bild des Impulses: Pater Manfred Kollig SSCC

Impuls zum Palmsonntag

5. April 2020

Evangelium nach Matthäus 21,1-11

Mit diesem (etwas verkürzten) Gebet des Bischofs von Innsbruck und Pax-Christi-Bischofs von Österreich, Hermann Glettler, bringen wir unser Denken und unsere Solidarität mit allen von der Corona-Krise Betroffenen zum Ausdruck.

Heinz Klapsing SSCC

 

„Herr, du Gott des Lebens, betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu dir.

Wir bitten um Heilung für alle Erkrankten. Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Tröste diejenigen, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben. Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und allen Pflegenden Kraft in dieser extremen Belastung.

Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen. 

Wir danken dir für alle Frauen und Männer, die unsere Versorgung aufrechterhalten. Wir beten für alle, die von Angst überwältigt werden.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.

Von ganzem Herzen bitten wir, dass die Pandemie abschwillt und dass die medizinischen Einrichtungen und Ressourcen den aktuellen Anforderungen gerecht werden.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund erleben dürfen.

Dein Heiliger Geist bewahre unsere Herzen in Zuversicht; getragen von einem tiefen Frieden werden wir die derzeitige Krise bestehen.

Jesus, du Herr und Bruder aller Menschen, deine Gegenwart vertreibt alle Furcht und macht uns bereit, offen und aufmerksam für die von der Krise Betroffenen zu sein, aber auch die Flüchtlinge nicht zu vergessen in den Auffanglagern, vor allem in Griechenland.

Mit dem kommenden Sonntag beginnt die Karwoche, in der wir eingeladen sind, den Leidensweg Jesu zu verfolgen und für unseren persönlichen Weg Kraft und Gnade zu erbitten.“

Bischof Hermann Glettler 

 

Impuls zum 5. Fastensonntag

22. März 2020

Evangelium nach Johannes (11,1–45 )

Da lassen zwei Frauen ihrem Freund Jesus gegenüber gehörig Dampf ab. Ihr Bruder Lazarus ist gestorben, noch jung, und damit können und wollen sie sich nicht abfinden. Dabei ist zur Zeit Jesu der Tod eines Menschen in den besten Jahren durchaus keine Seltenheit, entsprach der damals üblichen Lebenserwartung, also irgendwie normal. Widerspruch: Kein Tod ist normal: Lebenserwartung hin, Lebenserwartung her.

Der frühe Tod ihres Bruders trifft Maria und Martha tief ins Herz. Da nützt ihnen auch die Zusage ihres Freundes Jesus herzlich wenig, dass er am Jüngsten Tag auferstehen wird. In ihrem brennenden und frischen Schmerz ist sie ein schlechter Trost. Zumal der Tag weit weg ist und: weiß man`s? Jetzt tut die Seele weh, jetzt schmerzt das Herz. Jetzt weint die Liebe, jetzt. Wenn man trostlos ist und das Herz wehtut, beim Tode eines Menschen oder auch im Schmerz um einen lebenden Menschen – erträgt man nichts weniger als Worte, auch wenn sie wahr sind. Wir sind empfindlich gegen Floskeln oder verlegene Sprüche, auch fromme Sprüche. Das hat Martha ihrem Freund Jesus deutlich zu verstehen gegeben. Es steht alles auf dem Spiel, wenn es ans Leben oder ums Überleben geht. Worte reichen eben nicht, auch wenn sie noch so schön sind. Und Texte helfen auch nicht, nicht einmal heilige Texte … 

Aber Jesu Angebot sind nicht schöne Worte oder fromme Texte oder wissenschaftlich examinierte Diplomtheologie. Jesu Angebot ist er selbst. Sein Leben, sein Sterben, seine Auferstehung … 

„Glaubst du das,“ fragt Jesus. Und die Frage hilft. Unter Tränen sagt Martha: „Ja, ja ich glaube, nicht deinen Worten, ich glaube dir …, DIR!“

Wie die beiden Frauen im Evangelium sind auch wir gefragt, nicht ob wir das verstehen. Wir sind gefragt, ob wir glauben … Ihm glauben …

Hans-Ulrich Willms SSCC

 

Impuls zum vierten Fastensonntag

22. März 2020

Evangelium nach Johannes (9,1–41)

„Womit habe ich das verdient?“ Die Frage hat sich sicher jeder schon mal gestellt. Und auch in der gegenwärtigen Krise wird sich mancher diese Frage stellen.

Die Jünger im Evangelium denken ähnlich. Womit hat er das verdient? Wer ist schuld? In dieser wunderbaren Geschichte, die uns der Evangelist Johannes erzählt, sagt uns Jesus: Dieses Denken geht in die falsche Richtung.

Ja, für manche Krankheit sind wir selbst verantwortlich. Der starke Raucher darf sich nicht wundern, wenn er die Quittung dafür bekommt.

Doch gerade dieses Schema der Schuldzuweisung will Jesus durchbrechen. Dem Blind-Geborenen wird Heilung gewährt, ohne dass er darum gebeten hat.

Wer ist schuld? Die Frage blockiert.

Wer ist es, der heilt? Die Frage kann Augen öffnen für Gott, der unser Heil will.

„Herr“, sagt der Blind-Gewesene, „Herr! Ich vertraue dir.“

Impuls von Pater Wolfgang Nick SSCC

 

Impuls zum dritten Fastensonntag

15. März 2020

Solidarität in Zeiten des Corona-Virus

Ein Telefonanruf (vom Ordnungsamt) und eine Mail (vom Generalvikar) haben gestern für mich und für viele andere Menschen die Zeitplanung für den Rest des Monats und Wochen darüber hinaus verändert. Alle Gottesdienste und alle Veranstaltungen, Zusammenkünfte und Übungen sind abgesagt. Es kommt mir fast so vor, als ob die Zukunft, wenigstens für die nächste Zeit, nicht mehr planbar ist. Es nützt mir nichts zum Beispiel an die Kar – und Ostertage zu denken, ich weiß jetzt nicht, was da möglich sein wird. 

 

 

heute – hier – jetzt 

 

Ich bin eingeladen – von den äußeren Umständen dringend eingeladen – im jetzt und im heute zu leben. Heute, hier und jetzt achtsam, behutsam und solidarisch zu denken, zu fühlen und zu handeln. Mich selbst zu schützen und so dem Allgemeinwohl zu dienen. Notzeiten, und das, was wir gerade weltweit erleben, ist eine Not, können dazu einladen, dass wir näher zusammenrücken, uns gegenseitig stärken, helfen und Mut machen. Dieses Enger-Zusammenrücken kann nun gerade unter den gegebenen Umständen nicht körperlich, physisch sein. Um so wichtiger ist es, dass wir uns verstärkt als eine Gemeinschaft in der Hoffnung erfahren. Dass wir gegenseitig darum wissen: wir sind uns nahe, wir sind aufmerksam und achtsam für einander da, und jede:r tut an seiner und ihrer Stelle, was dem Allgemeinwohl dient. Wir werden neue Formen suchen Achtsamkeit und Solidarität auszudrücken und zu leben. 

Den Ewigen, den der größer ist als unser Herz, finde ich eh nur im hier und jetzt!

Martin Königstein SSCC

Impuls zum 2. Fastensonntag – 8. März 2020

„Ich werde dich segnen.“ (aus der 1. Lesung Gen 12,1-4a)

Der Herr sagt Abram zu: „Ich werde dich segnen.“ Dieser Segen soll nicht nur ihm persönlich, dem Vater der Völker, gut tun. Er wird gesegnet, damit er auch für andere Menschen ein Segen sein kann. Was bedeutet das, ein Segen zu sein?

Vom lateinischen Wort für segnen, das heißt von benedicere abgeleitet, bedeutet segnen: ein gutes Wort sagen. Für den Überlasteten bedeutet es einen Segen, wenn ein Mensch kommt, der ihn unterstützt. Für den Verzweifelten, wenn ein Mensch ihm Mut zuspricht. Für den Sünder, wenn einer ihm zusagt, dass er ihm verzeiht. Einem Sterbenden, wenn einer da ist der sagt: Du wirst von Gott erwartet…

Dieser Sonntag lädt ein, sich zu erinnern: Wir Menschen werden immer wieder gesegnet, um für andere ein Segen sein zu können; das heißt um ihnen zu richtigen Zeit das gute Wort zu sagen, das ermutigt und stärkt, tröstet und befreit, vergibt und eine Zukunft eröffnet.

Text und Fotos: P. Manfred Kollig SSCC

1. Fastensonntag – 1. März 2020

Evangelium nach Matthäus 4,1-11

Drei Wünsche begleiten unser Leben bis in den Tod: der Wunsch nach Heimat, nach einem unverwechselbaren Namen und nach Macht. Heimat meint einen Ort, wo man leben kann und hat, was zu einem guten Leben gehört. Im Wunsch nach einem guten Namen äußert sich das Bemühen, Ansehen zu genießen. Dabei darf ich mich nicht von der Zustimmung oder Ablehnung meiner Mitmenschen abhängig machen, denn wenn ich mich nur danach richte, werde ich unselbstständig und leicht zu einem Fähnchen im Wind.

