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Oktober 2016

Tag der Ordensgemeinschaft in Werne



Der diesjährige „Tag der Ordensgemeinschaft“ („Dies Congregationis“) fand am 3. Oktober in Werne statt. 36 Mitbrüder und Mitglieder des weltlichen Zweiges hatten den Weg ins Provinzialat gefunden. Erstmals dabei war auch unser Mitbruder Adalbert Mfiyolo Mantubu, der seit August in Deutschland ist. Pater Claude Stockebrand vertrat die Mitbrüder aus Charleroi.


Der Tag begann mit einer Meditation von Pater Alfred Bell der an Hand eines Textes von Teilhard de Chardin das Wachsen des Menschen darstellte: das Wachsen nach innen – das Wachsen nach außen und das Wachsen in eine höhere Dimension (Christus) hinein.


Anschließend hielt Schwester Christeta Hess von den Dernbacher Schwestern ein Referat über die Entwicklung der Orden, in dem sie ausführte: Orden haben immer auf bestimmte Nöte der Zeit geantwortet. Mönchsorden, Bettelorden, apostolische und karitative Gemeinschaften sind eine Antwort auf bestimmte Nöte und Herausforderungen. Zur Realität des Ordenslebens gehört auch, dass sie kommen und gehen. Viele Orden überleben nicht mehr als fünf Generationen. Einige Gemeinschaften erleben ein Sterben im Heimatland und ein Aufblühen in anderen Regionen. Diese Zweiteilung muss man akzeptieren. Für die alten Orden in Europa gilt es Zeugnis zu geben, dass wir unseren alten Mitgliedern Teilnahme am täglichen Leben ermöglichen und sie liebevoll pflegen. Für die noch Aktiven gilt es, der Resignation und Depression zu wehren und Aufgaben zu finden, die unseren Kräften und den Bedürfnissen der Kirche entsprechen.


Die Bewirtung der Gäste durch die Küche des Hauses in Werne war wir immer ausgezeichnet und der Tag ermöglichte vielerlei Gelegenheit zum Gespräch und zum Kennenlernen.
Zum Abschluss feierten wir gemeinsam Eucharistie.


Pater Heinz Josef Catrein SSCC


Die Predigt des Provinzials können Sie nachfolgend lesen.

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,


Zehnfüßlerkrebse sind interessante Lebewesen. Die bekanntesten Vertreter sind der europäische und amerikanische Hummer. Bis zu 100 Jahre alt können sie werden; 9 kg schwer. Sie schmecken gut, aber das soll hier nicht interessieren.


Wie in einem spannenden Tierfilm möchte ich euch mitnehmen auf eine Reise in die Tiefe des Meeres.


Es  begann im Atlantik irgendwo in 60 Metern Tiefe. Herr und Frau Hummer begegnen sich und es war wohl Liebe auf den ersten Blick. Er begann gleich nach einer Höhle Ausschau zu halten, gemütlich und mit Platz für zwei.  Nachdem er sie gefunden hat, zieht er direkt  ein. Sie ziert sich ein bisschen, legt sich aber vor den Eingang. Mit allerlei chemischen Lockstoffen bringen sie sich in Stimmung und nach etwa einer Woche ist sie neben ihm in der Höhle. Aber sich so richtig näher kommen, ist noch schwierig. Der Panzer ist im Weg und sie schält sich langsam aus ihrem Panzer. Nun ist sie schutzlos und verwundbar, aber im Stande ein kostbares Geschenk von ihm entgegenzunehmen. Er überreicht ihr ein paar kleine Pakete, die sie dankbar annimmt und sorgfältig in einer Art Bauchtasche verstaut. Dann geschieht  wieder nichts. Aber er ist der perfekte Kavalier. Er passte getreu auf seine schutzlose Gefährtin auf, bis auch ihr Panzer wieder ausgehärtet ist. Wenn sie wieder wehrhaft ist, macht sie sich davon. Irgendwann, Monate später, erinnert sie sich an seine kostbare Gabe und befruchtet mit dem Inhalt der Monate vorher empfangenen Samenpäckchen ihre Eizellen. Hummer wachsen ihr ganzes Leben lang. Sie häuten sich zwei Mal im Jahr. Es ist eigentlich ein lebensgefährliches Unterfangen, denn beim Häuten sind sie weich und angreifbar, im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen. Sie wagen es trotzdem. Nur so können sie wachsen.


Vielleicht ahnt ihr nach diesem Sprung ins kalte Meerwasser worauf ich hinaus will. Ich spreche über das Wachsen und damit über ein Thema, das vielleicht sogar als  Reizthema empfunden wird, denn von Wachstum ist bei uns ja wirklich nicht viel zu merken. Wir bauen ab. Wir werden weniger. Wir ziehen uns zurück.


Wachstum ist für uns mehr werden, größer werden, stärker werden  wobei Wachstum am liebsten in Zahlen ausgedrückt wird:  44 Mitbrüder, 5 Häuser, 10 Gestellungsverträge. In diesen Kategorien denken wir.


