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Henriette Aymer de la Chevalerie

Die Gründerin

Henriette Aymer de la Chevalerie wurde am 11. August 1767 in St. Georges-de-Noisné als Tochter einer adeligen Familie vom Land geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters verließ die Familie ihr Anwesen und siedelte nach Poitiers über, wo das junge und lebensfrohe Mädchen in den höheren Kreisen der Gesellschaft bald bekannt und beliebt war. Der eher oberflächliche Lebensstil, der die Epoche kennzeichnete, darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Familie im Grunde religiös und kirchentreu war.

Als die Revolution ausbrach, gewährten Mutter und Tochter einem verfolgten Priester Unterschlupf, was sie beide in große Gefahr bringen sollte. Als die Polizei am 22. Oktober den Priester entdeckte, wurden sie in Gefängnis gebracht. Mit knapper Not  entgingen sie der Guillotine und kamen erst im September 1794 nach der Hinrichtung Robespierres und dem Ende des Terrors wieder frei.

In dieser Zeit der Gefangenschaft erlebte Henriette eine innere Wandlung. Sie legte eine Lebensbeichte ab und begann ein ernsthaftes geistliches Leben. Sie schloss sich einer Gruppe von jungen Frauen an, die sich als "Gesellschaft des Herzens Jesu" dem Gebet und karitativen Aufgaben widmeten. Dort traf sie auf Pierre Coudrin, der seit einiger Zeit der geistliche Leiter dieser Gruppe war. Beide wurden die Gründer einer neuen Gemeinschaft von Männern und Frauen, die den Parolen des Terrors die Botschaft der Liebe Gottes entgegensetzte. Die "Kongregation von den Heiligsten Herzen Jesu und Mariens und der Ewigen Anbetung des Allerheiligsten Altarsakramentes" wurde durch die öffentlichen Gelübde der beiden Gründer in der Weihnacht 1800 gleichsam offiziell aus der Taufe gehoben.

Die neue Ordensgemeinschaft wollte in Treue zum Papst an der Erneuerung der Kirche Frankreichs arbeiten. Die Patres hielten Volksmissionen und arbeiteten in der Ausbildung junger Priester, die Schwestern eröffneten Schulen für die Erziehung der Jugend. Bald gingen die ersten Mitglieder der Gemeinschaft auch als Missionare in auswärtige Missionen.

In der Leitung der Gemeinschaft arbeiteten Mutter Henriette und Pater Coudrin eng zusammen und ergänzten sich gegenseitig aufs Glücklichste: Er sorgte für den nötigen Rückhalt bei Bischöfen, sie bereitete die zahlreichen Neugründungen vor, nahm sich der Dinge des täglichen Lebens an und stattete die ausziehenden Missionare und Missionarinnen aus — mit den nötigen materiellen Dingen und mit ihrer Begeisterung. Ihre Eingebungen und Visionen, die sie auf die Anordnungen Pierre Coudrins in den sogenannten „Billets“ niederschrieb, haben weithin die Spiritualität der Ordensgemeinschaft geprägt. Beide waren aber vor allem große Beter. Die Zeit vor dem Tabernakel wurde ihnen nicht lang, und daraus zogen sie ihre Kraft.

Am 8. August 1804 kam Mutter Henriette nach Paris; am 22. März 1805 bezog sie mit einigen Schwestern das Mutterhaus in der Rue de Picpus. Ihre Sorge galt den zahlreicher werdenden Niederlassungen. Vor allem aber kümmerte sie sich um jede einzelne Schwester. Alle nannten sie liebevoll „la Bonne Mère“, die „Gute Mutter“.

Am 5. Oktober 1829 wurde sie infolge eines Schlaganfalls rechtsseitig gelähmt. Sie ertrug dieses Leiden, zu dem noch mancherlei seelische Nöte kamen, in großer Geduld. Am 23. November 1834 starb Mutter Henriette. P. Coudrin stand ihr im Tode bei. Sie fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof von Picpus, wo später auch der Gründer beigesetzt werden sollte.