Der Wunsch nach Macht steht nicht dafür, andere zu beherrschen; vielmehr dafür etwas zu machen, gestalten zu können, gemäß dem Auftrag des Schöpfers: Macht euch die Erde untertan. Diese Wünsche sind verständlich und gottgegeben, aber verwerflich werden sie, wenn sie maßlos und ohne Rücksicht auf die Mitmenschen verfolgt werden.

Sich einen Namen zu machen, weist Jesus energisch von sich, weil er weiß, dass Gott es ist, der dem Menschen einen Namen gibt und den Namen eines jeden in seine Hand geschrieben hat. Dem Angebot des Versuchers, ihm die Herrschaft über alle Reiche der Welt zu übergeben, begegnet Jesus mit dem Hinweis auf die alleinige und absolute Herrschermacht des Vaters: „Sein ist das Reich und die Macht und die Herrlichkeit.“ Wer also wie Jesus der Versuchung standhält, der Maßlosigkeit seiner Wünsche nicht nachgibt, der gibt sich eben nicht zufrieden, mit dem Brot irdischer Macht. Er will mehr: Brot, das Gott gibt; einen Namen, den er verleiht; Herrschaft, die Teilhabe an seinem Reich bedeutet. Und jetzt versteht sich auch die Bitte des Vaterunser: Führe uns nicht in Versuchung, - dass wir uns  nicht mit anderem abspeisen lassen, als mit dem, was Gott selbst uns bereiten will. Es geht also nicht um meinen Namen, dass ich großartig dastehe, dass ich letztlich das Sagen habe und meine Vorstellungen von einer gerechten und guten Ordnung durchsetze, sondern   entscheidend ist allein der Wille Gottes.

Heinz Klapsing SSCC

7. Sonnntag im Jahreskreis

23.02.2020

Evangelium: Mt 5,38–48

Viele Menschen sind an diesem Wochenende unterwegs, entweder, um Karneval zu feiern oder um ihm zu entfliehen. Dies kann im eigenem Bekannten- und Freundeskreis beobachtet werden, selbst in den Hochburgen des Karnevals. Ein Beispiel, stellvertretend für viele andere Situationen in unserem Leben. Wofür steht es?

Jesus sagt uns in der Frohen Botschaft: handelt anders als die Zöllner und vergeltet nicht Gleiches mit Gleichem. Wenn wir dies in unsere Zeit übertragen, bedeutet es, seid anders als alle Menschen, findet euren persönlichen Weg als Christen. Handelt nach eurer Überzeugung, handelt von eurem Inneren heraus und lebt diese Überzeugung, eure Haltung. Feiert Karneval oder entflieht ihm. Gibt es Streit, löst das Problem. Fallt positiv als Christen auf! Findet euren persönlichen Weg. Findet euren Weg in der Nachfolge Christi: „Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ (Mt 5,48)

Mit Alaaf und Helau wünsche ich allen ein gutes und fröhliches Wochenende

Elfriede Kuhmann

 

6. Sonntag im Jahreskreis

16.02.2020

Evangelium nach Matthäus 5,17–37

„Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, hau sie ab... Besser verstümmelt ins ewige Leben als unverstümmelt in die Hölle...“ Wie sähen wir aus, wenn wir uns alles abhackten, was uns zum Bösen reizt, drängt, verführt. Und so verstümmeln wir lieber andere als uns selbst und kommen nicht zur Einsicht. Herzlos sind wir oft und viele und sehr herzlos…!?: Doro, der Flüchtling aus Afrika, in Libyen gnadenlos gefoltert. Sie schnitten ihm ins Gesicht, eingeschlagen mit einer Kalaschnikow, verlor ein Augenlicht, in den Bauch gestochen, immer wieder geschlagen während sie seine Mutter anriefen, Lösegeld forderten. Seine Mutter verkaufte ihr eigenes Haus, dann verkauften die Folterer ihn als Sklave. 3 Mal versuchte er zu entkommen, immer wieder eingefangen und erneut verkauft. Schließlich wurde er von uns auf dem Meer gerettet, aber nun wohin?

Und wohin sollen die 5.000 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die auf den Straßen Gewalt und Missbrauch ausgesetzt sind, im Winter in Griechenland?

Wer wird es schaffen, die Herzen der europäischen beziehungsweise der deutschen Regierung zu erweichen, ihnen zu helfen?

 Lassen wir uns durch Doro, in dem Jesus heute leidet, das Herz aus Stein aus unserer Brust nehmen und ein Herz aus Fleisch aus Mitgefühl und Mitleid geben, das nicht müde wird, wertschätzend und barmherzig zu sein. Leiden wir mit den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen auf Griechenlands Straßen und setzen wir uns ein, dass sie bei uns Platz finden

https://seebruecke.org/so-beteiligst-du-dich-am-aktionstag-wirhabenplatz/

Wir haben Platz, geflüchtete Minderjährige aus Griechenland aufzunehmen!

Impuls von Wolfgang Jungheim SSCC

5. Sonntag im Jahreskreis

9. Februar 2020

Ein leuchtendes Herz

Die 8 bis 12-jährigen Kinder eine Ferienfreizeit bekamen als Aufgabe, Laternen herzustellen. Sie nahmen diese Aufgabe mit Freude an. Spiele mit Licht und Feuer machen immer Spaß. Das Kind, das die abgebildete Laterne gebastelt hat, wollte offenbar nicht nur Spaß haben, sondern etwas ihm wichtiges ausdrücken. Das Fenster in der Laterne hat die Form eines Herzens!

Mit Pappe, Buntpapier, Schere und Leim hat das Kind das heutige Evangelium in Form gebracht, denn es träumt von einem Licht, das von Herzen kommt und die Herzen der Menschen berührt. Damit trifft es genau den letzten Satz des heutigen Sonntagsevangeliums:

„So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Die Kirche ist dazu gerufen, Licht in die Herzen der Menschen zu tragen, und wir alle spüren, wie dieser hohe Anspruch insbesondere in den letzten 10 Jahren Schaden gelitten hat. Der begonnene „synodale Weg“ ist ein Versuch, aus diesem Schatten herauszutreten. Dieser synodale Weg ist mehr als eine Konferenz in Frankfurt, er ist ein Aufruf an uns alle, aus dem Dunkel aufzubrechen und ein Licht zu entzünden, dass die Herzen erleuchtet.

„Heiligstes Herz Jesu, bilde unser Herz nach deinem Herzen“

Impuls von Heinz Josef Catrein SSCC

Fest der Darstellung des Herrn

2. Februar 2020

Evangelium: Lukas 2,22–40

Fünf Menschen begegnen sich im heutigen Evangelium. Ein Ehepaar: Joseph und Maria mit ihrem Kind. Sie sind unsicher und aufgeregt, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Und: zwei unterschiedliche, prophetisch begabte alte Menschen: Hanna und Simeon. Ihr ganzes Leben haben sie auf diese Begegnung gewartet und nun ist sie da, endlich. Das Warten hat ein Ende. Aber jede wirkliche Begegnung ist ein Risiko, geht unter die Haut. Vor Jahren bin ich einer blinden Frau begegnet, die mich als ihren Pfarrer kennenlernen wollte. Sie fragte mich, ob sie mich berühren dürfe. Ich willigte ein und ihre Hände tasteten vor allem mein Gesicht ab. „ Ich brauche ein Vorstellung von dem Menschen, mit dem ich rede“, sagte sie. Heute noch spüre ich die Scheu, die in mir entstand, mich so handgreiflich berühren zu lassen, das beklemmende Gefühl, von ihren forschenden Händen „erkannt“ zu werden…  Hanna nimmt den kleinen Jesus auf den Arm, um den Messias kennen zu lernen. Sie muss ihm nahe kommen, ganz nahe, muss ihn spüren, um ihm wirklich begegnen zu können. Nur Begegnungen, die in unsere Tiefen reichen, unsere Sehnsucht nach Vertrauen und Geborgenheit treffen, unsere eigenen Offenheit nicht missbrauchen, sondern unter ihren Schutz nehmen, treffen und betreffen wirklich. Solche Begegnungen mit Jesus wünsche ich uns allen – gerade auch in unseren Gottesdiensten. Denn dann kommen wir aus den Gottesdiensten anderes heraus als wir in sie hineingegangen sind.

Impuls von Hans-Ulrich Willms SSCC  

3. Sonntag im Jahreskreis

26. Januar 2020

Aus dem Evangelium nach Johannes 4,12–23

Jesus spricht Simon und seinen Bruder Andreas an und die beiden Brüder Jakobus und Johannes.
Sie hören und sie folgen ihm.

Jesus spricht auch uns an. Hören wir ihn oder sind wir so voll- und zugestopft, dass sein Wort uns gar nicht erreicht?