Wachsen ist aber auch etwas anderes und deswegen habe ich das Beispiel des Hummers gewählt. Wachstum ist ein lebenslanger und sehr persönlicher Prozess. Und was ich eben vom Liebesleben der Hummern erzählt habe, ist in vielerlei Weise eine anschauliche Illustration menschlicher Erfahrungen, die ich in vier Thesen darstellen möchte.


Wachstum und Weiterentwicklung gehen Hand in Hand mit Verletzlichkeit und Bedrohung.


Wer die Geschichte der Kirche kennt, weiß, dass gerade die rasche Ausbreitung in den ersten Jahrhunderten die Zeit der Martyrer ist. Welche Sicherheiten hatten die ersten Apostel, die ersten Päpste in Rom? Es war eigentlich nur eines sicher – der Martyrertod . Trotzdem sie als Glaubenszeugen aufgebrochen in alle Welt.


Wir können von der Martyrerzeit weiterdenken: Unsere Stifter, Pater Damian, die Glaubenszeugen im spanischen Bürgerkrieg zeigen uns die extremen Konsequenzen einer solchen Risikobereitschaft.


Dieses Risikodenken ist uns nicht nur fremd, es ist uns zutiefst zuwider. Wir haben es gerne ordentlich. Keine Experimente, nichts Neues. Das ist nicht nur wachstumshemmend, das ist tödlich. Der schützende Panzer wird zur Zwangsjacke. Denkt nur, wie schwierig es ist, selbst Kleinigkeiten in unseren Konventen zu verändern.


Wachstum und Weiterentwicklung geht nur mit anderen


Die Grundlage des Ordenslebens in Gemeinschaften unseres Stiles ist die „vita communis“. Der Zölibat ist da Segen und Fluch. Wir sollen für den Herrn frei sein, was nicht automatisch gelingt. Heraus kommt in der Praxis oft ein Lebensstil der von einem starken Individualismus geprägt ist. Karl Rahner bezeichnete Klosterkommunitäten einmal als Gemeinschaft von kasernierten Individualisten. Der Panzer sitzt bei uns genau so fest wie bei den Hummern, aber die scheinen klüger zu sein. Das Weibchen häutet sich, macht sich wehrlos, um Leben weiterzugeben. Er ist Kavalier und nutzt ihre Schwäche nicht aus. Die Schöpfung scheint klüger zu sein als wir.


Immer wenn ich mich weiterentwickeln will, muss ich etwas Altes loslassen.


Gehen wir wieder zur Urkirche zurück. Wie hat sie sich gehäutet. Weg aus dem Panzer des mosaischen Gesetzes zu einer neuen Freiheit, Franziskus wollte die Kirche aus dem Panzer der Geldgier befreien. Manches Loslassen fiel schwer und war nicht ganz freiwillig. Das Papsttum stieg zu einer neuen moralischen Autorität auf, als es den Kirchenstaat verlor.


Als Ordensgemeinschaft müssen wir ungewollt einen Bedeutungsverlust hinnehmen: keine Missionen, keine Schulen, kaum noch Pfarreien. Haben wir vergessen, dass unsere großen Werke auch eine Art Panzer waren, die die Beweglichkeit einschränkten und möglicherweise Neues verhinderten? Ist unser inneres Wachsen mit dem Verlust eines Titels oder eines Werkes am Ende?


Das Wachsen hört niemals auf.


Wachsen hieß für uns einmal unsere Werke zu halten und auszubauen. Gibt es keinen Grund mehr zu wachsen, wenn Werke und Berufe weg bleiben? Verkriechen wir uns ohne Hoffnung in unseren Panzer? Ich möchte den Blick auf ein anderes Wachstum lenken. Unser Stifter sagte einmal: In Christus finden wir alles „Seine Geburt, sein Leben, sein Tod, das ist unsere Regel“. Sind wir davon überzeugt? Wollen wir auf ihn hin wachsen, eine persönliche Beziehung zu ihm aufbauen? Auch der Stifter spricht vom Wachsen. Er gebraucht ganz andere Bilder, nämlich das Bild der vier Lebensalter. Die Kindheit, das verborgene Leben, das öffentliche Leben und das gekreuzigte Leben nachahmen. Da steckt alles drin: das Sich-Verändern, die Bereitschaft zum Risiko, das Weiter-Schreiten von einer Lebensphase in eine andere, die Erkenntnis, dass vieles still und unspektakulär geschieht.


Wachsen ist ein geheimnisvoller Prozess. Es ist schade, dass die stummen Krustentiere uns nichts erzählen können. Aber ihr ungewöhnlicher Lebens- und Fortpflanzungsstil ist ein anschauliches Beispiel für das, was wir Wachsen nennen: Es heißt Risiken eingehen, Altes zurücklassen, mit anderen wachsen und nie aufhören. Nur so werden wir groß. Nur so bringen wir Frucht.


Predigt von Heinz Josef Catrein SSCC

 



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