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Impuls zum 6. Ostersonntag

10. Mai 2026

Weder Bremsklotz noch Brandbeschleuniger

In der Kirche der 2. Generation nach Jesus beginnen viele Menschen an Gott und den Geschichten über Jesus von Nazareth zu zweifeln. Sie haben Jesus nicht mehr selbst erlebt. Sie kennen ihn vom Hörensagen. Und sie erleben den Streit in der Kirche, der mit einem Kompromiss zwischen den Aposteln während des sogenannten Apostelkonzils endet. Streit verunsichert noch mehr, ob man denn im wahren Glauben ist.

Für den Evangelisten Johannes ist es wichtig, dass die Menschen in dieser Situation in ihrem Glauben gestärkt werden: Gott lässt euch nicht als Waisen im Stich. Die Zusage, bei den Menschen zu bleiben und in dieser Welt zu wirken, gilt. Der Beistand für die Menschen, die sich zeitweise von Gott und der Welt verlassen fühlen, ist der Heilige Geist.

Dieser Geist Gottes will die Menschen in Verbindung mit Gott halten. Mehr noch und vorweg: Er hält Gott in Verbindung mit den Menschen. Der Auferstandene hat sich nicht zurückgezogen, sondern bleibt gegenwärtig und wirksam in dieser Welt durch diesen Heiligen Geist.

Sein Geist wirkt. Aber wie? Es fällt auf, dass viele Menschen in der Kirche den Heiligen Geist für sich in Anspruch nehmen. Die einen, die wollen, dass sich nichts oder möglichst wenig verändert. Die anderen, die schnelle Reformen durchsetzen und mit alten Überlieferungen brechen wollen. Aber der Geist Gottes ist kein Bremsklotz, der notwendige Veränderungen und Erneuerungen be- oder verhindert. Der Geist Gottes nimmt, wie es Jesus gelebt hat, die jeweilige Wirklichkeit an so, wie sie ist. Und er verhält sich zu der Wirklichkeit zuversichtlich im gläubigen Vertrauen. Er leugnet und verdrängt nicht die Wirklichkeit. Nein, der Geist ist kein Bremsklotz. Er ist aber auch kein Brandbeschleuniger, der immer schon der Zeit voraus sein will. Er greift nicht vor und ist auch nicht übergriffig, spaltet nicht, ist nicht überspannt und handelt nicht überhitzt.

Der heilige Damian De Veuster, ein Mitbruder unserer Gemeinschaft, ist kam am 10. Mai 1873 auf der Insel Molokai an. Dieser Tag ist alljährlich sein Gedenktag. Der heilige Damian von Molokai hat sich freiwillig für ein Leben auf dieser Hawaii-Insel entschieden, auf der nur Leprakranke, das heißt Aussätzige als Ausgesetzte lebten. Auf diese Weise hat er gezeigt was es heißt: Sich vom Geist Gottes leiten zu lassen, sich und die eigene Lebenssituation zu verändern. Und zugleich aus diesem Geist den Hoffnungslosen nicht das Paradies auf Erden zu versprechen, sondern für ein besseres Leben in dieser Welt zu sorgen. Die Leprakranke waren verwaist auf Molokai. Damian hat gezeigt, was es bedeutet, dass der Geist Gottes die Menschen in ihrem Leiden nicht als Waisen zurücklässt und durch das Wirken in dieser Welt den Glauben an den Himmel offenhält.

Text und Bild: P. Manfred Kollig SSCC

 


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