Eine kleine Geschichte:

Ein Indianer geht mit seinem Freund durch eine US-amerikanische Großstadt. Mitten im Lärm der Stadt bleibt der Indianer plötzlich stehen und sagt: „Hörst du die Grille?“

„Nein, ich höre nichts.“

Nach einiger Zeit lässt er eine Münze fallen. Sogleich bleiben einige stehen und schauen, auch sein Begleiter.
Darauf sagt der Indianer zu ihm: „Das hört Ihr!“

Hören wir nur, was wir wollen oder was uns wichtig ist oder was uns interessiert?

Es ist so. Und so können wir uns selbst testen, wie wichtig, wie interessant, wie glaubhaft mir Jesu Wort ist.

Impuls von Pater Wolfgang Nick SSCC

2. Sonntag im Jahreskreis

19. Januar 2020

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 1, 29–34)

In jener Zeit 29sah Johannes der Täufer Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. 30Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 31Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, um Israel mit ihm bekannt zu machen. 32Und Johannes bezeugte: Ich sah. dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. 33Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen siehst und auf wem er bleibt, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34Das habe ich gesehen. und ich bezeuge: Er ist der Sohn Gottes.

Auch ich kannte ihn nicht“. In einem so kurzen Text wiederholt sich ein Satz wörtlich. Bei einem begabten Schriftsteller, wie dem Autor des Johannesevangeliums, kann das kein Zufall sein. Johannes der Täufer macht sich nichts vor und er will seinen Hörern nichts vor machen: „Auch ich kannte ihn nicht“. Als Johannes schon im Gefängnis des Herodes war schickte er zu Jesus um ihn fragen zu lassen: bist du es auf den wir warten oder sollen wir auf einen anderen warten? „Jesus antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen; Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird Frohe Botschaft verkündet.“ (Mt 11, 2 – 5). Da wo der Mensch ernst genommen wird, da wo es den Menschen besser geht, da wo Menschen neue Hoffnung schöpfen, da wo Freude im Herzen aufkommt, da ist Jesus und das Reich Gottes, dessen Ausbreitung Jesus verkündete. Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist, sagt Paulus (Römer 14, 17). Egal wo Gerechtigkeit und Friede und Freude aufbrechen, da ist Jesus und da ist das Reich Gottes. Und also umgekehrt, wo Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird, wo der Friede sich in Schrecken, Angst und Schmerz wandelt, wo die Freude zur dumpfen Hoffnungslosigkeit wird, da ist Jesus nicht.

Nicht überall wo Jesus draufsteht ist auch Jesus drin. Fragen wir, wie Johannes. 

Impuls von Martin Königstein SSCC

 

„Taufe des Herrn“ – 12. Januar 2020

Matthäusevangelium 3,13-17

Er verhält sich wie die anderen auch: Da, wo die Menschen sich taufen lassen, stellt sich auch Gottes Sohn an. Er wartet in der vorgesehenen Reihe ohne Sonderbehandlung und lässt sich auch kein besonderes Wasser zubereiten. In der Jugendkirche „Effata“ in Münster hat man ihm vor einem Jahr einen Hocker angeboten, den es halt eben gab. Im zu dem Hocker passenden Sessel konnte man Platz nehmen und die „Jesus-Figur“ ansehen oder besser noch sich von ihr (oder IHM) ansehen lassen.
Taufe ist die Zusage Gottes, sein geliebter Sohn zu sein, am konkreten Ort, der so ist, wie er ist: frei von Inszenierung und Sonderwünschen. Diese Sohnschaft, das heißt, diese Liebe Gottes zu Jesus, seinem Sohn, ist allen Menschen, Frauen wie Männern zugesagt. Gott sagt Ja zu jeder Person, wie er zu Jesus am Jordan Ja gesagt hat. Und dieses Jawort und die damit verbundene Zusage ewiger Liebe gilt immer und überall. Das geht, weil Gott seine Liebe der Person zusagt. Wenn auch jede Person mehr oder weniger Taten vorzuweisen hat, die nicht von Gott gewollt sind, liebt Gott die Person; selbst dann, wenn er deren Taten nicht liebt.

Pater Manfred Kollig SSCC (Text und Bild)

2. Sonntag nach Weihnachten – 5. Januar 2020

Johannesevangelium 1,1-18

Die Weihnachtsevangelien wollen und können nicht erzählen, wie alles tatsächlich gewesen ist mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes, mit der Geburt Jesu in Bethlehem. Handelt es sich bei den Weihnachtserzählungen doch um die jüngsten Stücke der Evangelien – erst nachträglich aus der Sicht von Ostern gewonnene Vorspänne; sozusagen Rückblenden aus der Zeit nach Ostern in die Zeit der Anfänge.

Sie haben die gleiche Aufgabe wie Rückblenden beim Film: denjenigen zu charakterisieren, um den es geht, - am besten durch einen Namen, der als Schlüssel für das ganze weitere Evangelium dienen kann.

Johannes hat die neue Umschreibung für Christus: „Das Wort“.

Darüber hinaus ist „Das Wort“ als Name für Jesus äußerst zutreffend:

  • weil er wie kein anderer Mann des Gesprächs, des aufmerksamen Zuhörens, des treffenden, tröstenden, heilenden, provozierenden Wortes war. In seinem Wort liegt das Leben und die Macht, Kinder Gottes zu werden;
  • weil sein Wort Orientierung gibt; Leben erhellt; Sinn vermittelt; „Wahrheit und Licht der Welt“ ist;
  • schließlich muss man fragen und hören, wessen Wort Jesus ist. Er ist das Wort des Vaters an uns. In ihm ist das „Ja Gottes“ zu uns gekommen. So weist Jesus als das Wort über sich hinaus in den Anfang zurück; die Rückblende des Prologs verliert sich im „unzugänglichen Licht.“
    „Das Wort ist Fleisch geworden“ meint also nichts anderes als das Lukasevangelium mit seinen Worten „Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, Christus der Herr“.

Pater Heinz Klapsing SSCC

1. Sonntag nach Weihnachten

29. Dezember 201

Evangelium nach Matthäus 2.13–15, 19–23

Fest der Heiligen Familie

Die Kindheit Jesu, wie der Evangelist Matthäus sie schildert, ist alles andere als eine Idylle. Von Anfang an ist das Kind tödlicher Verfolgung ausgesetzt. Der amtierende König erträgt die Konkurrenz des neugeborenen Königs nicht, und der Schwächere tut gut daran, aus dem Machtbereich des Stärkeren zu fliehen.

Darin spiegelt sich die Geschichte unserer Zeit und der Menschheit überhaupt. Auf unserer Erde sind siebzig Millionen Menschen aus verschiedenen Gründen auf der Flucht, um wenigstens zu überleben.

Weihnachten feierten wir, dass Gott selbst in Jesus in unsere Geschichte eingeht. Am Sonntag der Heiligen Familie  hören wir, wie dieser „Gott mit uns“ vertrieben, zum Flüchtling wird. Damit gibt der Evangelist eine Vorahnung vom Leidensweg des Kindes von Bethlehem und von dessen Passion.

Aber wie der Vater den jungen Jesus nicht der Macht des Herodes überließ, so wird er ihn auch am Kreuz nicht dem Tod überlassen, sondern in seiner Auferstehung zu neuem Leben rufen. Alle Tage bis zum Ende der Zeit, sogar über den Tod hinaus, soll er in unser Leben eintreten und sich als der „Gott mit uns“ erweisen.

Diese Botschaft geht auch vom Bild der 

            „Muttergottes von der immerwährenden Hilfe“ aus.

Jesus ist in seiner Geburt durch Maria wahrer Mensch geworden, den die Mutter liebevoll auf ihren Händen trägt. Diesem Kind wird Leid und Tod nicht erspart bleiben, worauf der Evangelist  Matthäus mit der Schilderung der Flucht nach Ägypten und die im christlichen Volk hochverehrte Ikone zeigt: Dem Kind werden die Leidenswergzeuge – Kreuz und Lanze - vor Augen gestellt. Gott hat seine Menschwerdung bis in den Tod ernst genommen; er leidet mit uns, darauf dürfen wir und auch alle Flüchtlinge der Welt unsere Hoffnung am Anfang dieses neuen Jahres setzen, und wie er uns dem Schutz der Gottesmutter anvertrauen. 

Impuls von Pater Heinz Klapsing SSCC

 

 

 

4. Advent – 22. Dezember 2019

Evangelium nach Matthäus 1,18-24/25

„… und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns.“
Das ist die zentrale Aussage dieses Evangeliumstextes. In der Adventszeit singen wir das Lied: „O komm, o komm, Emmanuel, du Licht der Welt, du Himmelskind, du Gottessohn. Bald kommt dein Heil: Emmanuel!“ und in der Weihnachtszeit in der 7. Strophe des Liedes „Jauchzet, ihr Himmel“ singen wir: „Süßer Immanuel, werd auch in mir nun geboren, wohne in mir“. „Immanuel – Gott mit uns“, das ist unser Glaube und unsere Hoffnung. An vielen Stellen in unserem Leben erfahren wir diese Zusage, am Intensivsten jedoch in der Eucharistiefeier: Gott lebt unter uns, durch uns will er in dieser Welt für diese Welt da sein.
Durch die Teilnahme am Mahl haben wir jetzt schon Anteil an Gottes Zusage, damit aber verbunden den Auftrag an jede/n von uns, diese Frohe Botschaft in die Welt, zu den Menschen zu tragen und sie dafür zu begeistern. Dazu segne und stärke uns der immer Mit-uns-gehende-Gott.

