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August 2014

Seelsorge im Hochland der Anden

Pater Hermann Wendling, seit 1984 Missionar in Lateinamerika.

Pater Hermann Wendling, seit 1984 Missionar in Lateinamerika.

Interview mit Pater Hermann Wendling SSCC

Seit zehn Jahren lebt Pater Hermann Wendling in Peru. Der 1951 in Sabershausen im Hunsrück geborene Priester arbeitete zunächst in der Pfarrei Juan del Oro am Ostrand der Anden. Vor zwei Jahren zog er nach Huaripampa im zentralen Andenhochland. Die Pfarrei liegt auf einer Höhe von 3.300 Meter über dem Meeresspiegel in einer ländlich geprägten Region. Hier leben hauptsächlich Nachfahren der Huancas, einem einst mächtigen Stamm, der von den Inkas unterdrückt wurde und gemeinsam mit den Spaniern gegen sie kämpfte. Die nahe gelegene Provinzhauptstadt Jauja war die erste Hauptstadt Perus nach der Eroberung durch die Spanier. Zurzeit ist Pater Hermann auf Heimaturlaub und schildert seine Eindrücke von der neuen Aufgabe.


Pater Hermann, welchen Eindruck haben Sie nach zwei Jahren in der neuen Pfarrei von der Region und den Menschen, die dort im Hochland der Anden leben?

Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Kleinbauern, die von Landwirtschaft und Viehzucht leben. Die meisten Jugendlichen wandern nach der Schulzeit in die größeren Städte ab, hauptsächlich nach Lima. Einige ziehen auch in die Bergbaugebiete. Die Menschen leben im Allgemeinen sehr bescheiden. In allen Dörfern gibt es Volksschulen, die oft aus einer Klasse bestehen. In den größeren Orten gibt es Sekundarschulen, die nach elf Jahren zu einem Abschluss führen. Die politische Lage ist insgesamt stabil, aber in der Bevölkerung ist die Erinnerung an den Terror unter dem „Leuchtenden Pfad“ weiter lebendig. Der Pfarrer von Huaripampa verlor bei einem Terroranschlag sein Leben. Es gibt eine starke Einwanderung aus der noch ärmeren Nachbarregion Huancavelica, die Einwanderer verdingen sich als Landarbeiter.


Wie sieht die Präsenz unserer Ordensgemeinschaft dort aus?

Der Erzbischof von Hauncayo bot uns diese Pfarrei an, weil dort Priester fehlten. Wir begannen unsere Arbeit vor zwei Jahren mit fünf Brüdern. Heute sind wir noch vier Brüder, davon drei Priester und ein Student im Pastoraljahr. Unsere Arbeit ist die Seelsorge in einer Pfarreiengemeinschaft. Das Pfarrhaus von Huaripampa ist Sitz unserer Kommunität, zwei weitere Pfarreien werden von Schwestern geleitet. Es gibt fünf größere Kirchen und etwa 20 Kapellen. Zur Pfarrei gehören etwa 30 Ortschaften mit 19 000 Seelen. Das christliche Leben ist hier sehr traditionell geprägt. Die Feste des Kirchenjahres und die Patronatsfeste werden mit Gottesdiensten, Prozessionen und folkloristischen Tänzen ausgiebig gefeiert. Die religiösen Höhepunkte des Jahres sind die Weihnachtszeit, die Karwoche und Ostern sowie das Kreuzfest im Mai. Auch die Feier des Karnevals hat in dieser Region einen religiösen Charakter. Es gibt außerdem viele verschiedene Heilige, deren Bruderschaften ihren Patron mit mehr oder weniger großem Aufwand feiern. Der Einfluss der vorkolonialen Religion ist vor allem bei der Verehrung des hl. Jakobus spürbar, der als Schutzpatron für das Vieh gilt.


Welche pastoralen Schwerpunkte prägen die Arbeit der Ordensgemeinschaft?

Wir legen großen Wert darauf, angesichts der vielen verehrten Heiligen die zentrale Stellung Jesu Christi hervorzuheben. Die Weitergabe eines an Jesus Christus festgemachten Glaubens sehen wir deshalb als wichtige Aufgabe an, weil die Gefahr besteht, dass sich die Religiosität in folkloristischen Traditionen erschöpft, die im Extremfall nur noch einen Anlass zu übermäßigem Alkoholgenuss darstellen. Unsere Familienkatechese in Verbindung mit der ersten heiligen Kommunion möchte alle Familienmitglieder erreichen. Wir versuchen dabei bewusst, auch in die kleineren, abgelegenen Gemeinden zu kommen. Solche Katechesen können morgens um sieben Uhr beginnen, damit die Leute anschließend noch auf dem Feld arbeiten können. Wir versuchen auch, den Gemeinschaftscharakter des Glaubenslebens zu stärken, um dem wachsenden Individualismus und dem Konsumdenken entgegenzuwirken, die sich auch hier im religiösen Bereich ausbreitet.


Welche Aufgaben gibt es im schulischen und sozialen Bereich?

Es gibt viele ältere Leute, die alleine leben. Diesen Menschen versuchen wir, mit Lebensmittelspenden zu helfen. Bisher war es üblich, dass bei Festmessen Brot, Wein und Trauben als Gabe für den Priester gespendet wurden. Wir haben vorgeschlagen, dass stattdessen Lebensmittel für unsere älteren Menschen geschenkt werden. Dieser Vorschlag wurde gut angenommen. Da wir in gutem Kontakt zu den Schulen sind, wurde an uns auch die Bitte herangetragen, den Kindern mit Schulmaterial zu helfen. Dies tun wir am Schuljahresbeginn und versorgen dabei etwa 500 Kinder. Dabei helfen uns die Spenden, die wir vom Ausland empfangen. Ein anderer Teil der Spenden dient der Schulspeisung in dem besonders armen und abseits gelegenen Ort Paccha. 45 Kinder und Jugendliche sowie zwölf ältere Leute bekommen an den Schultagen eine warme Mahlzeit. Manche Schulen laden uns auch zu Gesprächen über Erziehungsfragen mit den Eltern ein. Wir unterstützen außerdem bedürftige Kranke beim Arztbesuch und verschaffen ihnen Zugang zu Medizin. Manche Leute können sich nicht einmal eine Brille für ein Schulkind leisten. Es ist mir deshalb ein Anliegen, allen Menschen zu danken, die unsere Arbeit im Andenhochland in den letzten Jahren finanziell unterstützt haben. Ohne diese Spenden¹ wäre uns Vieles nicht möglich gewesen. Diese Unterstützung aus der Heimat ermutigt mich selbst auch, weiterhin in der Ferne tätig zu sein.

 

¹Wenn Sie Pater Hermann Wendling SSCC und die Arbeit in Peru unterstützen möchten, geben Sie bei Spenden auf das Konto der deutschen Provinz bitte den Vermerk „Hilfe für Pater Wendling“ an.



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