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Weihnachtsgruß des Provinzials

Weihnachten im Jahr der Pandemie

A H A – Abstand – Hygiene – Alltagsmaske. Diese Regel haben wir – werte Besucherin, werter Besucher unserer Website – verinnerlicht. Wir geben uns schon lange nicht mehr die Hand, schon gar nicht umarmen oder berühren wir uns.

Wir halten Abstand, mindestens 1, 50 m.
Gott muss keinen Abstand halten. Im Gegenteil, an Weihnachten verringert Gott den Abstand auf 0. Er stellt sich in unsere Sandalen, sieht das Leben an mit unseren Augen und aus unserem Blickwinkel heraus, versteht das Leben mit unserem Herzen. An Weihnachten verringert Gott den Abstand auf 0.

Im Philipperbrief hört sich das so an: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen“. (Philipper 2, 5–7)

Wenn wir das als glaubende Menschen so erfahren, dann wissen wir, dass Nähe mehr ist als sich physisch berühren. Wenn Gott jedem Menschen so ganz nahe ist, wenn also alle Menschen in seinem Herzen Platz haben, dann bin ich in oder durch ihn allen Menschen ganz nahe. Dann finde ich Wege wie ich mit meinem vereinsamten Nachbarn kommunizieren kann. Dann weiß ich, was Geflüchtete auf Lesbos und anderswo in den Lagern erleben und erleiden. So gesinnt sein wie Christus Jesus bedeutet, mich berühren lassen von der Angst, vom Schmerz, von der Einsamkeit, von der Wut, von der zitternden Hoffnung, von der Sehnsucht der Menschen. So bin ich ihnen dann ganz nahe und kann von meinem Herzen her Wege finden auf diese Betroffenheit zu antworten. Das ist nicht ohne Risiko. Der Weg Jesu war von Anfang an risikoreich.

Weihnachten verdeutlicht uns: Gott hat Nähe, Zuwendung, Verständnis, Vertrauen gewagt und damit alles verändert. Gott sei Dank.

Ich wünsche Ihnen immer wieder, dass Sie in den kleinen Begebenheiten des Alltags die Erfahrung der Nähe, der Zuwendung, des Verständnisses und des Vertrauens machen können – und das nicht nur an Weihnachten. Gott schütze Sie im Neuen Jahr.

Martin Königstein SSCC