Einen besinnlichen vierten Advent und eine gesegnete frohe Weihnachtszeit

Elfriede Kuhmann

3. Advent – 15. Dezember 2019

Matthäus-Evangelium 11,2-11

Bist du es, der da kommen soll oder müssen wir auf einen andren warten?
Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder und Lahme gehen;
Aussätzige werden rein und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium,
die Frohe Botschaft verkündet. Selig ist, wer an mir, Jesus keinen Anstoß nimmt.

Der Kleinbauer aus Kenia gibt nicht auf, Bäume gegen die Bodenerosion und für gute Luft zu pflanzen, denn er hat anders als die Politiker*innen auf den Welt-Klimagipfel die Folgen des Klimawandels erfahren. Er ermutigt andere Kleinbauer – ein ermutigender Film „Danke für den Regen“.
Paulino, der Wächter des Waldes im Amazonasgebiet wurde erschossen, aber die Amazonassynode lässt sein Engagement auferstehen, ruft auf zum Schutz der indigenen Völker und ihrem Einsatz für den Wald.
Pfarrer Tobias Funke in Dresden entwickelt mit seiner Gemeinde alte Ideen neu, um „anders zu wachsen“ wie z.B. Waldluft statt Parfüm, Zoobesuch statt Stofftier oder eine Sommerschatzsuche-Ferienwoche, in der Materialien der Umgebung (Natur, Müll) neu entdeckt und die eigenen Kompetenzen gefördert werden wie reparieren statt wegwerfen....
Die Initiative „Kreativ gegen Kohle“ kämpft mit Unterschriftaktion gegen die Zerstörung weiterer Dörfer durch Kohleabbau „Die Kirchen im Dorf lassen“....
Lassen wir uns ermutigen durch diese Mitmenschen, im Namen Jesu heute uns Armen und der ganzen Schöpfung das Evangelium zu verkünden, schmackhaft zu machen. Und die Jugend haben wir dann auch noch an unsrer Seite!

Pater Wolfgang Jungheim SSCC

Weiterlesen: www.friedensdekade.de/

2. Advent – 8. Dezember 2019

Matthäus-Evangelium 3,1-12

Wahlmöglichkeiten

Kaum eine Zeit des Jahres bestürmt unsere Sinne in dem Maße, wie die angeblich so stille Adventszeit. Die Zeit der Weihnachtsmärkte, Weihnachtskonzerte und Weihnachtsfeiern setzt uns einem beständigen Ansturm von Bildern, Geschmäckern, Gerüchen und Klängen aus. Das Angebot ist riesig:

Klassischer Weihnachtsmarkt im Schatten alter Fachwerkgiebel oder Weihnachtsmarkt im Wald, im Schloss oder auf dem Bauernhof?
Reibekuchen, Marzipan oder Glühwein?
Kinderschola, Kirchenchor oder Orgelmeditation?
Kitsch oder Kunst an tausend Verkaufsständen?

Ehrlich gesagt, ist dies eine Auswahl, die uns eigentlich überfordert. Ich habe doch nur eine Geldbörse; ich kann doch nur zwei Gläser Glühwein trinken; ich muss doch höchstens drei Märkte besucht haben, um zu entdecken, dass im Grunde alles gleich ist und ich habe doch nur vier Wochen, wie soll ich da alle Angebote wahrnehmen?

Die tausend Reize überfordern. Unsere Sinne sind verwirrt und wir haben das Gefühl, dass dem suchenden Herzen trotzdem etwas fehlt.

Das Kirchenjahr macht diesen Rummel nicht mit. Wir werden zu einer Entscheidung aufgefordert. Es ist nicht die unverbindliche Frage, ob ich ein Reibeplätzchen oder eine Thüringer Bratwurst esse. Der Advent kennt nur eine Wahl: Erwarte etwas von Got. Nur er ist unser Heil.

Es ist schade, dass der Advent zu einer Zeit der Beliebigkeiten verkommen ist.

Die biblischen Texte dieser Zeit sind eindeutig. Es kommen warnende Worte, die uns zeigen, dass wir im Leben oft genug verhängnisvolle Entscheidungen treffen. Es kommen Worte voller Trost und Hoffnung und es kommt die große Verheißung: In Christus erscheint die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes.

Pater Heinz Josef Catrein SSCC

35. Sonntag im Jahreskreis

1. Advent – 1. Dezember 2019

Was haben wir doch für einen Gott!

Die liturgischen Texte am Ende des Kirchenjahres und jetzt, zu Beginn des neuen Kirchenjahres, haben es in sich. Sie kommen auf den ersten Blick als alles andere denn als frohe Botschaft rüber; sind nichts für ängstliche Gemüter. Immer wieder ist von Zerstörung die Rede, schrecklichen Ereignissen, Weltuntergang.

Und trotzdem unverdrossen: Gute Nachricht. Frohe Botschaft.

Auch das heutige Evangelium vom Weltuntergang ist kein Katastrophen-Szenario mit tödlichem Ausgang. Seine Botschaft ist die Zusage, dass Gott immer noch das Heft in der Hand hat und in der Hand behält, auch wenn man ihm das auf Erden und auch in der Kirche nicht mehr zutraut. Es gibt den allmächtigen Gott tatsächlich noch und so dürfen wir getrost und selbstbewusst den Kopf hochhalten. Unser Glaube wird Recht behalten. Unsere Hoffnung wird Recht behalten. Die Liebe wird Recht behalten. Der Himmel wird Recht behalten.

In allem Durcheinander und Chaos, aller Erbärmlichkeit in uns und um uns – welch eine Zusage, welch ein Luxus, purer Luxus, Gottes Luxus – für jeden und jede von uns, für alle Menschen. Was haben wir doch für einen wunderbaren Gott, der heillose Zeit in zeitloses Heil verwandeln wird. Der Untergang dieser Erde ist der Aufgang seiner Welt. Gott sei Dank! – Aber noch ist Advent!

Impuls von Pater Hans-Ulrich Willms SSCC 

 

34. Sonntag im Jahreskreis

24. November 2019

Christkönig – Lukasevangelium 23, 35-41

Im Sonntagsevangelium tritt uns der Spott mit voller Wucht entgegen. 
Aber alle, die den gekreuzigten Jesu verspotten, verkünden eine Wahrheit:

„Anderen hat er geholfen.“

Das ist die kürzeste und treffendste Charakterisierung Jesu.
Klar gesagt, was er in seinem Leben gesagt und getan hat: Anderen hat er geholfen!

Dass Andere leben können, das war sein Lebensinhalt. Er verstand sich als Mensch, der für Andere da war; an sich selbst hat er wohl am wenigsten gedacht; ja, selbst am Kreuz denkt er an Andere. 

Dieser Jesus, nicht von hochwohlgeborenen, huldvoll lächelnden Gestalten umgeben, sondern von gefühllosen Soldaten, die ihren Spott mit ihm treiben. Dieser König, von dem Lukas spricht, ist eigentlich ein Anti-König, auf den alles passt – nur nicht unsere Vorstellungen von einem König.
Und wer gehört zu ihm?

Frauen und Männer, Kinder und Senioren, Einheimische und Fremde, Reiche und Arme, Angesehene und Ausgegrenzte, Etablierte und jene ohne jede Lobby. Alle, die sich zu ihm bekennen; alle, die sein Wort hören und sei es auch nur bruchstückhaft; alle, die mit dazu beitragen, damit die Welt besser wird, damit die Menschen in Frieden und Anerkennung, in Würde und gegenseitiger Achtung leben.

 

Impuls von Pater Wolfgang Nick SSCC

 

33. Sonntag im Jahreskreis

17. November 2019

Wenn Ihr standhaft bleibt, werdet Ihr das Leben gewinnen.“ 
(aus dem Sonntagsevangelium nach Lukas 21, 19)

Unser Leben besteht aus Alltag und wir bestehen unser Leben im Alltag. Das erscheint uns manchmal eintönig, grau, routinehaft, langweilig. In unserer Gesellschaft gibt es viele Möglichkeiten dem Alltag zu entfliehen. „Wir kaufen uns glücklich“ steht auf den Eingangstüren eines Einkaufszentrums, „Last-minute-Angebote“ versprechen uns immer wieder dem Alltag zu entkommen. Wir machen aus allem einen „Event“. Der auferstandene Jesus lädt seine Jünger*innen ein, ihm im Alltag zu begegnen und im Alltag wiederzuerkennen. 

Madeleine Delbrêl erzählt, wie sie versucht, standhaft zu sein im Alltag, in der U-Bahn:
„Alle Straßen sind begehbar, in jeder U-Bahn kann man sitzen, alle Treppen steigen, (…)
Herr, gib wenigstens, dass die Kruste, die mich bedeckt, dir kein Hindernis sei. Geh durch.
Meine Augen, meine Hände, mein Mund sind dein.
Diese so traurige Frau mir gegenüber: hier ist mein Mund, damit du ihr zulächelst.
Dieses vor Bleichheit fast graue Kind: hier meine Augen, damit du es anschaust.
Dieser so müde, so müde Mann: hier ist mein Leib, damit du ihm meinen Platz gibst und meine Stimme, damit du ihm leise sagst: „Setz dich.”
Dieser so dumme, eingebildete, harte Bursche: hier ist mein Herz, dass du ihn liebst, stärker, als er je geliebt wurde.”
(M. Delbrêl, Wir Nachbarn der Kommunisten, Einsiedeln 1975, S. 54 –56)

Impuls von Pter Martin Königstein SSCC

 

32. Sonntag im Jahreskreis

10. November 2019

Lesung aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessalonich (2,16-3,5)

„Der Herr richte eure Herzen auf die Liebe Gottes aus und auf die Geduld Christi.“ Dieses Wort aus dem 2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Thessalónich ist Teil der 2. Lesung in der Liturgie dieses Sonntags. Im Nachklang zum 9. November hat diese Aussage einen besonderen Klang: Mehr als 80 Jahre ist es her, dass in der Reichspogromnacht die Verfolgung des Jüdischen Volkes in Deutschland einen traurigen Höhepunkt erreichte; vor 30 Jahren fiel die Mauer, die Ost- und West-Deutschland voneinander trennte.

Heute drehen sich die Diskussionen in unserem Land um Umweltschutz und Extremismus. Innerhalb der Katholischen Kirche in Deutschland werden im Rahmen des synodalen Weges Umgang mit Macht, das Amt (und die Frau) in der Kirche, die Sexualmoral, die Priesterliche Lebensform und bei alledem das Miteinander von Klerikern und Laien thematisiert. Darüber nachzudenken ist wichtig; Kirche zu reformieren ist eine bleibende Aufgabe.

Paulus bespricht mit seinen Gemeinden nicht nur Themen. Er erinnert daran, dass Probleme angegangen und kirchliche und politische Konflikte gelöst werden können, wenn alle Beteiligten ihre Herzen auf die Liebe Gottes ausrichten, die allen Menschen zugesagt ist; ganz gleich, welche  religiösen oder politischen Thesen sie vertreten. 80 oder 30 Jahre später: Müsste da nicht alles „vergeben und vergessen“ sein? NEIN, vergessen birgt die Gefahr, nicht aus Fehlern oder Erfolgen zu lernen. Wo es uns nicht schnell genug geht und andere sich nicht zügig genug ändern, kann es helfen, die Geduld Jesu zu betrachten. Er hat im Umgang mit Menschen wie Petrus vorgelebt, dass Gras nicht schneller wächst, wenn wir daran ziehen.

Pater Manfred Kollig SSCC

31. Sonntag im Jahreskreis

3. November 2019

Evangelium nach Lukas 19,1–10

Im Evangelium vom Sonntag begegnet uns ein Wort, das der Evangelist Lukas mehrmals hervorhebt, wenn er etwas besonders Wichtiges einleiten will: Heute“. Als der Engel den Hirten die Geburt des Heilands verkündet, heißt es: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren.“ Am Schluss des Evangeliums hören wir aus dem Mund Jesu, wie er am Kreuz dem reumütigen Schächer versichert: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Und zu dem Zöllner Zachäus sagt er: „Heute muss ich in deinem Haus bleiben.“

Schon immer wollte Zachäus Jesus, von dem er so viel gehört hatte, sehen. Weil er aber klein von Statur war, war ihm die Sicht genommen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als auf einen Baum zu klettern. Doch statt sich über ihn lustig zu machen, ruft Jesus ihn herunter mit den Worten: „Heute muss ich in deinem Haus zu Gast sein.“

Wer die Nähe Jesu erfahren möchte, muss auch bereit sein, die Konsequenzen aus dieser Begegnung zu ziehen - nämlich nicht nur dem einzelnen Zöllner respektvoll zu begegnen, sondern auch Blinden wieder Perspektiven aufzuzeigen, Kranken tätige Liebe zu erweisen, von der Gesellschaft Ausgeschlossenen und Verachteten mit Verständnis und Hilfe zu begegnen.

Zachäus hat den Besuch Jesu dazu genutzt, seinem Leben eine neue, sinnstiftende Richtung in der Nachfolge Jesu zu geben. So hatte sich für ihn das Wort Jesu erfüllt: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden.“

Erinnern wir uns an eine Begegnung mit Jesus, von der wir sagen können: „Das war „mein Heute“? 

Pater Heinz Klapsing SSCC

30. Sonntag im Jahreskreis – 27. Oktober 2019

Evangelium nach Lukas, 18.9-14

Pharisäer oder Zöllner? Jesus versucht das Verhalten einiger seiner Zuhörer, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt sind und somit andere verachten, zu korrigieren.
Haben sich die Menschen in ihrem Verhalten seit der Zeit Jesus verändert? Nein! Es gibt immer noch viele Menschen, die ihr Handeln für gerechter halten als andere. Sie haben heute nur andere Berufe wie z.B. Politiker/in, Pfleger/in, Wissenschaftler/in, Verkäufer/in. Wo ordnen wir uns als praktizierende Christen ein? Ich höre schon mit dem Brustton der Überzeugung von vielen: „natürlich beim Zöllner“. Halten wir ehrlich einmal Inne und überprüfen unser Denken. Sind nicht vielleicht beide, der Pharisäer und der Zöllner, in uns zu finden?
Als Christen sollen wir weltweit unterwegs sein im Auftrag Jesu, uns für Gerechtigkeit einzusetzen.
Und noch etwas: In jedem Menschen begegnet uns Christus. Das fordert uns immer wieder von Neuem heraus, mit allen Menschen auf Augenhöhe zu sein und zu bleiben.
Beten wir für eine gerechtere Welt.

Elfriede Kuhmann

29. Sonntag im Jahreskreis – 20. Oktober 2019

Evangelium nach Lukas 18,1-8

Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern bei ihnen zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde finden?

Die arme Witwe macht deutlich, dass wir uns um das Recht bemühen müssen mit vollem Einsatz und das Gebet zu Gott, die Bitte um die wahrhaftige Kraft zum Guten soll nicht enden, solange Unrecht existiert.
Auch sind wir gerufen, uns zu vernetzen im Schreien um die Rechte der Menschen, besonders derer in Not, denn die Verantwortlichen heute sind nicht besser als die Richter damals. Sie versuchen, zu überhören, abzuschütteln, sich abzuschotten...
Ganz deutlich wird es im Versuch selbst der demokratischen Parteien, der Zivilgesellschaft und ihren Netzwerken wie Attac oder Deutsche Umwelthilfe oder Abgeordnetenwatch oder … den Hahn der Gemeinnützigkeit abzudrehen, damit sie „verdursten“, während sie den Hahn für Lobbyisten der Wirtschaft reichlich fließen lassen. Mehr denn je hat die Zivilgesellschaft Bedeutung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und die kirchlichen Hilfswerke erweisen ihre Glaubwürdigkeit und Notwendigkeit, wenn sie sich mit der Zivilgesellschaft vernetzen und auch laut klagen und einfordern und auf die Straßen gehen wie damals vor 30 Jahren in Leipzig. Das ist Gebet! Wir sollten es nähren in Seinem Mahl und im Hören auf Sein Wort und im Besinnen vor IHM, der den Weg der Hingabe für Recht und Gerechtigkeit öffentlich demonstrativ ging im Vertrauen auf den Vater und erhört wurde, auferweckt zu seinem Recht kommt. Glauben wir an IHN und sein Vertrauen und seinen Einsatz!?

Wir sind Gesandte an Christi statt
„Niemand ist unnütz und unbedeutend für die Liebe Gottes. Jeder von uns ist eine Mission in der Welt, weil er Frucht der Liebe Gottes ist“ (Papst Franziskus)

Pater Wolfgang Jungheim SSCC

mehr:https://www.missio-hilft.de/mitmachen/weltmissionssonntag-2019/.

28. Sonntag im Jahreskreis - 13. Oktober 2019

Evangelium nach Lukas 17,11-19

Danke!

Dass von zehn Aussätzigen nur einer zurückkommt, um Jesus für die Heilung zu danken, empfinden wir als schäbig. Das darf doch nicht wahr sein? Ein Missverhältnis von 9 zu 1. Neunmal Undank und nur einmal Dank. Es fällt leicht, sich zu empören.
Eine andere Sache ist natürlich die Tatsache, wie berechtigt unsere Empörung wirklich ist? Wie dankbar sind wir denn?
Natürlich sagen wir als höfliche Menschen ,,Danke", wenn man uns eine Tür aufhält, ein Glas Bier serviert oder ,,gute Besserung" wünscht. Aber es geht nicht um diese reflexartig eingeübte Alltagshöflichkeit.
Dankbarkeit ist eine Grundhaltung des Glaubens. Die entscheidenden Dinge unseres Lebens bekommen wir doch ohne unseren Verdienst. Wir leben, atmen, essen und trinken. Wir sind von Anfang unseres Lebens an von Menschen begleitet worden, die uns Liebe und Fürsorge schenkten. Wir haben vielerlei Begabungen und durften vielerlei lernen. Im Sakrament der Taufe sind wir in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen worden, lernten Christus kennen und fanden Menschen, mit denen zusammen wir ihm dienen dürfen.
Wir haben in Jesus Christus einen Bruder, der uns Fehler vergibt, in ausweglosen Situationen Hoffnung verleiht und uns zur Vollendung führt.

Ist uns bewusst, was uns da alles geschenkt ist? Wir nehmen vieles als ganz selbstverständlich an, und unsere Bilanz von Dank und Undank kann auch schnell 1 zu 9 ausgehen. Glauben heißt danken, und nicht ohne Grund heißt unsere wichtigste liturgische Feier ,,Eucharistie". Eucharistie aber heißt ,,Danksagung".

Pater Heinz Josef Catrein SSCC

27. Sonntag im Jahreskreis – 6. Oktober 2019

Evangelium nach Lukas 17,5-10

Erntedank

"Das war heute schön! Toll, wie der Küster geschmückt hat. Vor dem Altar einen großen Berg von Früchten, Kartoffeln, Brot und Wein und Blumen. Echt super. Musst du dir anschauen. Lohnt sich."
Ich war ein wenig irritiert und bin es immer noch. Schön, dass sie die viele Arbeit des Küsters sieht. Hat sie ihm das auch gesagt? Ich habe den Eindruck, uns sind drei Worte abhanden gekommen: Danke, Bitte, Entschuldigung.
Warum nicht mal so?!
Ich danke dir, dass du dir so viel Arbeit und Mühe machst.
Ich danke dir, dass du dich so um und für uns sorgst.
Ich danke dir, dass ich mich bei dir angenommen fühle.
Ich danke dir, dass dein Blick mich liebevoll umfängt.
Ich danke dir, dass du mich so annimmst wie ich bin.
Ich danke dir, dass ich bei dir meine Sorgen und Probleme sagen darf.
Ich danke dir, dass du mir zuhörst.
Ich danke dir, dass ...
Es gibt so viel zum Danken und so Vielen. Obwohl uns bewusst ist, dass das Danken das Leben lebens- und liebenswerter macht,
warum unterlassen wir es?

Einen Tag des herzlichen Dankens wünscht
Pater Wolfgang Nick SSCC

 

26. Sonntag im Jahreskreis

29. September 2019

Aus dem Sonntagsevangelium (Lukas 15, 1–32):

„Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.“ 

Lukas 16, 19–31

In ganz knappen Pinselstrichen zeichnet uns Lukas in diesem Text zwei ganz verschiedene Perspektiven auf das eigene Leben, auf die Mitmenschen und die Lebensumstände. Es kommt darauf an, wo ich stehe, von woher ich schaue, so erlebe und sehe ich das Leben und die Dinge. 

Das bedeutet, dass wir fast nie einen umfassenden Blick auf die Dinge, das Leben und die Menschen, und somit auch nicht auf Gott haben, wenn wir uns nicht bewegen und uns auf andere Blick-Punkte stellen und von da aus neu schauen. Und doch tun wir doch oft so, als ob unsere Sichtweise, meine Art die Dinge zu verstehen, die allgemein und allein gültige wären.

Auf verschiedene Weise lädt Jesus uns im Evangelium immer wieder ein, uns auf den Platz des anderen zu stellen, in seine Haut zu schlüpfen, um noch einmal zu schauen, um zu sehen wie sich von dort her das Leben anfühlt. 

Es scheint, dass die Menschen, dass wir immer weniger dazu in der Lage sind, immer weniger bereit sind unseren eigenen Standpunkt zu relativieren und noch einmal zu überprüfen. 

Jesus stand immer neben Lazarus, neben den armen Schluckern, von der Schwäche her hat er versucht, uns Wege der Geschwisterlichkeit, der Gerechtigkeit zu zeigen. Wege, auf denen Frieden möglich wird. 

Impuls von Martin Königstein SSCC

Impuls zum 25. Sonntag im Jahreskreis

Minuszinsen

Der Prophet Amos wendet sich in der 1. Lesung an diesem Sonntag an alle Menschen, die die Armen verfolgen und die ohnehin Gebeugten unterdrücken. Er droht ihnen, dass Jahwe ihre Taten nicht vergessen wird. Wer die Armen unterdrückt und sein Eigentum nicht teilt, wird vielleicht erleben, dass der Wert seines Eigentums steigt. Aber sein eigener Wert und der Wert seines Lebens werden sinken. Was der Prophet schreibt, erinnert an das Wort Jesu: "Was ihr dem Geringsten nicht getan habt, das habt ihr mir nicht getan." (Matthäus 25,45). Minuszinsen, die wir vielleicht schon oder bald auf unser Erspartes zahlen, mögen uns aus gutem Grund ärgern. Bedrohlicher für uns und für die Gesellschaft sind aber jene Minuszinsen, die wir zahlen, wenn wir unseren Wohlstand nicht teilen, sondern ihn gedankenlos und selbstverständlich anhäufen und nur für uns selbst gebrauchen.

Foto und Text: P. Manfred Kollig SSCC

24. Sonntag im Jahreskreis – 15. September 2019

Evangelium nach Lukas 15, 1-32

Auf dem Bahnsteig eines großen Bahnhofs kann man oft Menschen beobachten, die ganz aufgeregt immer wieder auf die Uhr schauen und dann ganz angespannt in die Richtung aus der der erwartete Zug einfahren soll. Kommt er dann endlich, wird jedes Fenster mit den Augen abgetastet, ob sich vielleicht die oder der Erwartete dahinter erkennen lässt. Dann hält der Zug, die Türen gehen auf, und schon bald wird der geliebte Mensch unter all den anderen ausgemacht. Froh einander gefunden zu haben, fällt die Begrüßung herzlich aus. Freude und Dankbarkeit auf beiden Seiten.
Vom Suchen und Gefundenwerden handeln im heutigen Evangelium zwei Gleichnisse. Zunächst wird von einem Mann berichtet, der von hundert Schafen – Zeichen eines großen Reichtums - eines verloren hat. Dann wird von einer armen Frau erzählt, die von ihren wenigen Ersparnissen eine Drachme - Tageslohn eines Arbeiters - verloren hat.
Im Sinn Jesu weisen beide Erzählungen auf Gott. Gott macht sich auf die Suche nach dem Menschen. Für ihn ist jeder Mensch – ob reich oder arm, Mann oder Frau – zu viel wert, als dass sein Leben ihm gleichgültig wäre. Dabei wartet Gott nicht auf die Hinwendung des Menschen zu ihm. Er tut alles Mögliche, um ihn heimzuholen und ruht nicht eher, als bis er den Menschen gefunden hat und bei ihm zur Ruhe kommt.
Dieses Verhalten Gottes ist Maßstab für unseren Umgang mit den an den Rand Geratenen. Christen sollen auch die im Blick behalten, die nicht mehr in der Herde mitmachen und sich von ihr getrennt haben; sie sollen sie nicht verloren geben, sondern sich um sie kümmern, ihnen nach und auf sie zugehen.

Pater Heinz Klappsing SSCC

 

23. Sonntag im Jahreskreis – 8. September 2019

Evangelium nach Lukas 14,25-33

Hart sind die Worte Jesu: Wenn jemand nicht sein ganzes Leben geringachtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Ist das, was Jesus da fordert, überhaupt für uns lebbar? Nun, wir könnten es uns einfach machen und sagen, dass es um eine besondere Nachfolge Jesu geht, die nur für einige wenige Auserwählte gilt, zum Beispiel für Ordensleute. Aber das, was Jesus sagt, geht uns alle an. Da gibt es nichts zu interpretieren. Es geht eben nicht nur um ein bisschen Nachfolge, Nächstenliebe, Frieden oder Gerechtigkeit. Ein bisschen Nachfolge bleibt ebenso dürftig wie ein bisschen Liebe, ein bisschen Gerechtigkeit oder ein bisschen Freiheit. Jesus will unser konsequentes Eintreten für Gerechtigkeit, unser ungeteiltes Ja zum Leben, auch und gerade dann, wenn uns der Wind mitunter stark ins Gesicht bläst. Er will unsere ganze Liebe. Jesus will uns ohne Wenn und Aber. Darum geht es ihm, nicht um einen besonderen Auftrag für einige wenige. Stärken wir uns durch sein Wort und sein Brot und leben wir seine Botschaft.

Impuls zum Sonntagsevangelium: Elfriede Kuhmann

22. Sonntag im Jahreskreis – 1. September 2019

Evangelium nach Lukas 14,1.7-14 und Lesung aus dem Buch Jesus Sirach 3,17-18.20.28-29

Antikriegstag (1.9.1939 Beginn des 2. Weltkriegs mit dem Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Polen)

Plakat: Nie wieder Krieg von Käthe Kollwitz
Käthe Kollwitz, Nie wieder Krieg

 „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, wer sich selbst erniedrigt,wird
erhöht werden… Wenn du ein Essen gibst, lad Arme, Behinderte... ein, denn sie
können es dir nicht vergelten; dir wird es vergolten werden bei der Auferstehung
der Gerechten.“ (Lukas 14,1.7-14)

 „Bleibe bescheiden… Je größer du bist, umso mehr demütige dich... Es gibt keine
 Heilung für das Unglück des Hochmütigen, denn eine Pflanze der Bosheit hat in
 ihm Wurzel geschlagen...“ (Jesus Sirach 3,18 ff.)

Ich zuerst... Amerika first... Deutschland den Deutschen... Dem neuen Kalten Krieg im Kleinen und im Großen - befeuert von verantwortungslosem Reden, Hetzen von oben und unten – die Haltung und Vision Jesu entgegenhalten!
 
Katholische Bischöfe der USA angesichts der Schusswaffen-Attacken von El Paso und Dayton: „Das ist eine Epidemie gegen das Leben, der wir mit Gerechtigkeit entgegentreten müssen... Die Geißel der Waffengewalt breitet sich unkontrolliert im ganzen Land aus. Es ist an der Zeit, die Stimme für einen Wandel in Politik und Gesellschaft zu erheben... Mehr sinnlose Waffengewalt, mehr weißer Nationalismus, mehr Verachtung für die Heiligkeit des menschlichen Lebens sind zu beklagen. … Wir müssen eine liebende Gemeinschaft schafften, wie sie Jesus als Vision hatte...“
 
„Wir werden nicht zulassen, dass Hass gleich welcher Art, insbesondere der Hass auf das Judentum sein Ziel erreicht, unsere Gesellschaft zu spalten“, schrieb Erzbischof Koch dem Rabbiner Teichtal, der 63 Familienmitglieder in Ausschwitz verloren hat und nun in Berlin beschimpft und bespuckt wurde.

Margot Käßmann wirbt für Innehalten nach Gewalt auf Frankfurter Bahnhof: „Wir brauchen alle mehr Ruhe, um ernsthaft zu fragen, wie wir zu einem friedlichen Miteinander finden, anstatt den Hass wachsen zu lassen.“

Bischof Algermissen, Präsident der katholischen Friedensbewegung pax christi in Deutschland fordert nukleare Abrüstung „in einer Zeit, in der nukleare Regionalkrisen zu eskalieren drohen“.

Pater Wolfgang Jungheim SSCC

21. Sonntag im Jahreskreis – 25. August 2019

Evangelium nach Lukas 13,22-30

Mein Platz

Da hat man eine Platzkarte erworben und wartet auf den IC. Der fällt aus und beim Ersatzzug stimmt dann nichts mehr: Die Wagenreihung ist verändert, das Reservierungssystem ist zusammengebrochen und der Zug ist überfüllt, weil weniger Wagen als benötigt eingestellt wurden.

Das macht uns ärgerlich. Stillschweigend setzen wir voraus, dass die Bahn zu funktionieren hat, wenn wir sie in Anspruch nehmen. Unser Anspruchsniveau ist hoch. Für mich muss alles da sein: der gedeckte Tisch, das gut bestückte Konto, die vielen Dienste von der Müllabfuhr bis hin zum schmerzlosen Zahnarztbesuch. Wir sind verwöhnt. Das ist mein Recht, dafür habe ich immerhin gearbeitet, und überhaupt: Wem fällt es überhaupt ein, meine eigene Vortrefflichkeit und die daraus berechtigten Ansprüche nicht anzuerkennen? Und dieses Anspruchsdenken macht auch vor der Religion nicht halt.

Wir sind nicht allein mit dieser Denkweise. Im heutigen Evangelium macht Jesus seinem Volk klar, dass es nicht reicht, sich auf die Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer bestimmten Religion zu berufen. Die Namen Abraham, Isaak und Jakob stehen für diesen Anspruch, aber das hilft nichts. Teilhabe am Reich Gottes setzt unsere persönliche Anstrengung voraus. Da kann man sich keine Platzkarten reservieren, nein da muss man es mit der Nachfolge Christi ernst nehmen, und sein Leben zur Richtschnur für das eigene Leben machen. Das bedeutet, dass man das Leben mit anderen teilt, und nicht alles Mögliche für sich reserviert. Denn das kann nach den Worten Jesu böse ausgehen.

Pater Heinz Josef Catrein SSCC

20. Sonntag im Jahreskreis – 18. August 2019

Evangelium nach Lukas 12,49–53

»Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.«

Das ist ein ziemlich haariger Text, dem man sich, auch ich, am liebsten entziehen möchte. Eine Antwort fand ich beim Propheten Micha. Die Rede von der Spaltung bis in die Familie ist ein Zitat aus dem 7. Kapitel des Propheten Micha, bei dem die Entzweiung der nächsten Verwandten Merkmal der dem Ende vorausgehenden Not ist. Die Gerichtsanzeige bei Micha ist Folge sozialer Ungerechtigkeit. "... die Großen entscheiden nach ihrer Habgier - so verdrehen sie das Recht".

Ein Text von Wilhelm Willms sagt es in heutiger Sprache:

So reich waren wir nie wie heute,
so habgierig aber waren wir auch nie wie heute.

So satt ware wir nie wie heute,
so unersättlich aber waren wir auch nie wie heute.

So schöne Häuser hatten wir nie wie heute,
so unbehaust, so heimatlos aber waren wir auch nie wie heute.

So viel gesehen haben wir nie wie heute,
so blind aber waren wir nie wie heute.

So eng aufeinander haben die Menschen nie gelebt wie heute,
so weit weg voneinander aber waren die Menschen nie wie heute.

So hoch entwickelt waren wir nie wie heute,
so sehr am Ende aber waren wir nie wie heute.

Wir sehen die Zeichen, und jeder weiß eigentlich ganz gut, was zu tun ist.
Es fehlt das Tun.
Der Wille Gottes ist nicht: Macht diese Erde kaputt!

Impuls von Pater Wolfgang Nick SSCC 

19. Sonntag im Jahreskreis – 11. August 2019

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas 12,32–48

Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen.

Zur richtigen Zeit das Richtige tun. Dafür ist es notwendig ganz anwesend zu sein und ganz aufmerksam. Vielfach bin ich mit meinen Gedanken unterwegs, ich wandere und springe von einem Moment in der Vergangenheit zu einem anderen, oder aus der Vergangenheit in die Zukunft. Mir geht das nach, was ich gestern erlebt habe, es beschäftigt mich noch und meine Gedanken kreisen um die Freude, den Ärger, den Erfolg … von gestern. Oder mich befällt Angst oder Unbehagen, weil mich morgen etwas Schwieriges erwartet. Tatsache ist, dass ich kaum länger und aufmerksam gegenwärtig bin, jetzt und hier, bei der Person, die gerade mir gegenübersteht, bei den Umständen, die ich gerade gestalten könnte.

Dazu ein Gebet von Franz von Sales:

„Wenn dein Herz wandert oder leidet,
bringe es behutsam an seinen Platz zurück
und versetze es sanft in die Gegenwart deines Herrn.
Und selbst wenn du in deinem Leben nichts getan hast,
außer dein Herz zurückzubringen
und wieder in die Gegenwart Gottes zu versetzen,
obwohl es jedes Mal wieder fortlief,
nachdem du es zurückgeholt hattest,
dann hast du dein Leben wohl erfüllt."

Martin Königstein SSCC

18. Sonntag im Jahreskreis – 4. August 2019

Evangelium nach Lukas 12,13–21

Wieviel "reicher Kornbauer" steckt in mir?

HERR, DU warnst uns vor jeder Art von „Mehr-haben-wollen“. 

Mit gutem Grund, denn mir liegt es so nahe: Was gut war, will ich festhalten, will mehr davon, will es auf Dauer!

Und meine Gedanken kreisen oft um das, was morgen sein könnte. Mein Vertrauen darin, dass ich Lösungen dann finden werde, wenn Probleme auftauchen und dass DU dann bei mir sein wirst, um mögliches Leid mitzutragen, ist offenbar gering. Ich spüre immer wieder den starken Drang, Sicherheiten zu schaffen und Leid um jeden Preis zu vermeiden. Wie der reiche Kornbauer baue ich lieber größere Scheunen, lege Vorräte für das ungewisse Morgen an, glaube, das "Mehr-haben" mehr Sicherheit und mehr Erfüllung bedeutet. 

HERR, wenn ich in den nächsten Wochen das Korn auf den Feldern reifen sehe, will ich daran denken, dass DU es gut mit mir meinst. Ich will mich erinnern daran, dass DU weisst, dass meine Seele anderes braucht, nicht materielle Nahrung und Besitz, um zur Ruhe zu kommen. 

HERR, ich bitte DICH, lass mich mein Leben nicht auf morgen verschieben, sondern jetzt leben und lass meine Seele Ruhe in DIR finden.

Amen.

17. Sonntag im Jahreskreis – 28. Juli 2019

Evangelium nach Lukas 11,1-13

„Bittet, dann wird euch gegeben“ heißt es im Evangelium. Dabei haben wir alle schon einmal die Erfahrung gemacht, dass wir Gott eine Bitte vorgetragen haben und nicht erhört wurden. Dann neigen wir leicht zu dem Schluss, dass das Beten sowieso nicht hilft.

Aber es gibt auch die entgegengesetzte Erfahrung. Wir hatten Gott um etwas gebeten, und das Gegenteil traf ein: Wir hatten Gott gebeten, dass uns ein bestimmter Arbeitsplatz bei einer angesehenen Firma gegeben würde, und das Gegenteil traf ein. Dieses Unternehmen musste schon sehr bald Insolvenz anmelden. Stattdessen erhielten wir kurze Zeit später einen Arbeitsplatz bei einer anderen Firma, bei der alles stimmte: das Arbeitsklima, der Lohn, die Wertschätzung und die sichere Stelle.

Diese Erfahrungen regen zu der Frage an, nach welchen Kriterien Gott unseren Bitten einmal großzügig Gehör schenkt und ein anderes Mal nicht.

Auf eine solche Erfahrung gibt uns das Evangelium eine Antwort. Wenn schon bei uns Menschen der Vater dem Sohn eine Bitte nicht abschlägt und schon gar nichts Falsches oder Gefährliches gibt, dann ist es erst recht bei Gott so. „Wenn schon ihr euren Kindern gute Gaben gebt, wieviel mehr wird euer Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.“ Es geht also nicht um etwas, das wir erbitten sollen, sondern um die Gabe des Heiligen Geistes, der uns Vertrauen in die Führung Gottes gibt und Kraft, seinen Willen in jedem Fall anzunehmen, weil er es immer gut mit uns meint.

Pater Heinz Klapsing SSCC

16. Sonntag im Jahreskreis – 21. Juli 2019

Evangelium nach Lukas 10,38-42

„Marta, Marta, …“, Sie wissen schon, wie es weiter geht?! Was will Jesus Marta damals, wie uns Menschen heute damit sagen? Maria sitzt bei Jesus und hört ihm uneingeschränkt zu. Marta, im gleichen Raum, bereitet etwas zu essen zu und hört gleichzeitig zu. Wir würden heute vielleicht schon von „Multitasking“ sprechen. Wie fühlen wir uns, wenn wir nicht bei einer Sache bleiben? Zufrieden? Aus dieser Perspektive können wir Marta verstehen. Sie ist unzufrieden mit ihren zwei Rollen: Gastgeberin und Zuhörerin. Vielleicht sind ihr Jesu Worte nicht wichtig genug, um ihnen ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken. Jesus wendet sich immer ganz dem Menschen zu, ohne nebenbei etwas anderes zu machen. Den gleichen Anspruch stellt er auch an Marta und an uns alle: Ganz da zu und nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun. Seine Antwort an Marta beinhaltet genau diesen Akzent: Maria hat das Bessere gewählt und indirekt ist seine Botschaft damit an Marta und an uns heute: nur eines zu wählen: zuhören oder agieren.

Im Zuhören verbunden
Elfriede Kuhmann

 

15. Sonntag im Jahreskreis – 14. Juli 2019

Evangelium nach Lukas 10,25–37

UNTEILBAR FÜR EINE OFFENE UND SOLIDARISCHE GESELLSCHAFT
Denn Gott wollte in seiner ganzen Fülle in ihm – Jesus – wohnen,
um durch ihn alles auf Erden zu versöhnen.
     Die Kraft der Versöhnung ist die Liebe Jesu zum Vater und zu uns.
    „Du sollst Gott lieben mit allen Kräften und deinen Nächsten wie dich selbst“

Gott lässt keinen Keil zwischen uns treiben --- unteilbar ist die Gemeinschaft Gottes
        keinen Keil zwischen RetterInnen und „Geretteten“ --- Seenotverpflichtung
        keinen Keil zwischen Arbeitenden hier und dort ---  faire Arbeit
        keinen Keil zwischen Gesunden und „Kranken“ --- Heilsgemeinschaft
        keinen Keil zwischen Sünder und „Gerechten“  --- Barmherzigkeit
        keinen Keil zwischen Heiden und „Gläubigen“  ---  Mauern einreißen

Die #unteilbar-Bewegung steht für eine offene und freie Gesellschaft der Vielen –

wir kämpfen gemeinsam
  • gegen jegliche Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Antifeminismus, gegen die Einschränkung von Grund- und Freiheitsrechten, gegen Sozialabbau und Verarmung
  • für eine offene und solidarische Gesellschaft.
Näheres: https://www.unteilbar.org

Pater Wolfgang Jungheim SSCC

14. Sonntag im Jahreskreis – 7. Juli 2019

Evangelium nach Lukas 10,1-12.17-20

In Seinem Element

Die Forelle im Gebirgsbach, der segelnde Adler im Aufwind, die widerkäuende Kuh auf der saftigen Wiese – sie sind in ihrem Element. Man schaut ihnen zu und ist überzeugt: Da gehören sie hin.

Wo ist der Mensch in seinem Element? Diese Frage scheint mir ungleich schwieriger zu beantworten. Auf einmal sehe ich tausend Möglichkeiten und Versuche, sich eine Welt zu schaffen, in der man in „seinem Element“ ist. Religionen, politische Parteien, große Philosophien und kleine „Fluchten“ ins Private und Persönliche sind Anzeichen dieses Strebens.

Das heutige Evangelium beginnt mit dem Satz. „Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als Erstes: Friede diesem Haus!“

Friede bedeutet: aufbauen, heilen, versöhnen, aufmerksam sein sowie hoffen und beten. Wer den Frieden Christi sucht, lässt sich mittragen von der Kraft, mit der Jesus Christus die Erde erfüllt hat und die Jesus Christus „Reich Gottes“ nennt. Der Anbruch des Reiches Gottes ist der Kern seiner Verkündigung.

Für Christus gibt es keinen Zweifel: Suchen wir das Reich Gottes, dann sind wir in unserem Element.

Pater Heinz Josef Catrein SSCC

13. Sonntag im Jahreskreis - 30. Juni 2019

Evangelium nach Lukas 9,51-62

In der Citykirche in Koblenz lag vor Wochen am Ausgang ein kleines Kärtchen auf dem stand: "Ich brauche dich - Gott"

Ja, der Mensch braucht Gott, wie immer dieser bei jedem einzelnen auch aussehen mag: weit weg, über den Himmeln, einen Gott der einen in Ruhe lässt, einen Automaten-Gott, der zu helfen hat, wenn ich ihm mein Gebet gebe oder einen Gott, der ganz konkret etwas mit meinem Leben zu tun hat.

Ich denke, das will uns Lukas sagen.
Diese harschen Antworten Jesu müssen ja einen Grund haben und der lautet:
Du musst dich entscheiden, kein Wischi-Waschi, mit mir mitgehen ist kein Sonntagsausflug. Du wirst gefordert sein. Du wirst dich für Gerechtigkeit, für das Leben einsetzen müssen. Dir werden deine Mitmenschen nicht egal sein. Und dazu gehören auch diejenigen, die du vielleicht nicht magst, die du lieber ihrem Schicksal überlässt, nicht auf- und annehmen willst, die dir auf die Nerven gehen; egal ob in der Familie, im Beruf, in der Nachbarschaft oder Flüchtlinge, Asylsuchende. Du wirst gefordert werden.
Wenn du dazu bereit bist, dann ...

Auf der Rückseite des anfangs erwähnten Kärtchen steht:
"Du brauchst mich. Ich weiß. Aber ich brauche dich auch.
 Ich möchte den Menschen zeigen, dass ich sie liebe.
 Durch dich."

Eine schöne, erholsame Ferienzeit
Pater Wolfgang Nick SSCC
 

12. Sonntag im Jahreskreis – 23. Juni 2019

Evangelium nach Lukas 9,18-24

Da fragte Jesus die Jünger: Für wen halten mich die Leute? (...)
Dann sagte er zu allen: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. (Lukas 9, 18 - 24)

,,Hinter Jesus hergehen" heißt, immer wieder ihn zum Maßstab meines Denkens und Handelns machen. Heißt über meine eigenen Kriterien, Denkformen und Handlun